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Schön, wenn der Schmerz NICHT nachlässt…

Couchpotato mit Muskelkater

Jetzt kommt also Bewegung in unseren Alltag – und das ist durchaus wieder wörtlich gemeint. Ja, Corona hat uns gelehrt, dass wie Homeoffice und Homeschooling auch Homesports durchaus möglich ist. Aber, sorry, mein Ding ist das nicht.

veröffentlicht am 19.06.2021 um 10:00 Uhr

Kerstin Hasewinkel

Autor

Ressortleiterin zur Autorenseite

Ich mag mich auch nicht alleine auf eine Matte vor mein Schlafzimmerfenster setzen. Nicht böse gemeint, liebe Yogis. Ich brauche einfach den Studiogeruch, meine Mittänzerinnen und vor allem eine, die mich antreibt.

Nach sehr, sehr langer Abstinenz (wenn auch mit Unterbrechung) dürfen wir also seit kurzem wieder live sporteln – zunächst unter Einhaltung sämtlicher jeweils geltender Regeln, mit Maske rein nur hinten raus, Negativ-Test. Und was ist der Lohn für all die Mühen? Muskelkater!

Warum eigentlich Kater? Genauso wenig nachvollziehbar wie fauler Hund, dummer Esel oder blöde Kuh… Unsere Sprache hat sich einige Begriffe aus dem Tierreich geliehen, aber ich will Ihnen hier keinen Bären aufbinden. Beim Kater besagt eine Erklärung, dass er ursprünglich vom Wort „Katarrh“ stamme, also der Krankheit.

Muskelkater ist dabei ja noch die schönste Form, die Quittung für etwas zu bekommen, das man getan hat. Und er ist sicher besser zu ertragen als der Kater ohne Muskel, da der meist noch mit einem schlechten Gewissen einhergeht.

Nicht so der wunderbare Muskelkater nach Coronapause. Endlich wieder dehnen, stretchen, drehen… statt auf dem Sofa zu liegen und Chips zu futtern. Wobei – wenn wir mal ehrlich sind: War ja auch ganz nett. Denn: Es ging ja nicht anders. Wir durften ja nicht in die Hallen und Säle oder Bäder. War ganz offiziell untersagt. Aus wichtigen Gründen.

Zur Not gab es ja noch den Weg zum Kühlschrank oder in den Vorratskeller. Da muss man dann auch nicht immer jammern. War schon spannend, wie viele Menschen in meinem Bekanntenkreis plötzlich unbedingt nachts noch joggen mussten, als die Ausgangssperre drohte und dann temporär galt. Wo sind die eigentlich gerade alle? Leute: Ihr dürft wieder, mit Stirnlampe und den neuesten Laufshirts.

Schwieriger ist es da schon mit denen, die ihre Schritte zählen. Im Büro mag es ja noch funktionieren, die 10 000, die als Ziel gesetzt sind, zu erreichen. Geht man mal von einem Schreibtisch zum nächsten und sagt Hallo. Und in die City. Im Homeoffice? Da werden schon 6000 in der abgespeckten Version zur Herausforderung.

Aber so sind wir. Können wir keinen Sport machen, ist es lebensnotwendig. Dürfen wir wieder – na ja, dann scheint es schon wieder weniger attraktiv.

Kennen Sie das? Von früher? Vor Corona, meine ich: Da scheint wochenlang nichts los zu sein, keine Einladung, keine Feier, nüscht. Familientreffen oder andere Menschenansammlungen werden zum Sehnsuchtsort. Und dann gibt es plötzlich an fünf Wochenenden hintereinander Terminstress, runde Geburtstage, Hochzeiten, Konfirmationen, auch noch auswärts. Da wünscht man sich nichts mehr, als endlich wieder einen ungestörten Abend auf dem Sofa verbringen zu dürfen.

Bin ich unterwegs, will ich nach Hause, ist der Schrank voll, muss er ausgemistet werden. Wenn er leer ist, kann er wieder gefüllt werden… Das ist wie beim Wetter. Erst wollen alle den Sommer, jetzt ist esden meisten doch schon wieder zu heiß.

Dabei bin ich durchaus jemand, der den Moment zu schätzen weiß. Beim Sport zum Beispiel, mit echten Menschen. Obwohl ich mich da meist auch schon auf die Folgetage freue. Wenn mich der Muskelkater morgens begrüßt. Dann darf ich auch wieder aufs Sofa. Und EM gucken. Ist ja auch Sport.



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