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Rentenpolitik für junge Leute

So war der schnelle Wahl-Talk für Erstwähler

HAMELN. Bei einer Veranstaltung der Wirtschaftsjunioren sollten die heimischen Bundestagskandidaten jungen Leuten ihre Politik nahebringen. Dewezet-Praktikantin und Erstwählerin Friederike Beese berichtet, ob das geklappt hat.

veröffentlicht am 14.09.2017 um 19:34 Uhr

Kandidaten vor jungem Publikum. Die Wirtschaftjunioren hatten zum schnellen Polit-Talk eingeladen. Foto: wfx

„10 Minuten Politik“, klingt nach leicht verdaulicher Kost. Das dachten sich wohl auch die Wirtschaftsjunioren Hameln die „eine Veranstaltung für euch Erstwähler“ organisierten. Das Konzept ist einfach: Sechs heimische Direktkandidaten für den Bundestag hatten die Chance, ihre Sicht zu vorgegeben Themen den jüngsten Wähler darzustellen. Und das in nur je knapp zweieinhalb Minuten.Auf Steckbriefen, die auf den Sitzen verteilt lagen, konnte man sich vorab über die Kandidaten informieren. Das Lalu ist gut gefüllt – vor allem mit Schülern. Die Atmosphäre ist entsprechend locker.

Armut trotz Vollzeitjob – so heißt das erste Thema des Abends. Fachbegriffe wie „sachgrundlose Befristung“ und „branchenspezifische Untergrenze“ wirft Ute Michel, Kandidatin der Grünen, in den Raum. Die Folge: verständnislose Gesichter bei den Zuschauern.

Etwas greifbarer formuliert waren die Ansätze der anderen Parteien. Armin-Paulus Hampel, Kandidat der AfD, brachte eine eigene These ins Spiel: Die Ausländer seien schuld. Denn nur durch sie könnten Arbeitgeber die Löhne drücken.

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Das zweite Thema des Abends ist die Rente. Das lässt mich erst einmal stutzen: Erstwähler und Rente? Doch offenbar interessiert es die Jungwähler. Johannes Schraps (SPD), appelliert an das Publikum: „Es ist wichtig, jetzt darüber nachzudenken.“ Man müsse so schnell wie möglich ein neues Rentenkonzept vorlegen, damit sich bereits etwas verändert hat, wenn es uns Erstwähler in der Zukunft betrifft. Michael Vietz, Kandidat der CDU, sagt hingegen: „Wenn ihr in Rente geht, bin ich fast hundert.“ Zu antworten, sei da schwierig.

Der dritte Punkt befasst sich mit der inneren Sicherheit. Klaus-Peter Wennemann, Vertreter der FDP, macht eine Aussage, der sich viele seiner Konkurrenten anschließen: „Mehr Überwachung heißt nicht unbedingt mehr Sicherheit, wir wollen keinen Überwachungsstaat.“

Jutta Krellmann (Linke) bezieht sich auf die soziale Sicherheit und spricht über Problemviertel in Hameln. Der lokale Bezug macht das Thema greifbarer.

Armin Hampel von der AfD kommt erwartungsgemäß auf das Stichwort Flüchtlinge. „Das Wohl der Deutschen, die in diesem Land leben ist wichtiger, als das Wohl der potenziellen Gefährder, die in dieses Land kommen“, sagt er – und sorgt für ein Raunen im Saal.

Das letzte Thema des Abends ist die E-Mobilität. Es solle in Alternativen wie öffentliche Verkehrsmittel investiert werden, finden die meisten Kandidaten. Armin Hampel sieht das anders. Staubsauger und Duftkerzen hätten höhere Feinstaubwerte als die „verpönten“ Autos. „Ihnen werden Märchen ohne Ende erzählt“, sagt er zum Abschluss.

Dadurch, dass so unterschiedliche Meinungen vertreten werden, fällt es leicht, Vergleiche zu ziehen. Die für Politiker doch recht kurze Redezeit von zweieinhalb Minuten pro Thema kommt an.

Ich kann gut folgen und habe das Gefühl, dass die Kandidaten sich Mühe geben, die jungen Zuschauer zu erreichen. Das wird auch in der Umfrage deutlich, die von rund 60 Leuten beantwortet wird. Johannes Schraps kann das Publikum demnach am meisten überzeugen. Auch Ute Michel von den Grünen erzielt gute Ergebnisse. Michael Vietz hingegen, wirkt enttäuscht.

Diejenigen, die noch offene Fragen haben, können sich auch noch direkt an die Kandidaten wenden. Auch an den parteilosen Hermann Gebauer, der im Publikum saß. Er war nicht aufs Podium eingeladen worden.

Die meisten Politiker – außer Ute Michel und Johannes Schraps – kommen in den Zuschauerraum. Sofort bilden sich Schülertrauben um die Kandidaten und viele Fragen werden gestellt. Durch das Verlassen der Bühne wird die Distanz genommen und Gespräche auf Augenhöhe kommen zustande.

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