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Was stimmt wirklich? Haustierexpertin Christina Nielsen klärt auf

9 Mythen über Zecken und Haustiere

„Zecken fallen von den Bäumen“ oder „Zecken müssen beim Entfernen herausgedreht werden“ - stimmt das so? Hier werden neun Mythen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

veröffentlicht am 28.05.2019 um 20:08 Uhr

Der Frühling hat nun schon ein paar Tage lang bewiesen, was in ihm steckt. Die Bäume sind grün; die Blümchen strecken ihr Köpfe aus der Erde; die warmen Sonnenstrahlen laden zu ausgiebigen Spaziergängen, am liebsten mit dem tierischen Begleiter, über Wiesen und Felder ein. „Doch die Jahreszeit hat auch ihre Tücken“, weiß Christina Nielsen vom Internetportal www.mein-haustier.de. „Pollen begeben sich auf ihre Reise durch die Luft und am Boden lauert das lästige, kleine Ungeziefer in Form von Zecken und sticht gerne die eigenen Haustiere.“ Was es mit den Tierchen auf sich hat und welche Geschichten eher zu den Irrglauben gehören, fasst Nielsen zusammen.

Mythos eins: Impfung des Hundes gegen Borreliose schützt vor Zeckenbefall

„Im Gegensatz zu Menschen können Hunde zwar gegen Borreliose geimpft werden, dass sie dann aber vor dem Befall geschützt sind, ist totaler quatsch“, weiß die Haustierexpertin und erklärt, „die Impfung kann nur vor der Übertragung der Borreliose-Bakterien schützen. Im besten Fall nimmt die Zecke nach dem Stich eines geimpften Hundes die Antikörper auf, sodass Bakterien erst gar nicht in das Blut des Hundes gelangen.“ Vor dem eigentlichen Stich hilft jedoch nur ein geeigneter Zeckenschutz.

Diese Warnschilder hängen in Niedersachsens Wäldern. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Mythos zwei: Zecken gibt es nur im Sommer

Zecken lauern nur im sommerlich warmen Unterholz? „Auch das ist so nicht richtig“, sagt Nielsen. „Ab sieben Grad Celsius erwachen die Tierchen aus ihrer Kältestarre und legen sich auf die Lauer. Der Gemeine Holzbock ist in Deutschland weit verbreitet und bekommt Hunger, sobald die Temperaturen mehrere Tage über sechs Grad Celsius liegen.“ Die größte Gefahr herrscht im Frühling und Herbst, da sich Zecken besonders gerne im feuchten Laub und Unterholz aufhalten. „Während eines trockenen Sommers verkriechen sich die kleinen Blutsauger lieber - sie können immerhin bis zu drei Jahre ohne blutige Mahlzeit überleben.“

Mythos drei: Zecken fallen von den Bäumen

„Ein definitives Nein“. Die Gefahr bei Ausflügen in die Natur lauert nicht von oben, sondern eher von unten, da sich das Ungeziefer in feuchtwarmer Umgebung wohl fühlt: Gras, Unterholz, hohes Gestrüpp und Laub - dort halten sie sich am liebsten auf und sind gerade nach einem sommerlichen Regenschauer besonders aktiv und warten darauf, sich an ihre Opfer zu heften.

Mythos vier: Entfernung der Zecke schützt vor Infektion

Hier schließt die Expertin mit einem Jein: „Sobald eine Zecke zugestochen hat, sollte diese direkt entfernt werden. Allerdings ist dies keine Garantie dafür, dass nicht schon Krankheitserreger übertragen wurden. Manche Erreger benötigen jedoch einige Stunden, um auf das Opfer überzugehen, weshalb das schnelle Entfernen hilfreich ist.

Mythos fünf: Hausmittel helfen, Zecken abzutöten

„Das sollte man auf jeden Fall unterlassen“, rät Nielsen. Zwar töten manche Hausmittel, wie Nagellackentferner, Alkohol oder Klebstoff, die Tiere ab, jedoch übertragen Zecken während des Todeskampfes besonders viele Krankheitserreger, da sie ihren kompletten Mageninhalt erbrechen. Ein behutsames Herausziehen ist die einzig sinnvolle Vorgehensweise.

Mythos sechs: Borreliose ist die größte Gefahr für Hunde nach einem Zeckenstich

Für den Menschen sind Borreliose und FSME durchaus gefährliche Krankheiten, welche bei vielen Hunden jedoch nicht ausbrechen. Obwohl bis zu 35 Prozent der Zecken Erreger in sich tragen, erkranken Hunde relativ selten daran. Für Vierbeiner sind eher Erkrankungen, wie Babesiose (Hundemalaria) oder Ehrlichiose (Zeckenfieber) gefährlich. „Diese Krankheiten werden aber überwiegend von der Braunen Hundezecke übertragen, die eher in Südeuropa verbreitet ist“, erklärt die Haustierexpertin.

Mythos sieben: Zecken überleben in der Wohnung

Obwohl Zecken feuchtwarme Gebiete bevorzugen, können sie zehn Tage in Wohnungen überleben und sind währenddessen auch in der Lage zu stechen und Krankheiten zu übertragen.

Mythos acht: Borreliose geht immer mit einer Wanderröte einher

„Das kommt zwar häufig vor, ist aber nicht ausschließlich ein Merkmal für eine Borreliose-Infektion“, beschreibt die Mein Haustier-Leitern. „Lediglich bei 50-70 Prozent der Infizierten tritt die Wanderröte auf. Es ist wichtig, zusätzlich auf weitere Anzeichen, wie grippeähnliche Symptome, zu achten.“

Mythos neun: Zecken müssen beim Entfernen herausgedreht werden

„Dieser Mythos gehört zu den größten und meistverbreiteten - Fakt ist, dass das Drehen unbedingt vermieden werden soll, da die Zecke mit ihren Widerhaken in der Haut feststeckt und der Kopf beim Drehen stecken bleibt oder überdreht wird.“ Die Zecke sollte mit einer Pinzette oder Zeckenzange tief an der Basis nach oben hin herausgezogen werden. So reißt der Kopf nicht ab und es können keine weiteren Erreger übertragen werden.



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