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Jürgen Trittin und Anja Piel läuten Wahlkampf-Endspurt ein

Wahlprogramm im Schweinsgalopp

HAMELN. Für den Endspurt im Wahlkampf holen sich die Hameln-Pyrmonter Grünen prominente Unterstützung in den Seehof am Tönebönweg: Ex-Minister Jürgen Trittin heizt den Gästen am Donnerstag beim „Grünen Sommerabend“ mit einer vollgepackten Rede ein.

veröffentlicht am 01.09.2017 um 19:13 Uhr
aktualisiert am 05.09.2017 um 14:39 Uhr

Michael Zimmermann

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Lauschig sind die Temperaturen zwar nicht an diesem „Grünen Sommerabend“. Immerhin schafft das Bielefelder Duo „White Coffee“ mit loungigen Gitarrenklängen Gartenparty-Atmosphäre. Serviert werden alkoholfreie Cocktails in der Parteifarbe und auch hochrangige Vertreter der Konkurrenz lassen sich im Seehof am Tönebönweg blicken. Doch den Grünen geht es an diesem Abend nicht nur ums Feiern, denn innerhalb weniger Wochen werden Bundestag und Landtag neu gewählt. Dafür gilt es nach innen und nach außen zu mobilisieren und zu motivieren.

Den Parteifreunden vor Ort springt am Donnerstag ein ehemaliger Spitzengrüner zur Seite: Der Weg von seinem Wahlkreis Göttingen bis in die Rattenfängerstadt ist für Jürgen Trittin schließlich nicht weit. „Nur ich trenne Euch noch vom Büffet“, meint ein gut aufgelegter Trittin, der sich selbst nur als „Vorgruppe“ für die lokalen Kandidatinnen und Kandidaten bezeichnet – um dann das Publikum mit einer Fülle von Informationen zu überhäufen: Der Ex-Umweltminister spricht über die EU-Flüchtlingspolitik, die ein „Offenbarungseid“ sei. Über Waffenexporte in Länder wie Niger oder der Tschad, „um uns die Flüchtlinge vom Hals zu halten.“ Und über die derzeit viel beschworenen deutschen Werte, für die die Wahrung der Menschenrechte doch schließlich essenziell sei.

Bei der Bundestagswahl gehe es um die Zukunft Europas, ebenso wie um den Zusammenhalt in Deutschland, der durch die wachsende Armut untergraben werde, sagt Trittin.

Für die Sicherheit im Alter fordere seine Partei eine Garantierente und den Einstieg in die Bürgerversicherung nach Schweizer Vorbild. Man müsse „Bismarck überwinden“, dessen Begrenzung der Sozialversicherung auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber ins 19. Jahrhundert gehöre. Trittin kritisiert die Automobilindustrie, die in Deutschland mit der Umsetzung europäischer Umweltstandards „endlich ernst machen“ und den technologischen Rückstand von zehn Jahren aufholen müsse – ähnlich sei es bei den erneuerbaren Energien, wo Deutschland schon längst nicht mehr auf Platz eins stehe. „Die Bremspolitik der Großen Koalition hat mit der Deindustrialisierung einer Zukunftsindustrie Arbeitsplätze vernichtet.“

Während Trittin sich beeilt, seinen Zug nach Berlin zu bekommen, verdaut sein Publikum erst einmal den Ritt durch die Themen. Dann hat Anja Piel das Wort. An der Grünen-Basis herrsche seit der Auflösung des Landtages große Entschlossenheit, sagt die bisherige Fraktionsvorsitzende in Hannover. Die lange Geschichte des Widerstands habe die niedersächsischen Grünen geprägt, glaubt sie. In schwierigen Zeiten jammere die Partei nicht viel rum, sondern halte auch bei Gegenwind Kurs. Nur noch acht Wochen sind es bis zur Landtagswahl, da müsse nun alles etwas schneller gehen. Doch sei dies eine gute Zeit, zu erzählen, was wichtig sei im Land. „Was wir angefangen haben, wollen wir auch fortsetzen“, zum Beispiel den Abschiebestopp in Krisengebiete oder die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft. Früher habe die Partei den Leuten erklärt, wie die Welt sich dreht, gibt Piel zu. Heute habe sie überall Verbündete, mit denen sie gemeinsam Ideen entwickeln könne.

Vor Ort sollen dies neben Piel, die wieder für den Landtag kandidiert, auch Marc Marc Telgheder und die Bundestagskandidatin Ute Michel an vorderster Front tun. Die drei Direktkandidaten stellen sich „im Schweinsgalopp“ vor, wie Telgheder überrascht feststellt: Anhand von 20 Fotos erklären sie jeweils 20 Sekunden lang ihre Hintergründe und Ziele.



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