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Eisenbahnfan lässt Passanten staunen

80 Meter Bahnschienen im Garten

Hameln. Viele Modelleisenbahner lassen ihre Züge auf einer Spurweite von 16,5 Milimetern durch den Keller oder auf dem Dachboden fahren. Der Hobbyeisenbahner und gelernte Elektriker Günter Kleinsorge verfügt nicht nur über eine Miniaturanlage im Haus: In seinen Garten hat er über 80 Meter Feldbahnschienen verlegt – Spurweite 600 Millimeter. Wer sein Grundstück in der Königstraße passiert, blickt auf acht Loren. Wie gelangt jemand an eine Feldbahn?

veröffentlicht am 26.02.2014 um 06:00 Uhr

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„Ein Bekannter kommt aus der Nähe von Dresden, über ihn habe ich Kontakte nach Brandis und Kamenz geknüpft“, sagt Kleinsorge. „Dort konnte ich für wenig Geld die Bahnen vor der Verschrottung retten.“ 1993 ergatterte er seinen ersten Wagen in einer Rischenauer Ziegelei bei Lügde. „Der Wagen war von einer Wurzel umschlungen und völlig verrostet. Mit viel Arbeit habe ich ihn vom Gehölz befreit und restauriert“, blickt Kleinsorge auf dem Beginn seiner Gartenbahn zurück.

Drei weitere Lorenkippwagen und eine Feldbahnlok von den Silikatwerken in Brandis folgten. „Die haben damals Konkurs angemeldet. Ich habe dort auch meine ersten Gleise und drei Linksweichen erstanden“, erinnert sich der Hobbyeisenbahner. Nachdem die Gleise mithilfe eines Kranes durch einen Bekannten auf Kleinsorges Grundstück verladen worden waren, stattete ihm tags drauf die Polizei einen Besuch ab. „Die dachten, ich wollte einen nicht gemeldeten Schrotthandel aufmachen“, schmunzelt er.

Nachdem der gelernte Elektriker die ersten Gleise verlegt hatte, vermittelte sein Bekannter bei Dresden ihn nach Kamenz in Sachsen. Ein dort ansässiger Granitbruch schloss seine Pforten. Kleinsorge erstand weitere vier Loren – „zwei Granitblockkippwagen“ und zwei Wagen mit statischer Ladefläche. Eine ihm fehlende Rechtsweiche besorgte er dort ebenfalls. Nun konnte er beginnen, die Gleise zu Ende zu verlegen. Ein Projekt, das sich über elf Jahre bis 2004 hinziehen sollte. „Die Gleise sind sehr schwer und lassen sich nur mit enormer Kraft bewegen“, erklärt Kleinsorge.

Heute führt die Bahnstrecke fast komplett ums Haus. Aber warum nicht 360 Grad herum? „Es ist baulich nicht möglich. Das liegt an der Garage. Ich hätte sie aufwendig umbauen müssen“, sagt der Eisenbahnfan. Sein größter Stolz steht in eben dieser Garage: Eine alte OM117 von Deutz mit 30 Pferdestärken und Dieselantrieb. „Gefahren ist sie im vergangenen Sommer letztmals – mein Enkel wollte sie unbedingt in Aktion erleben“, sagt Kleinsorg. Für die Lok hat er eine eigens gefertigte Drehscheibe vor die Garage gebaut. Den dafür notwendigen Durchbruch machte er selbst, nur den Rahmen für das Edelstahltor ließ er anfertigen. Den Schotter unter den Gleisen hat der Feldbahnfan von der Deutschen Bahn besorgt.

Die Eisenbahnleidenschaft hat den Hamelner schon in jungen Jahren gepackt. Bereits mit 16 Jahren fing er an, sich eine Modeleisenbahn in der gängigen Spurweite H0 aufzubauen – und daran bastelt er noch heute auf dem Dachboden.

Den Bau der Feldbahn im Garten hingegen betrachtet er als abgeschlossen: „Von 1993 bis 2004 habe ich an der Bahn gebaut. Ab und zu hatte ich dabei Hilfe durch meinen Sohn.“ Lediglich ein Andreaskreuz hat er noch bei Ebay im Internet ersteigert und an der Garage aufgestellt. Eine Dekoration am Gleisrand hat Kleinsorge in Hameln erworben: sechs Ersatz-Lorenachsen von der ehemaligen Firma Holz König.

Für den Feldbahnfan erledigen die verschiedenen Lorenwagen kräftezehrende Aufgaben und dienen nicht nur als Dekoration im Vorgarten. Kleinsorge: „Ich transportiere mein Brennholz mit ihnen hinter das Haus zum Kleinmachen, verlade Kies und bewege Steinplatten über mein Grundstück.“

Foto o.: Günter Kleinsorges ganzer Stolz – die OM117 von Deutz. Fast einmal ums Haus hat er Gleise gelegt. Seine Feldbahn im Garten lässt nicht nur Passanten staunen, sie hilft dem Eisenbahnfan auch bei der Gartenarbeit.fg/jch



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