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Rentnerin setzt auf Personen statt Parteien

Politiker „kochen alle nur mit Wasser“

WESERBERGLAND. Die Bundestagswahl steht vor der Tür. Am kommenden Sonntag ist es soweit. Die Erwartungen an die neue Bundesregierung fallen unterschiedlich aus. Wir haben uns bei verschiedenen Wählergruppen nach ihrer Sicht der Dinge umgehört. Unter anderem waren wir zu Gast bei Hella Regel. Seit gut 15 Jahren ist sie Rentnerin.

veröffentlicht am 18.09.2017 um 16:14 Uhr
aktualisiert am 18.09.2017 um 16:45 Uhr

Maike Lina Schaper

Autor

Reporterin / Newsdesk zur Autorenseite

„Ich bin froh, dass es mir so gut geht, und hoffe, dass es so bleibt“, sagt Regel. Mit ihren 74 Jahren ist sie noch fit, geht mit dem Hund spazieren, reitet. Sie wohnt in einer beschaulichen Gegend mitten in Hameln. Einfamilienhäuser mit kleinen Gärten reihen sich aneinander, bis zur Innenstadt oder in den Wald ist es nicht weit.

Regel lebt allein. Ihre drei Kinder haben lange selbst Kinder. Sie ist neunfache Oma. Ihr Interesse gilt nicht nur Themen, die sie direkt selbst betreffen. Auch darüber, wenn einer ihrer Enkel es schwer hat, einen Studienplatz zu bekommen, kann sich Regel ereifern. Sie liest die Dewezet, schaut Nachrichten und politische Debatten im Fernsehen. „Ich schaue mir das gerne an und rege mich auf“, sagt sie, denn sie „mag Ungerechtigkeiten nicht leiden.“ Bestimmte Themen, bei denen sie besonders hellhörig wird, habe sie aber nicht. „Ich höre mir alles an, was die Politiker sagen.“ Wichtiger als Parteipolitik seien ihr am Ende aber die Personen.

34 Jahre lang hat Regel als „kleine Angestellte“, wie sie selbst sagt, beim BHW gearbeitet. Durch eine Betriebsrente könne sie sich trotz Abschlägen, weil sie früher in Rente gegangen ist, nicht beklagen. Beim Thema Rentenpolitik hofft Regel, dass die Politiker in Berlin „die Füße still halten und nicht immer bei uns Kleinen ins Portemonnaie gucken.“ Ob eine bestimmte Partei besser für die Rente sei als eine andere? Regel zweifelt daran. „Mit ihrer Politik machen die doch eh, was sie wollen“, sagt sie ernüchtert. Egal, wer im politischen Berlin ans Ruder komme, man könne trotzdem nie wissen, wie die Politik hinterher aussehe. Koalitionszwänge brächten so manches Wahlversprechen ins Wanken. Nicht nur bei der Rente. „Da ist man manchmal ganz schön hilflos, weil man es nicht ändern kann.“

Eine der Ungerechtigkeiten beim Thema Rentenpolitik über die sich Regel aufregen kann, ist, dass manche Rentner auch im hohen Alter noch arbeiten müssen, weil sie ansonsten nicht über die Runden kämen – „Das finde ich schlimm.“ Und, dass Frauen weniger Rente bekämen als Männer, das sei „traurig“.

Auch das Thema Gesundheit wird im Alter immer wichtiger. Regel wartet aktuell auf einen Termin beim Facharzt – der ist in acht Monaten. Eine lange Zeit, die mit zunehmenden Alter an relativer Länge gewinnt. Aber auch hier hat die Resignation aktuell die Oberhand bei Regel. Sie hat keine Erwartungen, dass die Abgeordneten in puncto Gesundheitspolitik die Lage für sie noch verbessern werden.

Die Politiker in Berlin „kochen alle nur mit Wasser“, sagt Regel. Sie ist verunsichert. Was sie wählen wird, weiß sie noch nicht. Aber eines weiß sie sicher: „Wählen ist wichtig.“ Also wird Hella Regel noch weiter die Dewezet lesen, sich die Nachrichten und politische Debatten angucken, und schließlich ihre Kreuzchen bei der Bundestagswahl machen.



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