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Ein halbes Jahr nach erstem Befall weitere Bäume betroffen / Über 20 Rotdorne in Hameln gefällt

Blitzwurm setzt seine tödliche Tour fort

Hameln (ch). Sein Zerstörungshunger kennt kaum eine Grenze, über 20 junge Hübsche hat er in Hameln schon auf dem Gewissen und ein Ende seines Treibens ist nicht in Sicht. Warum auch? Egal, wie viele Opfer sein grausames Tun fordert, der Stadt Hameln sind die Hände gebunden. Machtlos muss sie mitansehen, wie er zum Tod der ehemals blühenden jungen, jetzt kahl und alt wirkenden Geschädigten beiträgt, und muss ihn dabei sogar noch unterstützen. Die Rede ist vom sogenannten „Blitzwurm“, in ausgewachsener Form auch als Birnbaumprachtkäfer bekannt, der es in Hameln vor allem auf Rotdorne abgesehen hat.

veröffentlicht am 05.09.2012 um 06:00 Uhr

Die Larven des Käfers machen es sich unter der Rinde von Birnenbäumen sowie Rot- und Weißdornbäumen gemütlich, zwei, drei Jahre lang zerfressen sie das Gewebe und zerstören damit die Leitungen, in denen das Wasser nach oben und die Assimilate nach unten in die Wurzeln gelangen. Über kurz oder lang stirbt der Baum dadurch ab. Im vergangenen Jahr sorgte der Käfer in Hameln für Aufsehen als bekannt wurde, dass er für das Absterben eines Baumes in der Wettorstraße verantwortlich ist. Der Rotdorn wurde Ende des vergangenen Jahres gefällt, der Stamm werde im städtischen Pflanzgarten gelagert, hieß es damals. Denn die Baumstämme mit den gefährlichen Käferlarven sollen nicht etwa verbrannt werden, sondern es gilt im Gegenteil, sie besonders zu schützen. Eine EU-Verordnung schreibt vor, die Baumstämme „aufrecht“ zu lagern, um die Käferlarven, die auf der roten Liste stehen, zu schützen.

„Ich sehe das kritisch“, sagt Gartenmeister Michael Herdin, der bei der Stadt für Baumschutz- und Pflege zuständig ist. Der aus dem Süden eingewanderte Käfer sei nicht mehr selten, allein in Hameln ist er weit verbreitet. Fast 20 Bäume mussten an der Weser, am Radweg auf der Seite der Pyrmonter Straße, bereits gefällt werden, weil sie durch den Befall des Käfers zerstört wurden. Auch von der Wettor-straße wurden schon mehrere abgestorbene Bäume entfernt. „Im Herbst werden wir hier zwei weitere fällen“, sagt Herdin. Nachdem eine Anwohnerinitiative verhindert hatte, dass alle Rotdorne in der Wettorstraße auf einmal entfernt und eine neue Bepflanzung geplant werden konnte, werden jetzt Stück für Stück Bäume gefällt. An den Bohrlöchern im Stamm sowie abgestorbenen, kahlen Ästen in der Baumspitze ist der Befall gut zu erkennen. Über kurz oder lang werde man in der Wet-torstraße vermutlich alle Rotdorne entfernen müssen, sagt Herdin. Erst dann sollen im vorderen Bereich neue Bäume gepflanzt werden, im hinteren Teil der Straße, Richtung 164er Ring, stehen jetzt Hopfenbuchen.

Gut haben es im Gegensatz zu den Rotbuchen die gefräßigen Larven des Birnbaumprachtkäfers. Im Gebüsch, ganz versteckt am Rande zum Naturschutzgebiet, stehen die Stämme in mehrere Stücke zerteilt am Zaun des städtischen Pflanzgartens gelehnt. Aufrecht. Nach Herzenslust können die Blitzwürmer hier fressen und sich gut geborgen in dem Stamm ihres Opfers überlegen, wo sie demnächst als ausgewachsene Birnbaumprachtkäfer ihre Eier ablegen und damit ihr nächstes Baum-Opfer ins Visier nehmen wollen.



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