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Debattenbeitrag zur Johann-Comenius-Schule: Moratorium hat nicht einmal sechs Wochen gehalten

Endzeitstimmung geht anders

Nun ist die Katze aus dem Sack! Mehr oder weniger deutlich, je nach Sichtweise, hat Landrat Bartels den Bestand der Johann-Comenius-Schule in Emmerthal in Frage gestellt und wer zwei und zwei addieren kann, findet auch schnell heraus, wohin die Reise gehen soll: eine Schule für Aerzen und Emmerthal mit Standort in Aerzen. Das erbetene und angekündigte Moratorium zur Schulstandortdebatte hat nicht einmal sechs Wochen gehalten!

veröffentlicht am 31.07.2015 um 06:00 Uhr

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Begründet wird diese Sichtweise vordergründig mit der Güte der Konzepte der beiden Schulen. Doch wie soll diese bewertet werden? Durch Anmeldezahlen – die sind in diesem Jahr an beiden Schulen nahezu identisch; aufgrund der Umsetzung – die hat an beiden Schulen gerade erst begonnen, bis es wirklich belastbare Ergebnisse gibt, werden noch einige Jahre vergehen.

Eher ist anzunehmen, dass das Orakel im Kreishaus befragt worden ist. Viel realistischer erscheinen zwei andere Gründe. Einmal passt die Schulform der Johann-Comenius-Schule als einzig verbleibende Haupt- und Realschule im Landkreis nicht ins politisch-ideologische Konzept der Verantwortlichen im Land und Landkreis (außergewöhnliche Erfolge der Schule im niedersachsenweiten Vergleich spielen dabei offenbar überhaupt keine Rolle) und zum anderen müsste in den Erhalt der Schule investiert werden, was andernorts allerdings längst geschehen ist.

Wo waren eigentlich die Emmerthaler Hauptverwaltungsbeamten und Kommunalpolitiker aller Couleur, als hohe einstellige, sogar zweistellige Millionenbeträge in die beiden Landkreis-KGSn und die Oberschulen in Aerzen und Hessisch Oldendorf investiert wurden? In Emmerthal hat es gerade einmal für drei neue Klassenräume gereicht, als die Raumnot besonders groß war. Die zweite Sporthalle und der Mensahallenumbau wurden weitgehend mit Bundesmitteln bestritten, die es zur Förderung der Ganztagsschulen gab. Nur weil der damalige Schulleiter Bernd Pape umsichtig und vorausschauend handelte und als einer der ersten Schulleiter den Ganztagsantrag einreichte, flossen die Mittel.

Was folgt daraus? Wenn die Politiker Mut haben und aufrichtig sind, dann stellen sie vor der Kommunalwahl im nächsten Jahr ihre Positionen in aller Deutlichkeit vor, anstatt vor bestimmten Schulen ständig neue Hürden aufzubauen. Die Resignation der Emmerthaler Schulleiterin Birgit Schlesinger und ihr Wechsel an die KGS Wennigsen ist nur eine Folge davon!

Es gibt sicher finanzielle Gründe, die für eine Schulschließung sprechen (sowohl in Aerzen als auch in Emmerthal, vielleicht auch an beiden Standorten), aber dann müssen sich Politik und Verwaltung auch deutlich dazu bekennen und den Wähler entscheiden lassen – auch auf die Gefahr hin, dass sie sich eine vergleichbar krachende Abfuhr holen wie jüngst bei der gescheiterten Etablierung einer Integrierten Gesamtschule in Bodenwerder.

Und natürlich gibt es auch gewichtige Gründe, die jenseits der finanziellen Optimierung liegen; nicht immer ist die billigste Lösung auch die beste. Es gibt viele Befürworter, die in kleinen, überschaubaren, lokal verankerten Sekundarschulen in Unterzentren eher eine Lösung für die anstehenden Probleme sehen, als die Konzentration in Schulzentren mit 1000 oder 1500 Schülern.

In Emmerthal jedenfalls vertrauen offensichtlich alle Beteiligten – Schüler, Eltern und Lehrer – weiterhin dieser Schule (die Zahlen sprechen für sich), der guten Arbeit, die dort geleistet wird, den Erfolgen, die gemeinsam erreicht wurden und weiterentwickelt werden, und dem Konzept für die Zukunft, das diese Schule verfolgt. Die Schule hat gerade für fünf Jahre das Prädikat „Europaschule“ verliehen bekommen und bereits jetzt gibt es dort erste Überlegungen, wie man den Antrag für den nächsten Fünfjahreszeitraum gestalten könnte – Endzeitstimmung geht anders!

Der Autor Rudolf Langer ist Konrektor und nach den Ferien kommissarischer Leiter der Johann-Comenius-Schule, er legt aber Wert auf die Feststellung, als Privatperson und Einwohner von Emmerthal diesen Beitrag verfasst zu haben.



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