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Friedrich der Große und das Monument auf dem Königsberg in Bad Pyrmont

Berühmter Gast als Namensgeber

Der preußische König Friedrich der Große (1712-1786) war zweifellos ein Regent von europäischem Rang. Eben dieser König hat sich vom 22. Mai bis zum 9. Juni 1744 und vom 17. Mai bis zum 8. Juni 1746 aus gesundheitlichen Gründen in dem damals hoch angesehenen Badeort Pyrmont aufgehalten. Rheumatische Beschwerden waren in beiden Jahren Grund für den Kuraufenthalt. Er wohnte mit seinem Gefolge – im ersten Fall waren es etwa 40 Personen, im Jahr 1746 mehr als 100 Begleitpersonen – im Hause des hoch angesehenen Arztes Dr. Johann Philipp Seip am Ende der Brunnenstraße. Der junge König, gerade erst 32 Jahre alt bei seinem ersten Aufenthalt, lebte zurückgezogen in einem Gartenhaus linker Hand vom heutigen Fachwerkbau, der heute unter dem Namen „Alter Fritz“ bekannt ist. Zum Gefolge zählten eine Reihe wichtiger hoher Beamter, denn die politische, aber auch die verwaltungstechnischen Arbeiten wurden in Pyrmont nicht unterbrochen. Mitgereiste Mitglieder seiner „Tafelrunde“ machten aber auch deutlich, dass seine musischen und philosophischen Interessen auch während der Kur nicht zu kurz kommen sollten. Friedrich war ein pflichtbewusster Mensch, der nicht minder die Anweisungen des Badearztes gewissenhaft befolgte. Spitzelberichte der hannoverschen Regierung, die täglich den englischen Hof informierten, berichten von den Aktivitäten des preußischen Königs in Pyrmont.

veröffentlicht am 26.10.2015 um 06:00 Uhr

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Und so schreibt Friedrich an seinen Philosophenfreund Voltaire: „Ich stehe um vier Uhr auf, trinke bis acht Uhr Pyrmonter Brunnen, schreibe bis zehn Uhr, lasse bis Mittag Regimenter exerzieren, schreibe bis fünf Uhr und erhole mich des Abends bei guter Gesellschaft.“ Aber der König lebte recht zurückgezogen, zeigte sich nur selten in der Öffentlichkeit. Überliefert sind Ausritte oder ausgedehnte Spaziergänge, die ihn immer wieder zu seinem Lieblingsplatz am Hang des Oesberges führten. Von hier aus konnte er einen wundervollen Blick auf die Landschaft der Emmerwiesen in Richtung Lügde genießen. Der Überlieferung nach konnte Friedrich in dieser besonderen idyllischen Atmosphäre über aktuelle Fragen, Preußen betreffend, nachdenken.

Es kommt, wie es anders nicht zu erwarten war. Im Jahr 1787 wallfahrtet ein kleiner Zirkel von Friedrich-Verehrern, angeführt von dem Verleger, Buchhändler und Schriftsteller Friedrich Nicolai, selbst mit 17 Kuraufenthalten ein großer Pyrmont-Liebhaber, aber ein noch größerer Friedrich-Fan, auf den Oesberg zu der Stelle, die der preußische König besonders geliebt hat. Es ist schnell erzählt, dass dieser Freundeskreis schnell das Fürstenhaus Waldeck-Pyrmont überzeugen konnte, den Oesberg in Königsberg umzubenennen. Und spätestens 1789 findet sich an diesem Platz ein Denkmal, das folgende Inschrift trägt: „Als Friedrich der Große durch unsere heilsame Quelle seine Kräfte herstellen wollte, weilte er gern an diesem einsamen Orte. 1744. 1746.“

Nicolai hatte bereits 1787 in seinen „Anekdoten von König Friedrich II. von Preußen“ 1788 Folgendes geschrieben: „Wir wallfahrteten an einem heitern Nachmittage zum Königsberg, der seinen Namen durch den Aufenthalt Friedrichs des Großen im Jahr 1744 in Pyrmont erhielt, weil er an einem Orte am Fuße dieses Berges sehr oft zu sitzen pflegte. An diesem den Bewohnern und Besuchern immer noch heiligen Orte, von welchem man in ein anmuthiges, von der friedlichen Emmer durchschlängeltes Thal hinabsieht, wird der jetzt regierende Fürst von Waldeck dem großen König ein Monument errichten lassen.“

Aus Anlass der großen Ausstellung „Friedrich der Große. König zwischen Pflicht und Neigung“ im Jahr 2004 in den Räumen von Schloss Pyrmont hat die Stadt Bad Pyrmont dieses bedeutende Monument auf dem Königsberg neu gestaltet. Ein wahrhaft würdiger Platz der Erinnerung.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Das Monument auf dem Königsberg in einer historischen Aufnahme um 1900. Im Jahr 2004 wurde der Platz neu gestaltet – unten eine aktuelle Aufnahme.

Staatsbad/ HW



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