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Raketen auf Kuba: Supermächte messen Kräfte und führen das „rote Telefon“ ein

Als die Welt vor dem Atomkrieg stand

Es hätten einige wenige, aber verhängnisvolle Tage werden können im Oktober 1962: Die Machtblöcke der Welt, die UdSSR und die USA, gerieten vor 50 Jahren – im Kalten Krieg – zum ersten Mal wirklich ernsthaft aneinander. Grund: ein kleiner Insel-Staat in der Karibik – Kuba.

veröffentlicht am 15.10.2012 um 00:00 Uhr

Kubas Machthaber Fidel Castro war ein Verbündeter der Sowjets. Im großen Wettrüsten beider Blöcke aber war die UdSSR aus Sicht der US-Amerikaner zu weit gegangen. Bereits im Mai des Jahres 1962 stationierten die Sowjets atomare Mittelstreckenraketen und Tausende Soldaten auf Kuba – direkt vor der Nase der Amerikaner.

Als US-Präsident John F. Kennedy die Bilder sah, die US-Aufklärungsflugzeuge über Kuba gemacht hatten, trommelte er seinen Beraterstab zusammen. Die Fotos waren eindeutige Beweise dafür, dass die Sowjetunion Mittelstreckeraketen des Typs SS 4 auf Kuba stationiert hatte. Die Sorge der Amerikaner: Die Raketen könnten Städte der Vereinigten Staaten treffen.

Doch bei einem Treffen mit dem sowjetischen Außenminister Gromyko am 18. Oktober wurde der Konflikt verschwiegen. Unterdessen erwogen die amerikanischen Präsidentenberater die Bombardierung Kubas. Am Ende entschied man sich für eine Seeblockade des Karibikstaats und für die Androhung eines atomaren Gegenschlags, sollte die UdSSR einen Angriff gegen Amerika durchführen.

Erst am 22. Oktober ging Kennedy mit dem Thema an die Öffentlichkeit: 100 Millionen Amerikaner lauschten gebannt der Fernsehansprache ihres Präsidenten. Was er verkündete, schockierte die westliche Welt. Der Aufforderung, die Raketen von Kuba abzuziehen, kamen die Sowjets nicht nach. Die Lage wurde immer prekärer.

Die Situation eskalierte am sogenannten „Schwarzen Samstag“: Über Kuba wurde ein Spionageflugzeug der Amerikaner von den Sowjets abgeschossen; die USA führten Nuklearwaffentests durch; und die US-Marine feuerte auf ein sowjetisches Atom-U-Boot. Der Atomkrieg war zum Greifen nah.

Erst John F. Kennedys Bruder Robert brachte Bewegung in die eskalierte Situation – auf diplomatischem Weg. Mit Erfolg: Sowjet-Regierungschef Nikita Chruschtschow erklärte am 28. Oktober, dass die Raketen abgezogen würden. Im Gegenzug versicherten die Amerikaner, ihre in der Türkei stationierten Raketen abzuziehen.

Mit der Kubakrise kam eine Neuerung in die Diplomatie. Um Konflikte in Zukunft schneller zu lösen, wurde zunächst eine direkte Fernschreibverbindung zwischen Moskau und Washington eingeführt. Später wurde sie durch das berühmte „rote Telefon“ ersetzt.



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