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Ein Begriff – so vielfältig wie die Menschen, in deren Köpfen er entsteht

Heimat!

Wir machen die Heimat mit all ihren Facetten zum Thema unserer diesjährigen Mai-Serie. Was ist typisch für unser gemeinsames geografisches Zuhause, das Weserbergland? Was verbindet Menschen mit den Orten, wo sie leben oder gelebt haben? Und vor allem: Heimat, was bedeutet das für Sie persönlich? Wo fühlen Sie sich zu Hause – und warum?

veröffentlicht am 01.05.2019 um 11:30 Uhr
aktualisiert am 02.05.2019 um 19:51 Uhr

Das Weserbergland - unendliche Weiten. Und für viele Menschen Heimat. Foto: Horst Kumpf
Juni

Autor

Julia Niemeyer Verlegerin / Chefredakteurin zur Autorenseite
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Bergidylle, rotbackige Kindergesichter, grasende Kühe. Wer Heimat hört, denkt dabei oft zunächst in Bildern, die andere gemalt haben, um dem Wort irgendwann einmal Form und auch Richtung zu geben. Häufig sind es Bilder von früher. Früher war eben auch mehr Heimat. Mehr „heile Welt“, mehr Gemeinschaft – und mehr vaterlandsstolze Landser-Romantik. Etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde aus einem nüchternen Synonym für den Geburts- oder Aufenthaltsort eines Menschen DAS deutsche Sehnsuchtsland: die Heimat. Ein fiktiver Ort, wo alles seine Ordnung hatte; wo man mit Familie, Freunden und Gleichgesinnten zusammenrückte und jedem anderen den Rücken zukehren konnte. Die Idee der Heimat wärmte von innen – und erzeugte, systematisch überbaut von nationalistischer Politik, nach außen schließlich Eiseskälte. Wer seine Heimat liebte, musste auch bereit sein, sie mit allen Mitteln zu verteidigen und jeden zu bekämpfen, der ihr schaden wollte. Blut und Boden. So wurde es in die Köpfe gepflanzt. Die Folgen waren verheerend.

Nur mühsam hat sich der Heimatbegriff danach erholt. Er entwickelte sich zaghaft vom kitschigen Postkartenmotiv zu einer ernst zu nehmenden Mittelgröße, mit der jedoch erst ab den 70er Jahren auch politische Ziele wieder einigermaßen unfallfrei begründet werden konnten: Umweltschutz, Globalisierungskritik und Regionalismus rückten die Heimat als schützenswertes Gut auch außerhalb von Dorfverschönerungsprogrammen und Männergesangvereinen zurück ins öffentliche Bewusstsein. Schnell avancierte sie zum erdverbundenen Gegenpol einer entwurzelten, anonymen Weltgesellschaft, zunächst noch ohne Abschottungstendenz.

Im Gegenteil: Das Motto „Think global, act local“ stellt gerade die Verbundenheit von innen und außen ins Zentrum moderner Vorstellungen von Heimatliebe. Die neue, alte, vor- und nachnationalistische Heimat ist eher eine kleine. Ein überschaubarer und buchstäblich verantwortungsvoller Mikrokosmos, in dem es möglich (und der Mensch motiviert genug) ist, mit dem eigenen Handeln wenigstens ein bisschen die Welt zu retten.

Umgekehrt wird daraus allerdings auch ein Schuh, und der kann mitunter gewaltig drücken: Wenn Welt und Heimat verbunden sind, wirken sich Ereignisse auf der ganzen Welt auch vor der eigenen Haustür aus. Das gefällt nicht jedem. Denn Heimat hat, Entwicklung hin oder her, immer noch viel mit Sicherheit und dem Gefühl zu tun, Kontrolle zu haben. Die größte Bedrohung für dieses Gefühl ist und bleibt das Unbekannte. Und je näher es dem eigenen Lebensmittelpunkt rückt, desto massiver wird das Unbehagen. Vielleicht hat aufkeimende Heimatliebe auch deshalb häufig eine Tendenz in Richtung Patriotismus und Nationalismus. Die Vorstellung, in einer großen Gemeinschaft zu Hause zu sein, verspricht auch heute noch den – vermeintlich – größeren Schutz.

Tatsächlich war Heimat jedoch nie gleichbedeutend mit Nation oder Staatsgebiet. Zumindest diejenigen, die innerhalb der Grenzen leben, werden in aller Regel erst im zweiten, dritten oder vierten Schritt die Bundesrepublik Deutschland als ihr Zuhause bezeichnen. Davor kommen mein Haus, meine Stadt, meine Region. Meine Familie, mein Lieblingsplatz, mein Leben. Denn im Kern ist Heimat wohl vor allem: das Gefühl von Verbundenheit und Nähe, von Kennen und Verstehen. Und Gefühle sind so vielfältig wie die Menschen, in deren Köpfen sie entstehen.

Grund genug für uns, die Heimat mit all ihren Facetten zum Thema unserer diesjährigen Mai-Serie zu machen. Was ist typisch für unser gemeinsames geografisches Zuhause, das Weserbergland? Was verbindet Menschen mit den Orten, wo sie leben oder gelebt haben? Und vor allem: Heimat, was bedeutet das für Sie persönlich? Wo fühlen Sie sich zu Hause – und warum? Wir laden Sie herzlich ein, Ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Gedanken mit uns und unseren Lesern zu teilen.

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