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Kleine Rätsel Schaumburgs: Warum überall in Rinteln Kesselhaken zu finden sind.

Das Symbol für Haus und Herd

Rinteln (vv). Vor 370 Jahren, im Dreißigjährigen Krieg, ließen Henrich Julius und Clara Anna von Zerssen einen Wappenstein in das Tor ihres Stadthofes einsetzen. Dieser Hof befindet sich in der Ostertorstraße 3, hier in Rinteln.

veröffentlicht am 23.03.2011 um 09:42 Uhr

Henrich Julius und Clara Anna waren schon seit 17 Jahren verheiratet, als sie dieses Ehewappen einsetzen ließen. Da sie entfernt verwandt waren und somit das gleiche Wappen trugen, ist ihr Ehewappen sehr symmetrisch aufgebaut. In der Mitte sieht man die beiden einander zugewandten Schilde mit jeweils einem Kesselhaken, der das heraldische Symbol der Familie von Zerssen darstellt.

Otto Freiherr von Blomberg, Vorstandsmitglied des Heimatbundes der Grafschaft Schaumburg, der sich mit Wappenkunde befasst, erklärt: „Mit einem Kesselhaken wurde früher der Kessel über dem Feuer gehalten und verstellt. Daher kommt auch das Sprichwort ‚einen Zahn zulegen‘, denn wurden die Speisen nicht schnell genug gar, schob man den Kessel einen Zahn näher zum Feuer. Der Kesselhaken wurde zu vielen wichtigen Begebenheiten mitgenommen. Kesselhaken waren das Symbol des Hofes schlechthin, weil das Herdfeuer Mittelpunkt des Hauses war.“

Oberhalb der Schilde sieht man zwei Helme, die sich, wie die Kesselhaken, einander zuwenden. Auf den Helmen erkennt man zwei Hähne, die sich als Helmzier freundlich anschauen. Dies nennt man auch die „Höflichkeit der Wappentiere“. Über den Wappenschilden liegen die Helmdecken der beiden Helme, wobei es den Anschein erweckt, als umarmten sie sich. „Insgesamt entsteht hier eine herzförmige Darstellung, ein steingewordenes Symbol ihrer gegenseitigen Liebe“, meint von Blomberg bewundernd.

Das Spruchband über dem Wappen zeigt auf der linken Seite die Initialen Henrich Julius (H.I.V.Z.) und auf der rechten Seite diejenigen Clara Annas (C.A.V.Z.). Das heute in goldener Farbe nachgezeichnete Wappen ist jedoch eigentlich sehr viel farbenfroher, es gibt schwarze, silberne und rote Elemente.

Von Blomberg schwärmt: „Es ist ein wunderhübsches Beispiel eines Allianzwappens zweier sich offensichtlich in inniger Liebe zugetaner Eheleute“.

Henrich Julius und Clara Anna waren von 1617 bis zum Tode Henrichs im Jahr 1648 verheiratet. Sie hatten keine eigenen Kinder, erzogen aber dafür viele adelige Kinder, die sie zu sich nahmen.

Beerdigt wurde Henrich Julius in der Kirche in Eisbergen, jedoch stiftete Clara Anna der Nikolaikirche ein Ölgemälde, auf dem sie mit Henrich Julius und einigen ihrer Verwandten beim Jüngsten Gericht dargestellt ist.

„Henrich Julius war der letzte und bedeutendste Zerssen aus dem Eisberger Zweig der Familie. Neben der Linie Rinteln-Eisbergen gab es noch die Linie Stadthagen und die Linie Lauenau-Echtringshausen-Krückeberg“, berichtet von Blomberg.

Das Ehewappen Henrich Julius und Clara Annas ist nur eines der Wappen dieser Familie. Einwohner Schaumburgs stoßen immer wieder auf Kesselhaken, die als Zerssensches Wappen viele Gebäude zieren. Von Blomberg schmunzelt: „Kaum ein historischer Sandstein in Schaumburg, der nicht mit dem Zerssenschen Kesselhaken verziert ist!“

Nicht nur der Stadthof in der Ostertorstraße gehörte der Familie, sondern auch das Gebäude der Burghofklinik in der Ritterstraße, ebenso wie Gutshöfe in Eisbergen, in Echtringhausen und in Lauenau. Ein aufmerksamer Beobachter kann überall das Wappen dieser Familie finden.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs? Schreiben Sie uns: sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie an unter (05751) 4000-526.



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