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Ehrenamtliche Dreh- und Angelpunkt demokratischer Wahlen

Wahlhelfer – ohne sie geht es nicht

HAMELN. Kurz vor Mittag betreten Friedrich und Elisabeth Ringe das Wahllokal Nr. 43 in der Grundschule in Hilligsfeld. „Mein Mann wäre wie immer ins Gasthaus Schaper gelaufen“, lacht die rüstige Rentnerin und legt ihre Wahlbenachrichtigung vor. „Kann er hinterher ja immer noch machen.“

veröffentlicht am 24.09.2017 um 16:40 Uhr
aktualisiert am 24.09.2017 um 22:40 Uhr

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Reporter

Man kennt sich, tauscht mit den Wahlhelfern einige Neuigkeiten aus, bekommt die Stimmzettel und macht in den Wahlkabinen das entscheidende Kreuz. Die 47-jährige Sabrina Scholz ist Wahlvorsteherin. Ihr zur Seite stehen der 22-jährige Joshua Heucke und ihr Sohn Daniel. Der 23-Jährige ist das erste Mal dabei. „Langweilig? Nein. Aber interessant“, sagt er. Und erzählt, dass sich manche Bürger für diesen Anlass sogar etwas in Schale werfen. Sechs Wahlhelfer sind im einzigen Wahllokal in Hilligsfeld im Einsatz „Im Zweitschichtbetrieb“, erläutert Sabrina Scholz, die seit 2002 dieses Ehrenamt wahrnimmt.

Im Bereich der Stadt Hameln sind für die Wahl zum Deutschen Bundestag insgesamt 49 Wahllokale geöffnet. „Wir haben 302 Helferinnen und Helfer im Einsatz“, berichtet Thomas Wahmes, der Pressesprecher der Stadt. Die seien elektronisch keinesfalls zu ersetzen. „Unsere Ehrenamtlichen sind der Dreh- und Angelpunkt der Wahlen. Von ihrem Einsatz lebt die Demokratie. Ohne Wahlhelferinnen und Wahlhelfer keine Wahl!“ Der von der Stadt eingerichtete Pool an ehrenamtlichem Personal jedoch reiche leider kaum aus. Wahmes: „Das Problem ist, dass wir in wenigen Wochen für die vorgezogene Landtagswahl schon wieder Personal brauchen.“ Da die Landtagswahl zudem in die Herbstferien falle, reiche der Pool nicht aus. „Bitte melden Sie sich! Helfen Sie uns!“, bittet Wahmes. Aber er weiß auch: „Freizeit ist ein hohes Gut, am Sonntag und in den Ferien, gerade für Eltern mit schulpflichtigen Kindern. Da wird es für uns schon mal knapp.“ Auch wenn der Helfer-Pool der Stadt mehr als 300 Ehrenamtliche umfasst. Für die Wahlvorstände und die Schriftführer und Schriftführerinnen ist eine kleine Aufwandsentschädigung in Höhe von 35 Euro gesetzlich vorgeschrieben, Beisitzer bekommen 25 Euro. Wahmes: „Die Stadt zahlt aber allen 35 Euro.“ Dass es ihr nicht ums Geld geht, stellt auch die Hausfrau Ulrike Bröcker klar, die im Staatlichen Studienseminar am Hefehof auf Wähler wartet. Insgesamt umfasst ihre Liste 613 Wahlberechtigte. Die trudeln bei einsetzendem Nieselregen recht langsam ein, bekommen ihre Unterlagen und machen ihr Kreuz.

„Ich mache es, weil’s mir Spaß macht“, sagt Bröcker. „Mein Mann hat das lange Jahre gemacht. Jetzt bin ich mal dran.“ Die Wahlleiterin im Wahlbezirk 52 und ihre Helfer aber wollen sich nicht bei der Arbeit fotografieren lassen. Auch andere Wahlvorstände sind in Sachen Öffentlichkeit eher zurückhaltend. Keine Namen, keine Fotos.

Nicht so in Rohrsen. Dort ist der Kommunalpolitiker Jobst- Werner Brüggemann schon viele Jahre als Wahlvorstand im Wahlbezirk 42 aktiv. „Für einen Politiker sollte das selbstverständlich sein“, meint er. In der Grundschule in Rohrsen ist unter Brüggemanns Aufsicht ein bewährtes Team am Start. Auch hier sind sechs Helfer in zwei Schichten im Einsatz. Neben der erfahrenen Gabriele Farrell ist zum ersten Mal auch der ehemalige Diplomingenieur Jürgen Eberhard im Einsatz. „Fühlt sich gut an“, sagt der 66-Jährige. „Sonst wäre ich heute im Garten.“ Wenige Minuten vor Mittag bricht Eberhard schon die zweite 100er-Packung mit Stimmzetteln an. „Die Wahlbeteiligung ist gut“, freut sich Brüggemann. Knapp 800 Wahlberechtigte gibt es im Hamelner Ortsteil Rohrsen. Kurz nach 12 bildet sich vor der Wahlzettelausgabe sogar eine kleine Schlange. Die Wartenden nutzen die Zeit zu einem kleinen Plausch über Gott, die Welt und die Wahl.

„Punkt 18 Uhr wird der Inhalt der Urne auf den Tisch gekippt und dann wird gezählt“, erklärt Brüggemann. Mit einer Eilmeldung wird das Ergebnis dann telefonisch an die Stadt durchgegeben. „Hinterher werden die Wahlunterlagen zusammengepackt und ebenfalls zur Stadt gebracht.“

Nicht nur ein Kreuz darf bei der Wahl gemacht werden, man könne auch das entsprechende Kästchen ausmalen, so die Wahlvorstände. Brüggemann: „Wichtig ist, dass der Wählerwille zweifelsfrei erkennbar ist.“

Mit Zählen kennt sich auch Wahlvorsteherin Erika Dittrich im Wahllokal 7 in der Grundschule Bad Münder bestens aus. Die 62-Jährige ist Angestellte in der städtischen Kämmerei. „Wir haben gleich zwei Wahllokale hier in der Grundschul-Aula“, sagt sie. „Man muss schon penibel und korrekt sein, damit am Ende alles stimmt.“ In Bad Münder sind am Wahlsonntag 176 Helferinnen und Helfer in den 22 Wahllokalen der 16 Ortsteile im Einsatz. Nach 18 Uhr geht auch hier die Schnellmeldung an das Rathaus raus und wird da auf einer großen Schautafel für die Öffentlichkeit aufbereitet. Auch Kommunalpolitiker Axel Drömer, der das zweite Wahllokal in der Aula leitet, und seit vielen Jahren bei Wahlen als Helfer dabei, stellt fest: „Ohne Wahlhelferinnen und -helfer keine Wahl. Ohne uns geht es einfach nicht!“



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