weather-image
×

Weltgesundheitsorganisation WHO rät zur Schutzimpfung / Praxisgebühr wird nicht fällig

Ein Stich gegen gefährliche Grippe-Viren

Hameln. Mein Körper macht seit 20 Minuten Bekanntschaft mit unzähligen winzigen Fremdlingen. Sollte mein Immunsystem in den nächsten Stunden Alarm schlagen und die Zeilen unvollendet bleiben, würde ich zu den Ausnahmen zählen, hat mir Dr. Konstanze Kurbjuhn-Raapke versichert. Die Angst jedenfalls, dass mich die Grippeschutzimpfung außer Gefecht setzt, wurde hinreichend von Freunden, Familie und Kollegen geschürt. Hier steht’s in der Broschüre: Dass man durch die Impfung eine Grippe bekommt, „ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält“. Wohl aber kann es sein, dass ein allgemeines Krankheitsgefühl oder Rötungen und Schwellungen am Arm die Folge sind. Etwa 13 Prozent der Geimpften trifft dieses Schicksal. Egal, ein Immunsystem, das im letzten Winter alles und jeden reingelassen hat, muss Unterstützung bekommen. Und … Schuss.

veröffentlicht am 13.10.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:50 Uhr

Birte Hansen

Autor

Reporterin zur Autorenseite

Es piekst. Der Gedanke daran, dass sich eine Nadel in den Deltamuskel des linken Oberarmes bohrt, ist schlimmer als der Vorgang selbst. Ein Gemisch aus Eiweißen und Lipiden – Virushüllen – macht sich auf den Weg zu den Rezeptoren auf den Schleimhautzellen der Atemwege, an denen Grippeviren, wenn sie denn kommen, andocken und in die Wirtszelle eindringen können. Gelingt es ihnen, ist der Totalausfall programmiert: Plötzliches Fieber mit Schüttelfrost, starke Muskel- und Gliederschmerzen, heftige Kopfschmerzen und sich tagelang so hundeelend fühlen, dass nichts mehr geht – bitte schön, Ihre Grippe ist da.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) können in einer durchschnittlichen Influenzasaison in Deutschland zwischen zwei und fünf Millionen zusätzliche Arztbesuche, etwa zehn- bis zwanzigtausend Krankenhauseinweisungen und je nach Stärke der Influenzasaison zwischen 7000 und 14 000 zusätzliche Todesfälle auftreten. Vor allem ältere und geschwächte Personen mit chronischen Erkrankungen werden durch einen Grippevirus stärker geschwächt und damit anfälliger für andere Infektionen. Das Robert-Koch-Institut in Berlin empfiehlt die Impfung für Menschen über 60 Jahre, chronisch Kranke, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und Schwangere. Die Hamelner Ärztin Kurbjuhn-Raapke hat nach eigener Aussage aus Seniorenheimen die Rückmeldung erhalten, dass die Bewohner seltener mit Infekten zu kämpfen hätten, seit sie sich impfen ließen. Ja, die Impfung sei nur gegen die echte Grippe, trotzdem schütze sie weitreichender. Ein Immunsystem, das schon einmal gelernt habe, zu kämpfen, sei auch besser gegen andere Viren gewappnet. Der Schutz durch die Impfung besteht nur für eine Saison, und so empfiehlt die BZGA, sich vor jeder Saison im Oktober oder November gegen Grippe impfen zu lassen. Der Impfstoff hat in diesem Jahr laut Paul-Ehrlich-Institut, zuständig für die Zulassung von Impfstoffen in Deutschland, dieselbe Zusammensetzung wie der für die vergangene Saison. Knapp 20 Millionen Dosen sind für die Grippesaison 2011/2012 bislang freigegeben worden; für die vergangene Saison waren es letztlich etwa 22 Millionen. Ziel der Weltgesundheitsorganisation WHO ist es, die Impfbereitschaft der Bevölkerung weiter zu erhöhen. Entsprechende Aufklärung bei den Ärzten über Broschüren zur Grippeschutzimpfung trägt dazu bei. Vor allem als die Schweinegrippe kursierte, war die Bevölkerung alarmiert und hat die Impfungen ernst genommen, erzählt Edelgard Wüllner aus der Gemeinschaftspraxis Kurbjuhn-Raapke-Schnee. Wer unsicher ist, ob er sich impfen lassen sollte, weil er beispielsweise Allergiker ist oder andere Krankheiten hat, fragt bei seinem Arzt nach. Zahlen müssen Patienten für die Impfung im Regelfall nichts, auch nicht die Praxisgebühr.

Einen hundertprozentigen Schutz garantiert aber auch die Impfung nicht, doch die Wahrscheinlichkeit, an der Influenza zu erkranken, ist wesentlich niedriger und die Symptome fallen im Falle einer Erkrankung weit weniger heftig aus. Apropos Symptome: Noch merke ich nichts von den Neulingen in mir …



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige