weather-image
25°
×

Dewezet-Wahlforum

Viel Einigkeit auf dem Podium

HAMELN. Es dauerte eine Weile, bis das Wahlforum von Dewezet und Radio Aktiv zum „Wahlkampf-Forum“ wurde – so ein bisschen zumindest.

veröffentlicht am 21.09.2017 um 00:01 Uhr
aktualisiert am 21.09.2017 um 08:47 Uhr

Frank Henke

Autor

Reporter zur Autorenseite

Vom „Heimatlosen“ Johannes Schraps (SPD) sprach da Armin-Paulus Hampel (AfD). Diesen hatte der SPD-Kandidat kurz zuvor einen „Wolf im Schafspelz“ genannt . Über eine „graue bleierne Weiter-so-Stimmung über dem Land“ klagte die Grüne Ute Michel zuvor. Und Schraps hatte schon zuvor festgestellt, dass beim Breitbandausbau in den letzten Jahren „ziemlich viel verpennt“ worden sei – meinte damit allerdings letztlich auch seine eigene SPD. Streitlustiger wurde der Umgangston an diesem Abend in der gut gefüllten Sumpfblume nicht. Statt dessen waren sich die heimischen Direktkandidaten für den Bundestag bei der Beantwortung von Fragen der Zeitungsleser und Radiohörer oft erstaunlich einig.



Hier in Kurzform einige der Antworten:


Was ist Ihr Rezept für den Arbeitsmarkt? Insbesondere gegen Langzeitarbeitslosigkeit?
„Bildung, Bildung, Bildung“, gab FDP-Kandidat Klaus-Peter Wennemann nicht nur bei diesem Thema als Devise aus. Diese müsse ab dem frühkindlichen Bereich deutlich gestärkt werden. Älteren Arbeitnehmern müsse geholfen werden, etwa beim Übergang von körperlicher Arbeit zu Bürotätigkeiten. Hermann Gebauer, der als Parteiloser für die Piraten antritt, schlug einen Solidarfonds – in Hameln ausgestattet mit 1 Million Euro – vor, über den Langzeitarbeitslose beschäftigt werden könnten. Die Grüne Ute Michel hält im Fall von bereits Langzeitarbeitslosen den sozialen Arbeitsmarkt für die beste Möglichkeit. Der CDU-Abgeordnete Michael Vietz sah „keine einfachen Rezepte“, hielt jedoch letztlich die Qualifizierung für den wesentlichen Punkt. Jutta Krellmann (Linke) forderte, Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose zu schaffen. Man müsse – auch angesichts des Fachkräftemangels – dieses „Potenzial heben“. Johannes Schraps (SPD) nannte ebenfalls das Stichwort Qualifizierung, forderte aber auch die Abschaffung der Zeitarbeit und von Werkverträgen. Armin-Paulus Hampel (AfD) verwies zudem darauf, dass es Langzeitarbeitslose in zweiter und dritter Generation gebe. Da seien auch die Industrie- und Handelskammern gefordert, die Menschen durch Maßnahmen wieder in Arbeit zurückzuholen.


Was tun Sie für mehr Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich?
Auch hier nannte Wennemann Bildung als Schlüssel. Gegen ein Aufgehen der Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland sprächen jedoch Zahlen der OECD. Ute Michel widersprach Wennemann und zitierte den Ökonomen Marcel Fratzscher. „Ist es akzeptabel“, fragte sie dann rhetorisch, „dass ein Fußballer in einer Woche mehr verdient als ein Fließbandarbeiter in seinem ganzen Leben?“ Gebauer verwies auf das Modell des Solidarfonds. Auch Vietz betonte die Bedeutung von Bildung – und führte CDU-Versprechen an, das Kindergeld zu erhöhen und kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. SPD-Mann Schraps wie auch Jutta Krellmann von den Linken nannten die Stichworte flächendeckende Tarifverträge – etwa in der Pflege – und Steuern. Unternehmen müssten Gewinne dort versteuern, wo sie anfallen, forderte Schraps. Dazu sei jedoch eine europäische Lösung erforderlich. Hampel plädierte für heimische Unternehmen anstelle großer Konzerne – zum Wohle einer „breiten Mittelschicht“.


Wie werden Sie sich für eine Stärkung des Wirtschaftsraumes Weserbergland einsetzen? FDP-Kandidat Wennemann nannte hier den Straßen- und Breitbandausbau als zentrale Projekte. Doch auch bei der regionalen Wirtschaftsförderung müsse sich etwas tun. Hermann Gebauer indes schwebt eine „Internationale Friedensuniversität“ in Hameln vor. Eine „Wissens- und Wirtschaftsregion“ soll entstehen. Ein Weserstrand reiche da nicht als Perspektive für junge Leute. Ute Michel von den Grünen zeigte sich überzeugt, dass ein guter S-Bahn-Anschluss die Region weiterbringe, als ein weiterer Straßenausbau. Der Bund müsse die Kommunen zudem finanziell in die Lage versetzen, moderne Infrastruktur bieten zu können. Der Bundestagsabgeordnete Michael Vietz sieht indes finanziell auch das Land in der Pflicht. Er ergänzte die nötigen Investitionen in Asphalt und Glasfaser um Bemühungen für ein besseres Mobilfunknetz. Auch schnellere Planungsverfahren stehen auf seiner Liste. Jutta Krellmann von den Linken betonte, es gehe darum, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten. Sie plädierte beim Stichwort Tourismus dann auch für ein attraktives Weserufer. SPD-Kandidat Schraps sah sich „ziemlich einig“ mit seinen Konkurrenten und gestand – wie eingangs erwähnt – die Fehler beim Breitbandausbau ein, auf die auch Michel hinwies. „Bundes- und Landesprogramme laufen da völlig aneinander vorbei“, so Schraps.
Der AfD-Landesvorsitzende indes fordert die Stärkung regionaler Wirtschaft. So könnte eine kleine lokale Molkerei etabliert werden. Auch wenn dort dann der Liter Milch 10 Cent mehr koste. Aber: „Heimat, Landschaft, Umgebung muss einen auch etwas kosten wollen.“ Für regionale Erzeugnisse kann sich – im Sinne des Klimaschutzes – auch Schraps begeistern, nicht aber für die heimatliche Begründung. „Wenn Sie als Heimatloser glücklicher sind, in Gottes Namen auch das“, entgegnete Hampel.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2020
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt