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Zehn Monate nach Fukushima wechseln kaum noch Kunden zu Strom aus regenerativen Energien

Ökostrom – kurzer Boom schnell wieder vorbei

Weserbergland. Atomkraft? Nein danke! – nach diesem Motto entschied sich nach dem Reaktorunfall in Fukushima eine wachsende Zahl an Stromkunden, von Atom- zu Ökostrom zu wechseln. Die Nachfrage nach Strom aus regenerativen Energien war in der unmittelbaren Zeit nach Fukushima so groß wie nie zuvor, reine Ökostromanbieter wie die Düsseldorfer Naturstrom AG verzeichneten Rekordzuwächse. In den drei Wochen nach dem Unglück kamen dort jede Woche 10 000 Neukunden hinzu.

veröffentlicht am 18.01.2012 um 06:00 Uhr

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Auch bei den heimischen Versorgern zeigten sich beim Vergleich der Zahlen der Privatkunden von Februar und April bei den Stadtwerken Hameln, Rinteln und Weserbergland vergleichsweise hohe Zuwächse. Wenngleich die Gesamtzahl der Kunden, die Strom aus regenerativen Energien beziehen, insgesamt noch verhalten war, erhoffte man in Folge des Unglücks und derdarauffolgenden Entscheidung für den Atomausstieg eine Wende. Aber wie lange hält der Schock über den Atomunfall an? Wie viele Kunden entscheiden sich noch für den teureren Strom aus regenerativen Energien, nachdem das Thema Atomkraft wieder aus den Medien verschwunden ist? Zehn Monate nach dem Unglück haken wir bei den Stadtwerken nach.

„Wir hatten uns mehr erhofft“, sagt Thomas Rinnebach, Vertriebsleiter der Stadtwerke Rinteln. Doch die Erwartung wurde nicht erfüllt. Zu den 80 Privatkunden, die sich Ende April für einen Ökostromtarif entschieden hatten, sind rund acht Monate später nur 41 hinzugekommen. Im Vergleich dazu waren in den zwei Monaten von Februar bis April 2011 50 neue Ökostromnutzer registriert worden. Die Mehrzahl der Rintelner Ökostrom-Kunden hat sich für den „Trend-Strom“ aus Schweizer Wasserkraftwerken entschieden, der netto 0,5 Cent pro Kilowattstunde mehr kostet als der normale Strom. Das Ökostrom-Produkt „energreen“ kostet netto vier Cent mehr als der Normalstrom, die Mehrkosten werden in die Förderung regenerativer Energien in Rinteln investiert. Diesen Strom beziehen nur 41 Privatkunden.

Knapp acht Monate später zeigt sich auch im Kreis Hameln-Pyrmont, die Zahl der Privatkunden, die Ökostrom beziehen, hat zwar leicht zugenommen, der erhoffte Boom ist jedoch ausgeblieben. So beziehen bei den Stadtwerken Hameln von rund 28 000 Haushalten 258 Ökostrom. Waren es Ende April noch 0,62 Prozent, sind es nun rund 0,92 Prozent der Privatkunden. „Seit Ende April sind relativ kontinuierlich Kunden hinzugekommen“, sagt Natalie Schäfer, Pressesprecherin der Stadtwerke Hameln. Ein auffälliger Anstieg sei seitdem aber nicht zu spüren gewesen.

Bei den Stadtwerken Weserbergland beziehen von rund 3500 Privatkunden 92 den sogenannten Naturstrom. Mit 2,6 Prozent sind das 0,9 Prozentpunkte mehr als Ende April und rund 1,4 Prozentpunkte mehr als vor Fukushima. In beiden Fällen kostet der Naturstrom pro Kilowattstunde 1,5 Cent mehr als der Atomstrom.

Nach-Fukushima-Boom hin oder her – in Bad Pyrmont konnte sich der Ökostrom von Februar bis April ebenso wenig aus seinem Schattendasein befreien wie in den Monaten danach. „27 Kunden beziehen bei uns Ökostrom“, sagt Marco Brandt von den Stadtwerken. 26 von ihnen haben sich für den kostengünstigeren Strom aus Wasserkraft entschieden (Pro Natur), der netto 2,2 Cent teurer ist als der normale Strom. Nur ein Kunde hat sich für den zertifizierten Naturstrom „energreen“ entschieden, der netto gleich vier Cent teurer ist. Ebenso wie in Rinteln zeigt sich hier, dass nur wenige Kunden bereit sind, auch deutlich mehr für den grünen Strom zu bezahlen. Ganz nach dem Motto: Gutes Gewissen? Ja. Aber viel Geld ausgeben? Nein, danke.

Der Artikel über die Ökostromnutzung nach Fukushima erschien am 29. April 2011. Damals erhofften sich die Stadtwerke viele neue Ökostromkunden.

Foto: Archiv



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