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FDP-Kandidat sieht Probleme der Podologie

Politik sollte Hand und Fuß haben

HAMELN. Wahlkampftermin nicht in einem florierenden Industriebetrieb, sondern in einer Praxis für medizinische Fußpflege: FDP-Bundestagskandidat Klaus-Peter Wennemann geht einen ungewöhnlichen Weg.

veröffentlicht am 18.09.2017 um 15:21 Uhr
aktualisiert am 18.09.2017 um 16:45 Uhr

Marc Fisser

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Reporter zur Autorenseite

„Wir hätten uns auch bei Phoenix Contact treffen können“, sagt Klaus-Peter Wennemann. Aber der FDP-Bundestagskandidat aus Hameln hat seinen Wahlkampf, wie er sagt, ganz bewusst „nicht typisch FDP“ angelegt. Seine Partei versucht auf Bundesebene, mit hippen Köpfen und jungen Themen zu punkten. Der 60-jährige Wennemann hingegen erklärt, besonders die älteren Menschen und ihre Sorgen in den Blick zu nehmen, schließlich gebe es überdurchschnittlich viele Senioren in seinem Wahlkreis Hameln-Pyrmont/Holzminden. Deshalb hat der Politiker eben keinen Termin in einem großen Industriebetrieb der Region gemacht, sondern in der medizinischen Fußpflege.

Von Maike und Andreas Sörensen in ihrer Podologischen Praxis mit angeschlossener Akademie in der Hamelner Baustraße erfährt Wennemann, dass es nicht nur in den deutschen Fabriken, sondern auch bei der Versorgung der Füße einen Fachkräftemangel gibt, außerdem seien die Auflagen des Staates zu strikt und der bürokratische Aufwand kaum zu bewältigen. „Die Ausbildung und das Podologengesetz müssen geändert werden“, fordert Maike Sörensen. Die 51-Jährige legt nicht nur selbst Hand am Fuß an, sondern engagiert sich bundesweit in der Weiterbildung. Als Expertin ist ihr Rat schon mehrfach auch im Fernsehen gefragt gewesen. Der Zugang zu diesem Beruf, der angesichts von Millionen zu versorgenden Diabetespatienten sowie der steigenden Zahl alter Menschen so bedeutend sei, habe angesichts von rund 24 000 Euro Ausbildungskosten eine hohe Zugangshürde, schildert die Fachfrau. Eine finanzielle Förderung durch de Staat gebe es nicht, in der Arbeitsagentur werde die Tätigkeit geringgeschätzt, beklagt sie: „Für die fachliche Pflege der Füße können wir niemanden gebrauchen, der nur ein paar Tage eingewiesen worden ist.“ Maike Sörensen verlangt: „Die Schulen müssen wieder mehr Handwerkliches vermitteln und die Jugendlichen dazu bringen, ihr Leben jenseits von Apps zu organisieren.“ Wennemann pflichtet ihr bei und ergänzt: „Der Meister ist wie ein Master zu fördern. Fachkräfte bekommen wir nicht nur über ein Studium.“

Bei allem gehe es um den Patienten. Wennemann weiß: „Für Diabetiker ist die regelmäßige Untersuchung der Füße ganz wesentlich. Aber leider steigt die Zahl der Amputationen wieder.“ Nach Beobachtung der Sörensens versuchen manche Krankenkassen, bei den Verordnungen zur medizinischen Fußpflege – und nicht nur dort – kräftig zu sparen. „Die Folgekosten für das Gesundheitswesen sind gewaltig“, kritisiert Diplom-Ökonom Wennemann. Er nennt es „Abwehrpolitik von Leistungen“. Da werde teils „brutal darauf gesetzt, dass alte Menschen keinen Widerspruch einlegen“. Er habe im Falle seines betagten Vaters selbst solche Erfahrungen gemacht. „Jeder Kontakt mit der Krankenkasse war desaströs.“ Auch deshalb „will ich mich zunehmend einmischen“. Er werde sich dafür stark machen, die „patientennahen Anlaufstellen“ zu stärken, also die Hilfestellung durch Sozialberater und andere „Paten“. An die Sörensens gewandt, verspricht der FDP-Mann: „Ich werde einen Termin bei Landesfachausschuss für Gesundheit machen. Dort wird dann ein Papier für den Bundesfachausschuss der FDP erarbeitet. Sicherlich folgt dann ein Austausch mit den Krankenkassen und anderen. Danach versuchen wir, die Veränderungen in passende Formate, also Gesetze oder Verordnungen, zu gießen.“ Er fügt an: „Das kann durchaus schnell gehen. Ob etwas gelöst wird, hängt oft von den Handelnden an.“

Klaus-Peter Wennemann zählt sich zu den Tatkräftigen in der Politik, bei ihm muss alles Hand und Fuß haben. Und so sagt er ganz offen, dass er bis Februar davon ausgegangen war, als Finanzfachmann einen sicheren Platz auf der Landesliste zu erhalten. „Das ist dann durch die Strippenzieherei zweier Landtagskandidaten kaputtgemacht worden.“ Er wundert sich, „dass nachgewiesene Kompetenz keine Rolle spielt“. Andreas Sörensen unterstreicht: „Wir brauchen Praktiker mit Lebens- und Berufserfahrung.“



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