weather-image
24°
×

Ein Jahr nach unserem Bericht: Jetzt kommen die Chaoten in der Nacht

Bilanz nach einem Jahr Badeverbot

Bückeburg (bus). Seit dem Sommer des vergangenen Jahres gilt für den am westlichen Rand des Landkreises gelegenen Gevattersees ein absolutes Badeverbot. Hintergrund der rigiden Maßnahme waren zum einen die Zustände rund um das Gewässer, die vielen Beobachtern als Ärgernis galten und immer wieder Anlass zu Klagen gaben. Unrat, Ruhestörungen und Umweltfrevel in dem als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenen Gelände hatten kaum mehr haltbare Ausmaße erreicht. Zum anderen waren die EU-Richtlinien für Badegewässer derart verschärft worden, dass der Besitzer des Sees, die Fürstliche Hofkammer, gemeinsam mit dem Landkreis einen Antrag an die Union auf Streichung aus dem entsprechenden Kataster gestellt hatte. Im ersten Sommer nach dem Verbot bietet das Gevatterfeld auch an warmen Tagen den Eindruck „still ruht der See“.

veröffentlicht am 10.08.2011 um 00:00 Uhr

„Das Verbot wird größtenteils eingehalten“, bestätigt Hofkammermitarbeiter Jürgen Pape den tagsüber gewonnen Eindruck. Rund um den See parkte bei knapp 30 Grad Celsius gerade mal ein Dutzend Fahrzeuge. Völlig problemfrei präsentiere sich die Situation indes nach wie vor nicht. Vor allem nach Anbruch der Dunkelheit werde das Areal immer wieder von ungebetenen Gästen bevölkert. „Vandalen und Chaoten, häufig aus dem ostwestfälischen Bereich oder dem Großraum Hannover angereist“, schildert Pape das nächtliche Geschehen, „feiern wilde Partys, produzieren Müll und verwüsten Teile des Grundstücks.“ Zudem sei ein großer Teil der Verbotsschilder abmontiert und Absperrungen beseitigt worden.

„Baden, grillen, zelten verboten – bei Zuwiderhandlung erfolgt Anzeige“, teilen die Schilder unmissverständlich mit. Zusätzlich zur Beschilderung vergrämt die Sperrung von Parkflächen und die Verhängung eines absoluten Halteverbots auf der Zufahrtsstraße Schaumburger Weg die Uneinsichtigen. Die Anwesenheit von Polizei und Ordnungsamtsmitarbeitern tut ein Übriges. Gleichwie erfreut sich das Gelände immer noch großer Beliebtheit bei Zeitgenossen, denen die Entsorgung von Schrott und Dreck in der freien Natur allerhand Vergnügen zu bereiten scheint. Bei den vom Surfclub Gevattersee regelmäßig organisierten Aufräum-Aktionen herrscht an skurrilen Fundsachen keine Mangel.

Im März fand sich in Ufernähe außer einer ausrangierten Schlafzimmergarnitur ein kompletter Nachtspeicherofen. „Das ist wirklich eine Riesensauerei. Die Dinger sind schließlich nicht nur enorm schwer, sondern stecken auch voller Asbest“, gab Clubvorsitzender Klaus-Udo Hennings seinerzeit zu Protokoll. Was die Entsorgung zudem „richtig teuer“ werden lasse. Hennings äußerte sich über die Gesamtlage jedoch vorsichtig optimistisch: „Wir haben den Eindruck, dass es rein von der Menge her etwas weniger Müll geworden ist als in den zurückliegenden Jahren.“ Früher habe für den Abtransport des Abfalls eigens ein Container bestellt werden müssen.

Die Hofkammer beabsichtigt, den Badestrand zukünftig sich größtenteils selbst zu überlassen. Die Anpflanzung schnell wachsender Vegetation soll dazu beitragen, dass das Ufer nach und nach zuwuchert. „Auf gar keinen Fall wollen wir wieder in das EU-Kataster“, betont Pape. Dessen Auflagen, die regelmäßige Untersuchungen der Wasserqualität und die Kartierung des Gewässers beinhalten, schlage mit mehreren Tausend Euro pro Jahr zu Buche. Obwohl das Verbot „im Prinzip gut“ greife, richten sich die Besitzer auf einen langwierigen Prozess ein. „Das geht nicht von heute auf morgen und wird wohl weitere drei, vier, fünf Jahre benötigen“, schätzt Pape. Hinsichtlich der nächtlichen Gelage wird in der Verwaltung der fürstlichen Liegenschaften allerdings bereits heute über schwereres Geschütz nachgedacht: „Falls es die Umstände erfordern, könnten wir einen mit kräftigen Hunden ausgestatteten privaten Sicherheitsdienst auf Streife schicken.“

Der Gevattersee vermittelt dem Betrachter bei Tag einen ruhigen Eindruck. Foto: bus



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige