weather-image
Schüler konnten ihre Stimme abgeben

So lief die U18-Bundestagswahl in Salzhemmendorf und Hameln

SALZHEMMENDORF/HAMELN. Bundestagswahl für Kinder und Jugendliche: Seit 1999 gibt es dafür die Juniorwahl, seit 1996 die U18-Wahl. In Salzhemmendorf und in Hameln konnten unter 18-Jährige jetzt ihre Stimme abgeben.

veröffentlicht am 18.09.2017 um 18:12 Uhr
aktualisiert am 20.09.2017 um 10:43 Uhr

Jugendwahl KGS Salzhemmendorf: Henry Pieper, Tom Lux und Andreas Munzel (v. li.) verteilen Wahlzettel. Foto: sto

Autor:

Christiane Stolte, Friederike Beese und Isabel Voltmer

61,5 Millionen Menschen über 18 Jahre sind am kommenden Sonntag zur Wahl aufgerufen. Mehr als die Hälfte von ihnen, nämlich 56,1 Prozent, sind über 50 Jahre alt. Wie würden Jugendliche unter 18 Jahren wählen, dürften sie sich an der Bundestagswahl beteiligen? Welche politischen Wünschen haben sie? Ticken sie anders als Erwachsene? Wie groß ist ihr politisches Interesse? Um das herauszufinden und das politische Interesse der Jugendlichen zu wecken, war von dem überparteilichen Verein „Kumulus“ 1999 die bundesweite Juniorwahl ins Leben gerufen worden – das größte Schulprojekt Deutschlands zur politischen Bildung.

In diesem Jahr zeichnet sich ein besonderes großes Interesse ab, denn mit 3478 beteiligten Schulen und knapp einer Million Jugendlichen wurde eine Rekordbeteiligung an der Juniorwahl erreicht. Im Landkreis Hameln-Pyrmont haben sich das Victoria Luise Gymnasium in Hameln und die Kooperative Gesamtschule Salzhemmendorf (KGS) beteiligt. Letztere hatte jedoch keinen Zuschlag mehr auf Förderung bekommen, wie viele andere Schulen auch. „Wir haben die Wahl deshalb in völliger Eigenregie durchgeführt, weil wir nicht darauf verzichten wollten“, erklärt Christina Müller, didaktische Leiterin der KGS. Aufgerufen zur Wahl in der Schule am Kanstein waren 750 Schüler der siebten bis zwölften Jahrgänge. Welche Partei sie gewählt haben, möchten sie nicht verraten, wohl aber ihre politischen Wünsche. Ganz oben auf ihrer Wunschliste stehen folgende Verbesserungsvorschläge: schnelleres Internet, mehr Investitionen in Bildung, höhere Einkommen für Menschen, die in Pflegeberufen tätig sind, und attraktivere Angebote für Sportvereine, fordern Andreas Munzel (16), Tom Lux (18) und Henry Pieper (14). Leif Busch (17) appelliert: „Die Nutzung von Sporthallen muss bezahlbarer werden, sonst gibt es immer mehr Austritte aus den Sportvereinen.“ Auch Simon Schwarze setzt auf soziale Gerechtigkeit. „Außerdem muss in ländlichen Bereichen die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr verbessert den erwachsenen Wählern einen Appell mit auf den Weg geben: Geht zur Wahl, denn nur so funktioniert eine Demokratie!“ Die Auswertung der abgegebenen Stimmen der KGS-Schüler erfolgt am kommenden Donnerstag.

In Hameln konnte an zwei Standorten im Stadtgebiet gewählt werden: einmal in der Erichstraße 6 im Kultur- und Bildungshaus Regenbogen und in der Deisterallee 3 bei Radio Aktiv. Organisiert wurde die Aktion unter anderem vom Landes- und Stadtjugendring.

270_0900_63169_Wahl_Logo_2017_mit_Pfad.jpg

„Es ist schön, dass man durch die Kinder- und Jugendwahlen die Chance hat, seine eigene Meinung zu äußern“, erklärte ein 16-Jähriger nach dem Urnengang. Er selbst sei sehr an Politik interessiert. „Es ist wichtig, wählen zu gehen, denn das ist eine Chance, die nicht jeder hat!“ Ein 13-jähriges Mädchen schloss sich seiner Meinung an und meinte: „Das ist echt eine coole Aktion! Außerdem fühlt man sich ernst genommen, wenn man so seine Meinung äußern kann.“ Beide haben die Grünen und die Tierschutzpartei gewählt und betonen, wie wichtig ihnen Umweltschutz sei. Auf die Frage, wann das richtige Alter zum Wählen sei, waren sich beide auch recht einig. „Man sollte reif genug sein und sich eine eigene Meinung bilden können. Auch unabhängig davon, was die Eltern oder Freunde wählen“, erklärte der 16-Jährige. „Und Politikunterricht sollte man haben“, pflichtete ihm die 13-Jährige bei. Die Altersbeschränkung sollte bei der Bundestagswahl deshalb auf 16 Jahre herunter gesetzt werden, fordern die Jugendlichen. Ein 17-Jähriger, der bereits bei den Kommunalwahlen mitgewählt hatte, betonte, wie wichtig es sei, sich mit seiner Stimme einzubringen. Er selbst habe mit der Erststimme die Grünen und mit der Zweitstimme die Linken gewählt. Die Aktion (Organisation U 18) möchte laut eigener Aussage ein Zeichen gegen die angebliche Politikverdrossenheit zu setzen, die politische Bildung stärken und altersgerechte Diskussionen über politische Themen anregen.

Insgesamt 210 000 Jugendliche beteiligten sich bundesweit an der Wahl. Allein in Niedersachsen hatten 70 Wahllokale ihre Pforten geöffnet. In Niedersachsen bekam die CDU mit 31,9 Prozent die meisten Stimmanteile. Auf Platz zwei lag die SPD mit 24,48 Prozent. Ebenfalls ein zweistelliges Ergebnis sicherten sich die Grünen mit 14,60 Prozent. Die Fünf-Prozent-Hürde schafften außerdem Die Linke und die AfD.

Das bundesweite Ergebnis sah nicht viel anders aus. Auch hier ging die Union als Wahlsieger hervor, gefolgt von SPD, Grüne und Die Linke. Das Schlusslicht bilden FDP und AfD. Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Hameln-Pyrmont/Holzminden (Wahlkreis 46) war indes eher bescheiden: Lediglich 33 Kinder und Jugendliche gaben beispielsweise in Hameln ihre Stimmen ab. Hier hatte die SPD mit 28 Prozent die Nase vorn, die Grünen kamen auf 25 Prozent, die CDU auf 16 und Die Linke auf 13 Prozent.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt