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Viele Redewendungen finden sich im Alltag wieder – worin aber liegt ihr Ursprung?

Auf die hohe Kante gelegt

Leg mal einen Zahn zu.“ Im leistungsorientierten Sport, unter den Handwerkern, die im Stress sind, oder auch im Straßenverkehr hat man diesen Satz schon einmal gehört. Im Alltag ist diese Redewendung allgegenwärtig und dient zumeist dem Ansporn. Sie ist die Lieblings-Redewendung von Dieter Brockmann, Mitarbeiter und Touristenbegleiter im Museum für Landtechnik und Landarbeit in Börry. Wo aber haben die verschiedensten Redewendungen, die uns im Tagesablauf über die Lippen kommen, ihren Ursprung?

veröffentlicht am 08.03.2014 um 06:00 Uhr

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„Aus der Landwirtschaft stammen die meisten Redewendungen“, ist sich Brockmann sicher. Wenn er Touristen durch das Museum führt, findet er auch zu fast allen Gegenständen Redewendungen und Sprichwörter. Wo aber hat dieser Zahn seinen Ursprung, den wir manches Mal zulegen sollen? Früher hingen die Töpfe in den Küchen an gezackten Eisenschienen, die Sägeblätter ähneln, über dem Feuer. Diese Schiene half, die Höhe der Töpfe über dem Feuer zu verstellen. Wenn also „ein Zahn“ zugelegt wurde, hing folglich das Essen näher über dem Feuer und garte schneller.

Aber eine warme Mahlzeit ließ sich vor ein paar Jahrhunderten nicht „für ’n Appel und ’n Ei“ besorgen. Auch dieses Sprichwort kennen wir aus dem Alltag. Es hat seinen Ursprung ebenfalls im ländlichen Bereich: Wenn es zur damaligen Zeit etwas auf Bauernhöfen reichlich gab, dann waren das Äpfel und Eier.

Oft gaben die Bauern diese ohne großartige Gewinne ab. Viel blieb den Landwirten also nicht, um sich etwas „auf die hohe Kante zu legen“.

Dieter Bohlen machte die „hohe Kante“ zum „Pop-Titan“, denn er sorgte zu Beginn seiner Karriere für Rücklagen. Den Bauern brachte die „hohe Kante“ einen ruhigen Schlaf – sie war nämlich der Ort, an dem der Landwirt das Geld vor langen Fingern versteckte. Sollte das Geld aber auf anderem Wege doch mal abhandengekommen sein, dann gab es von der Bäuerin eine „Gardinen-predigt“. „Um die Betten konnten damals Gardinen gezogen werden. Für die Bäuerin war es die Gelegenheit, unbehelligt von der Öffentlichkeit, mit ihrem Mann das eine oder andere ernste Wort zu wechseln“, erklärt Brockmann mit einem Schmunzeln. Dessen Arbeitgeber, das Museum in Börry, ist sprichwörtlich „nah am Wasser gebaut“. „Ins Deutsche übersetzt heißt Börry am Wasser“, sagt der Museumsmitarbeiter.

In der Vergangenheit siedelten viele Landwirte in Fluss- und Bachnähe ihre Höfe an. Ihre Tiere wussten sie vor Hochwasser zu schützen: Damit die Hühner nicht ertranken, mussten die Käfige den einen oder anderen „Himpen“ hoch gebaut werden. Untereinander gehandelt haben die Landwirte auch nur mit Hühnern, die über den „Himpen“ springen konnten. Doch was steckt hinter diesem „Himpen“? Brockmann kennt die Lösung: „Es ist ein Hohlmaß, also eine Messeinheit. Beispielsweise sind zwei Himpen ein Scheffel.“ Umgerechnet in Zentimetern ist ein Himpen somit rund 40 Zentimeter lang.

Wenn dem Bauer mal ein Huhn davonlief, begann für ihn die „Suche nach der Nadel im Heuhaufen“ – und diese Suche hatte nicht immer Erfolg.



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