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„Homeland“ ist nicht das Gleiche

Ist Heimat international?

Sie will geteilt werden, die Heimat, wenn man ihr etymologisch, also sprachgeschichtlich, auf die Schliche kommen will. Also: Heim–at, denn den Begriff Heimat gibt es in dem Lautbestand, wie wir ihn heute kennen, erst seit dem 15. Jahrhundert. Davor war im Althochdeutschen von „heimuoti“ die Rede, der Nachfolger im Mittelhochdeutschen war heimout (e). Aber wie international ist der Heimatbegriff?

veröffentlicht am 01.05.2019 um 14:43 Uhr
aktualisiert am 02.05.2019 um 19:52 Uhr

Ähnliche Begriffe wie Heimat finden sich in osteuropäischen Sprachen, aber auch im Englischen und Französischen. Foto: Wordart
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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„Unschwer zu erkennen“, schreibt der Sprachwissenschaftler Professort Jochen A. Bär, dass das Wort Heimat „eine Ableitung von Heim“ ist – und das kennen mehrere germanische Sprachen. Das englische „Home“ ist vielen ein Begriff, und die Schweden kennen dafür „hem“. Auch in indoeuropäischen Sprachen gibt es Entsprechungen, erklärt Bär, und nennt als Beispiel das griechische Wort „kome“, das Dorf bedeute. „Zugrunde liegt die indoeuropäische Wurzel kei-, die liegen bedeutet“, so Bär weiter. Das Heim sei also eigentlich das „Lager“ beziehungsweise der „Ort“, an dem man sich niederlasse.

Den zweiten Bestandteil des Wortes bezeichnet der Sprachforscher als „merkwürdig“ im Sinne von „bemerkenswert“, wie er gegenüber der Dewezet erklärt. In „Heimat“ lasse sich die germanische Endung „-odus“ (die lateinische Entsprechung ist „-atus“) finden – die auch in den Wörtern Armut und Einöde aber auch bei Kleinod zugrunde liege. Die Endung ist also sowohl bei positiv besetzten Begriffen zu finden als auch bei jenen, die weniger schön sind.

In anderen Sprachen findet sich nach Sprachforschern kein Begriff, der dem deutschen Wort „Heimat“ entspricht. Höchstens jene, die ähnlich sind, ähnliches meinen, jedoch nie eines, das die gleiche Bedeutung hat. „Im Finnischen hilft man sich meistens mit ,kotimaa‘, das am ehesten dem Heimatland entspricht oder ,kotiseutu‘, dessen Pendant sich wiederum in Heimatregion findet“, schreibt Claudia Sirpa Jeltsch, die in Helsinki lebt und arbeitet. Eine kurze Liste, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, mit Annäherungsversuchen in anderen Sprachen hat Michael Neumeyer schon im Jahr 1991 in seinem Buch „Heimat. Zur Geschichte und Begriff eines Phänomens“ veröffentlicht. Darin hält er fest:

Ins Englische lässt sich das Wort am ehesten mit „homeland“ oder „native land“ übersetzen.

Auf Französisch kann man „lieu d’origine“ sagen oder „pays natal“. Wenn die eigene Heimat angesprochen werden soll, überzeugt am besten die einfache Wendung „mon pays“.

Ähnlich intim wie das deutsche Wort Heimat mutet die tschechische Vokabel „domov“ an; sie enthält denselben Wortstamm wie „Haus“ und „domek“ für „Häuschen“. Auf Ungarisch heißt „Heimat“ „szülöföld“ – „Elternerde“.

Die Universität Oldenburg hat weitere Begriffe zusammengetragen:

Polnisch: mała ojczyzna

Russisch: rodina

Rumänisch: ţara natala

Ungarisch: szülöföld.

Alle besäßen eine große inhaltliche Nähe zum deutschen Wort „Heimat“, ohne aber das gesamte Bedeutungsspektrum abzudecken.

Vor einigen Jahren gab es noch den Eintrag „Heimat, die“ im Duden – die eine Heimat gab es nur in der Einzahl, mit dem Vermerk „Plural nicht üblich“. Heute können demnach auch „die Heimaten“ verwendet werden – was eher der Lebenswirklichkeit vieler Migranten entsprechen dürfte.

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