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Soldat rettet 12 Menschen aus den Fluten / Konsequenz: DLRG wird gegründet

17 Tote bei Binzer Brückenunglück

Binz. Es ist ein schöner, warmer Sommertag, und daher sind an diesem 28. Juli 1912 viele Menschen unterwegs. Sehr viele Menschen, denn in Binz ist Pferderenntag und abends wird der Ausflugsdampfer „Kronprinz Wilhelm“ anlegen. Das wollen viele Menschen hautnah miterleben, und daher drängeln sich rund 1000 Menschen auf der Seebrücke, die zehn Jahre zuvor als 560 Meter langes Bauwerk gebaut wurde. An diesem Tag wird sie unter der Last der Menschen zusammenbrechen und 50 Menschen in das Wasser reißen. In einer Zeit, in der nur drei Prozent der Menschen schwimmen konnten, kommen bei diesem Unglück 17 Menschen ums Leben.

veröffentlicht am 06.08.2012 um 00:00 Uhr

Das Unglück von Binz gebiert einen Helden: Richard Römer war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Dabei hätte der 24 Jahre alt und Sergeant der Garde-Maschinengewehr-Abteilung Nr. 2 dort gar nicht sein dürfen. Zwar hat er an diesem Wochenende dienstfrei, aber keinen Urlaubsschein – und nach den strengen Regeln der Soldaten hält sich Römer damit „schwarz“ in Binz auf.

Römer beobachtet in seiner Ausgehuniform die Menschen auf der Plattform und Seebrücke, als der Bäderdampfer an der hölzernen Plattform anlegt. Sie bricht plötzlich zusammen, laut schreiend stürzen die Menschen in die Ostsee. Hilflos sehen die Menschen auf der Landungsbrücke zu, wie sie im Wasser schreien und ertrinken. Römer entledigt sich seiner Mütze, zieht seine Uniformjacke aus und springt in die Ostsee. Er schwimmt zu den Ertrinkenden und schafft sie zu einem Balken des eingefallenen Steges, wo er sie Helfern übergibt.

Zwölf Menschen rettete er so, beim 13. ist er so entkräftet, dass er beinahe selbst ertrinkt. In der Zwischenzeit waren Schiffe eines Manövers zur Hilfe gekommen, 27 weitere Menschen werden gerettet.

2 Bilder

Im Frühjahr 1913 verleiht Kaiser Wilhelm II. Richard Römer die Rettungsmedaille am Bande. Römer stirbt 1929 in Kork bei Kehl am Rhein, 41 Jahre alt. Zu Ehren des Retters hat die Gemeinde Hohenlimburg 1998 eine Straße in einem Neubaugebiet nach ihm benannt.

Das tragische Seebrückenunglück findet seinen Nachhall in der Presse. Die Ostseezeitung und der Lübecker General-Anzeiger berichten groß über die Tragödie, auch über die Ehrung wird berichtet. Als Konsequenz aus diesem Unglück wird am 19. Oktober 1913 die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, die DLRG gegründet.

Heute gehören der DLRG über 1,1 Millionen Mitglieder und Förderer an, sie ist die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt. Knapp 40 000 Mitglieder im Wasserrettungsdienst der DLRG wachen jährlich über 1,9 Millionen Stunden über die Sicherheit von Badegästen und Wassersportlern.

Im letzten Jahr retteten die Wachgänger mit ihrem humanitären Einsatz 457 Menschen vor dem nassen Tod. Dennoch ertranken in Deutschland 410 Menschen im gleichen Zeitraum. rnk

Am 30. Juli 1912 berichtete auch unsere Zeitung über das Unglück in Binz.



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