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Was steckt hinter der landläufig verbreiteten Annahme, dass der „Mann vom Reh“ der Hirsch ist?

Der Bambi-Irrtum

Wie heißt eigentlich der „Mann vom Reh“? Und wie die „Frau vom Hirsch“? Hand aufs Herz, hätten Sie’s gewusst? Vor allem Kinder kennen den Unterschied nicht. Die Schuld daran wird oft Walt Disney zugesprochen. Genauer gesagt dem Disney-Klassiker „Bambi“. Generationen von Kindern haben ihn gesehen – und glauben deshalb: Hirsch und Reh sind ein und dasselbe. In dem Kinderfilm, der 1950 erstmals in deutschen Kinos lief, läuft einiges schief: Bambi, das kleine Rehkitz, ist in dem Zeichentrick-Streifen eigentlich gar kein Rehkitz. Als solches könnte es nämlich nicht fröhlich mit seinem Schwanz (in der Jägersprache auch Wedel genannt) herumwackeln. Rehe haben keinen Schwanz. Und Bambis Vater mit seinem stolzen großen Geweih? Der ist auch kein Rehbock, sondern in dem Zeichentrickfilm ein amerikanischer Weißwedelhirsch. Bei ihm sind – anders als bei unseren einheimischen Hirscharten – die Stangen des Geweihs nach vorn und nach außen gerichtet. Ohnehin erreicht das Geweih („Gehörn“) eines Rehbocks nicht die Ausmaße von dem eines Hirsches. Doch gegen das Disney-Trickfilmwerk sind zoologische Fakten machtlos. Aber wie kam es überhaupt zu der irrigen Annahme?

veröffentlicht am 15.05.2015 um 06:00 Uhr

Ursprünglich stammt die Geschichte von Bambi von dem österreichischen Autor Felix Salten. Er war selbst Jäger und schuf im Jahr 1923 die Geschichte vom kleinen Rehkitz Bambi. Originaltitel: „Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde.“ Den Namen Bambi entlehnte er wahrscheinlich dem italienischen Wort für Kind „bambino“. Der US-Amerikaner Walt Disney kaufte Ende der 1930er Jahre die Filmrechte an Saltens Buch. Da es auf dem amerikanischen Kontinent allerdings keine Rehe gibt, wurde aus dem österreichischen Rehkitz ein amerikanisches Weißwedelhirschkalb. In der deutschen Synchronfassung des gleichnamigen Kinofilms blieb Bambi allerdings ein Rehkitz, dessen Vater jedoch ein Weißwedelhirsch ist. Da sich zudem Rehkitze und Weißwedelhirschkälber mit ihren weißen Punkten auch nicht sonderlich stark unterscheiden, war die Verwirrung im deutschen Sprachraum komplett. So kam es wohl zu der Annahme, der Hirsch sei der „Mann von der Ricke“. Mit „Hirsch“ ist bei uns meist der Rothirsch gemeint, der auf vielen Wirtshausschildern oder auf dem Logo eines bekannten Kräuterlikörs Einzug gehalten hat. Der Hirsch wiederum wird oft auch „König des Waldes“ genannt, was so auch nicht ganz richtig ist, erklärt Kreisjägermeister Jürgen Ziegler. Rothirsche würden sich als ehemalige Steppenbewohner – sie kommen ursprünglich aus der Gegend um Mesopotamien in Vorderasien – in offenen und halb offenen Landschaften wie den Weserauen wohler fühlen, sagt Ziegler. Doch dort sind eher lärmende Autos und Motorboote zu finden, als äsende (grasende) Hirsche. Dichte Wälder sind keineswegs ihr bevorzugter Lebensraum.

Zwar sind sowohl Rehe als auch Hirsche Paarhufer und die Männchen tragen Geweihe, trotzdem sind es zwei verschiede Arten, die andere Paarungszeiten haben und sich auch optisch voneinander abheben. „Rehe, die zu den sogenannten ,Trughirschen‘ gehören, unterscheiden sich von den ,echten Hirschen‘ deutlich“, erklärt der Kreisjägermeister. „Man sieht es schon auf den ersten Blick: Das Geweih ist mächtig, der Hirsch groß und schwer“, sagt Ziegler und wird genauer: „Im Vergleich mit dem bis zu 300 Kilo schweren Rothirsch, der eine Schulterhöhe von 1,50 Metern erreichen kann, ist das Reh mit 20 bis 25 Kilo Körpergewicht und einer Schulterhöhe von bis zu 80 Zentimetern ein Leichtgewicht.“ Selbst Walt Disneys Weißwedelhirsch (150 Kilo) ist, obwohl deutlich kleiner (ein Meter Schulterhöhe) als der Rothirsch, immer noch größer als das zierliche Reh.

Übrigens: Die richtige Antwort auf die Eingangsfrage laute: Die „Frau vom Hirsch“ ist die Hirschkuh. Hat sie ein Kleines, nennt man es Hirschkalb. Bei den Rehen tragen Männchen die Bezeichnung Bock und die Weibchen Ricke. Ihre Jungtiere heißen Kitze.ms

Der Rothirsch ist nicht… pr


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