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Kleine Rätsel Schaumburgs: Wie aus einer Baustoffquelle eine Wiese wurde

Ehemals Tonkuhle, heute Stadtpark

Rinteln (lsb). Mittlerweile erstrahlt die Schlingwiese in der Parkanlage gegenüber vom Kino wieder im neuen Glanz. Die Blumenbeete und Bäume blühen und auch der Weg ist neu verlegt worden. Doch wer meint, der kleine Park sei schon immer an dieser Stelle gewesen, der irrt.

veröffentlicht am 09.07.2011 um 00:00 Uhr

„Die Parkanlage wurde erst Mitte der 60er Jahre geschaffen. Vorher befand sich auf der heutigen Wiese eine Tonkuhle der Stadtziegelei“, erzählt Museumsleiter Dr. Stefan Meyer. Und das mehrere Jahrhunderte, wie er weiß: „Der Ton wurde dort bereits seit dem Mittelalter abgebaut.“

Doch neben der „kleinen“ Tonkuhle, wie die auf der Schlingwiese auch genannt wurde, gab es auch die „große“ Kuhle. Diese befand sich östlich der Mindener Straße; dort, wo heute „Lidl“ steht. „Allerdings wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg verfüllt, um mehr Baufläche zu haben“, erklärt Meyer. Und auch Friedrich-Wilhelm Hoppe vom Verschönerungsverein Rinteln (VVR) weiß darüber Bescheid: „Die komplette rechte Seite von Bahnhofstraße/Mindener Straße wurde bis in die 50er Jahre zum Tonabbau genutzt. Angefangen dort, wo heute die Fahrschule Radler steht, bis hin zum heutigen Standort des Lidls. Später wurde sie jedoch zur Mülldeponie umkonstruiert.“

Die „kleine“ Tonkuhle hingegen bestand noch bis ins frühe 20. Jahrhundert. „Die Ziegelei, die im Jahr 1373 gegründet wurde, hatte ihr Gebäude bis 1880 an der Ecke der heutigen Dankerser Straße stehen“, so Meyer. Außerdem sei die Ziegelei auch überregional beschäftigt gewesen, vertrieb Ton an verschiedene Betriebe außerhalb des Landkreises.

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1940: Die ehemalige Kuhle an der „Bünte“ wurde später als Schafweide genutzt.

Tonkuhlen an sich sind künstlich angelegte Seen oder Teiche; auch bekannt unter den Namen Ziegelteich oder auch Lehmkuhle, die durch den Aushub von Lehm oder Ton entstanden sind. Ist die Qualität des Grundwassers gut, werden Tonkuhlen auch gerne, ähnlich wie Baggerseen, als Badesee genutzt.

Bei Baggerseen sind die Böschungen allerdings meist sehr steil, was zu einer erhöhten Rutschgefahr führen kann. Das tonhaltige Material der Ziegelteiche sorgt jedoch für eine hohe Festigkeit und vermeidet ein Rutschen der Erde.

Die Tonkuhle auf der Schlingwiese sei im Winter auch gerne als Schlittschuhbahn genutzt worden, so Hoppe: „Vor allem, wenn Hochwasser war. Denn dann kam es zu einer Überflutung der Kuhle und die gefrorene Fläche bot sich hervorragend zum Schlittschuhlaufen an.“

Lehm besteht zu großen Teilen aus Ton und ist seit ungefähr 10 000 Jahren in der Form luftgetrockneter Lehmziegel bekannt und wird als Baumaterial verwendet. Gebrannter Ton wurde in Ziegelform erstmals zwischen 3100 und 2900 vor Christus benutzt und ist seit spätestens dieser Zeit einer der bedeutendsten Baustoffe unserer Gesellschaft.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs? Schreiben Sie uns an sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie an unter (0 57 51) 4000-526.



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