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Heimische Bundestagskandidaten im Porträt – heute: Johannes Schraps (SPD)

Mit sportlichem Ehrgeiz in die Politik

WESERBERGLAND. Am 24. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Wir haben heimische Kandidaten in ihrem privaten Umfeld besucht und stellen sie vor. Heute: Johannes Schraps (SPD).

veröffentlicht am 12.09.2017 um 15:11 Uhr
aktualisiert am 13.09.2017 um 08:40 Uhr

Christian Branahl

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Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

Sport und Politik liegen für Johannes Schraps dicht beieinander. Auf den Fachwerkbalken, die seinen Wohn- und Arbeitsbereich trennen, steht neben dem Porträt vom sozialdemokratischen Hoffnungsträger Martin Schulz mit der Aufschrift „Jetzt Kanzler“ seine Trophäe als TSV-Torschützenkönig 2006, im Eingangsbereich stolpern die Besucher fast über die Fahrräder, während sie auf den Slogan „In diesem Haus wird SPD gewählt“ blicken. Schraps setzt zum Endspurt im Wahlkampf an, hofft, nach dem 24. September die Nachfolge von Gabriele Lösekrug-Möller antreten zu können. Der Sport kommt für den 34-Jährigen momentan zu kurz. „Wenn ich den Hut in den Ring werfe, dann zu hundert Prozent“, beschreibt er seinen Ehrgeiz, nichts dem Zufall zu überlassen. Einige würden überrascht seinen vollen Terminkalender sehen. Rund 200 Ortstafeln hat der Kandidat bei seinen Besuchen im Wahlkreis mit den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden sowie den Northeimer Bereichen Uslar und Bodenfelde fotografiert.

Im August hat ihm jemand eine Kiste als „Überlebenspaket“ für den Wahlkampf geschenkt: Ein Karton mit Keksen, Smiley und Hufeisen, aber auch Desinfektionsspray, weil er so viele Hände schütteln muss. „Der stand zu meinem Geburtstag vor der Tür“, erzählt Schraps mit einem Lächeln, das auf Porträts von Tausenden Plakaten und auf seinem Wahlkampf-Auto zu sehen ist. „Manchmal gucken andere Fahrer, ob ich auch wirklich am Steuer sitze.“

Schraps auf dem Weg in den Bundestag: Neuland müsste der Groß Berkeler nicht betreten, da er seit Ende 2013 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Parlament tätig ist. Bis zur Freistellung im Juli war der studierte Politikwissenschaftler für den Bereich Europapolitik zuständig im Büro des stellvertretenden Vorsitzenden des Europaausschusses, dem Wolfsburger SPD-Abgeordneten Achim Barchmann. Deshalb würde er als Bundespolitiker gute Voraussetzungen mitbringen, weil er die Strukturen bereits kenne. „Aber ich habe nie auf ein politisches Mandat hingearbeitet“, hebt Schraps hervor. Doch: Der Reiz muss offenbar groß genug sein – und als er für die Kandidatur ins Gespräch kam, startete der Politiker voll durch. Noch lange bevor er zu Jahresbeginn offiziell zum Kandidaten gekürt wurde, hatte der 34-Jährige seinen Hauptwohnsitz schon im April zuvor nach Groß Berkel verlegt, um gleichzeitig die gemeinsame Wohnung mit der Freundin in Berlin zu behalten.

Rückkehr in den Ort der Kindheit und Jugend – für Politiker hört es sich gut an, dann von den Wurzeln zu sprechen. Und dennoch macht der frühere Schüler des Vikilu in Hameln diese Verbundenheit nachvollziehbar, ohne dass es nach Floskel klingt. Mitten im Altdorf bezog der Sozialdemokrat, mit 16 Jahren der Partei beigetreten, das frühere Haus der Urgroßeltern. Klein, aber urgemütlich. Zwischendurch kommt beim Gespräch sein Vater Burkhard Schraps kurz vorbei, der in dem Haus geboren ist und über drei Jahrzehnte auf kommunaler Ebene die politischen Geschicke vor Ort mitbestimmte. Eine sozialdemokratische Familie, in der er großgeworden sei, erzählt der Kandidat, der mit zwei jüngeren Brüdern im Elternhaus an der Humme aufgewachsen ist.

Politisch interessiert von jungen Jahren an, spielte der passionierte Sportler nicht nur Fußball, sondern vor allem Handball, sogar in der dritten Liga beim VfL Hameln. Während des Studiums in Bielefeld gebietet ihm ein engbemessener Terminplan, Training und Spiele zu absolvieren, dabei Zeit in der Heimatregion zu verbringen. Und nun der knapp getaktete Wahlkampf, bei dem der Europaexperte sich an einem Wochenende gleich zweimal zu einem Dorfjubiläum im fernen Uslarer Ortsteil Volpriehausen aufmachte. Sehen und gesehen werden – „als Sportler dachte ich, das besser wegstecken zu können“, sagt der Kandidat zum Wahlkampfmarathon. „Aber ich weiß, worauf ich mich eingelassen habe.“ Schraps erzählt begeistert von den Begegnungen, hat die Namen von bislang fremden Gesprächspartnern und ihre Sorgen parat.

Dabei war sein Weg in die Politik nicht vorgezeichnet. Sein Schülerpraktikum absolvierte er 2001 in zwei Teilen nicht nur beim SPD-Abgeordneten Klaus Nolting im Landtag, sondern auch im Kindergarten Groß Berkel. „Ich konnte mir ganz viel vorstellen“, sagt er über frühe Berufswünsche, die von der Faszination für die Natur bis zum Sport reichten. Nun ist er in der Politik gelandet – mit dem Ziel, als Abgeordneter in den Bundestag einzuziehen. Schraps: „Das sehe ich aber nicht als Beruf, sondern als gesellschaftliches Engagement.“



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