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Preise hängen von hochsensiblen Produktbörsen ab / Was Experten stattdessen raten

Beim Heizölkauf lässt sich kaum sparen

Endlich Sommer! Und mit kletternden Temperaturen wittern Sparsame ihre Chance, jetzt günstig für den Winter Wärme zu bunkern. Heizöl, wird immer wieder behauptet, ist im Sommer besonders preiswert zu haben. Alles Blödsinn, widersprechen Experten. „Vor vier Wochen war’s mal kurzzeitig günstig, aber jetzt klettern die Preise wieder“, sagt der Aerzener Heizöl-Lieferant Karl-Heinz Schwekendiek. Sein Hauptlieferant, die Shell, teile ihm jeden Tag neue Preise mit, auf die er keinen Einfluss habe. „Bei dem heutigen Wirtschaftsgeflecht“, so Schwekendiek, „hängt der Preis von viel zu vielen Faktoren ab.“

veröffentlicht am 26.07.2012 um 06:00 Uhr

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„Egal, ob man in Aerzen, in Hameln oder irgendwo sonst in Niedersachsen wohnt, der Preis des Heizöls wird nicht vom lokalen oder regionalen Mineralölhändler festgelegt und auch nicht davon bestimmt, ob die Sonne scheint oder es draußen nasskalt ist, sondern orientiert sich im Wesentlichen an den hochsensiblen Produktbörsen in New York und London“, erklärt Werner Ottlik, Hamburger Wirtschaftsexperte mit dem Fachgebiet Energiewirtschaft und Autor mehrerer Bücher über Heizsysteme. An diesen Produktbörsen reagiere man seismisch auf die Beschlüsse der OPEC, auf politische Unruhen wie jetzt in Syrien, aber auch auf Naturkatastrophen, auf ökonomische Probleme in der Euro-Zone und zig andere Faktoren. „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass sich alle Energien, nicht nur das Öl, weiterhin verteuern werden, weil der weltweite Bedarf ständig steigt“, so Ottlik. Der Endverbraucher habe so gut wie keinen Einfluss auf die Preisentwicklung auf den Energiemärkten. Resignieren muss er deswegen nicht. Denn auch wenn man an der Preisschraube nicht drehen kann – „Es gibt durchaus Möglichkeiten, Heizkosten zu sparen“, sagt Ottlik und rät davon ab, auf die ständig schwankenden Heizölpreise zu schielen. Er gibt stattdessen folgende Tipps:

Der schnellste und simpelste Weg, die Heizkosten relevant zu senken, ist, die Thermostatventile an den Heizkörpern um eine Stufe zurückzudrehen. Eine um nur ein Grad Celsius reduzierte Raumtemperatur spare 6 Prozent Heizöl. „Bei einem Jahresverbrauch von angenommenen 2000 Litern sind das 120 Liter“, so Ottlik.

Die individuelle Raumbeheizung sollte wie folgt aussehen: Flur (16-18°C), Küche (20°C), Wohnzimmer (21°C), Kinderzimmer (20°C), Schlafzimmer (16-18°C), Bad (22-24°C), separates WC (18°C).

Stoßlüften ist besser als Dauerlüften. Fenster auf Kipp zu stellen und dann einkaufen zu gehen, ist energetische Verschwendung.

Hat der Heizkessel im Keller 20 und mehr Jahre auf dem Buckel, läuft und läuft und läuft er. Meistens seit vielen Jahren total ineffizient, meint Ottlik. Im Vergleich mit einem modernen Öl-Brennwertkessel verbraucht so ein Oldie satte 30 Prozent mehr Heizöl für die gleiche Wärmeleistung wie ein heutiger Kessel. „30 Prozent von 2000 Litern sind 600 Liter, die sich durch eine Modernisierung sparen lassen“, rechnet Ottlik vor: „In Geld umgerechnet, bedeutet das auf Basis des aktuellen Heizölpreises eine Amortisation der Neuanschaffung in ungefähr zehn Jahren.“ Steige der Heizölpreis weiterhin, geht das sogar noch schneller.

Nicht nur Wärmedämmmaßnahmen am Haus machen sich bezahlt, auch der Umstieg auf ein anderes Raumwärmesystem, wie zum Beispiel Pelletheizung, kann Heizkosten sparen. „Pellets“, stellt Ottlik fest, „sind derzeit halb so teuer wie Heizöl. Aber die Technik kostet doppelt so viel wie ein neuer Ölkessel.“

Mineralölhandel und Heizungsbauhandwerk hätten zu großen Teilen auf die Preisentwicklung beim Heizöl und auf den regenerativen Wettbewerb reagiert, sagt Ottlik: „Sie schlagen ihrer Klientel die bivalente oder trivalente Heizungsanlage vor.“ Das bedeutet folgende Komponenten: Öl-Brennwerttechnik + Solarthermie auf dem Dach. Oder Öl-Brennwertanlage + Kaminofen. Oder Öl-Brennwertanlage + Solarthermie + Kaminofen. Dabei können die Solarthermie wie der Kaminofen mit dem Heizwasserkreislauf gekoppelt werden.

Nur kurze Zeit konnten sich Heizölkunden über sinkende Preise freuen. Nun geht es wieder aufwärts. Im Durchschnitt des Jahres sind Ölprodukte so teuer wie noch nie. Foto: dpa



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