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Bundestagskandidatin referiert über Altersarmut und Lösungsvorschläge

Krellmann will die Rente retten

HAMELN. „Das Kind ist noch nicht in den Brunnen gefallen, es ist noch möglich, etwas zu ändern“, sagt Jutta Krellmann. Die Frustration und der Ärger vieler Zuhörer über das niedrige Rentenniveau waren bei der Wahlkampfveranstaltung der Linken-Abgeordneten Jutta Krellmann fast mit den Händen zu greifen. Doch die Bundestagsabgeordnete und langjährige Gewerkschafterin strahlte so etwas wie einen vorsichtigen Optimismus aus – allerdings nur unter der Prämisse, dass die Linke ihr eigenes Rentenkonzept irgendwann politisch verwirklichen kann.

veröffentlicht am 19.09.2017 um 18:22 Uhr

Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Jutta Krellmann, referierte im Hotel Zur Börse über die Themen Rente und prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Foto: sp
Jens Spickermann

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Im Hotel Zur Börse referierte die Kandidatin am Montagabend vor etwa 40 Zuhörern über Rentenpolitik und prekäre Beschäftigungsverhältnisse und stellte das Konzept ihrer Partei vor: Niemand solle im Alter weniger als 1050 Euro zur Verfügung haben, wenn es nach der Linken gehe. Diese Mindestrente wolle man aus Steuermitteln finanzieren, erklärte Krellmann. Doch damit diese Grundsicherung für die meisten Rentner gar nicht notwendig wird, wolle die Partei zur Steigerung des Rentenniveaus eine Erwerbstätigenversicherung einführen, in die grundsätzlich alle Bürger mit Einkommen einzahlen sollen – auch Beamte und Selbstständige. Auch die Beitragsbemessungsgrenze wolle ihre Partei abschaffen, erklärte Krellmann – damit höhere Einkommen nicht mehr anteilig weniger einzahlen müssen als niedrige. Die Beiträge für die Rentenversicherung möchte die Linke zwar bis 2030 auf 14,5 Prozent erhöhen, dafür aber Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen belasten. Der Plan der Bundesregierung sehe hingegen das Drei-Säulen-Modell vor, nach dem die Arbeitnehmer durch Riester-Rente und Betriebsrente zusätzlich vorsorgen sollen, was allerdings nur die Arbeitnehmer zusätzlich belaste, erklärte Krellmann. Leute mit geringerem Einkommen würden durch Riesterrente kaum profitieren, lediglich die Arbeitgeber würden geschont, weil deren Anteil am Beitrag für die gesetzliche Rente so nicht erhöht werden müsse, so Krellmann.

Niemand solle nach 45 Beitragsjahren in der Grundsicherung landen, das sei das Ziel der Linken. „Aus unserer Sicht ist die Grundsicherung nichts anderes als Hartz IV für Rentner“, kritisierte die Bundestagsabgeordnete.

Obwohl die Funktionsweise des Rentensystems zäh zu vermitteln ist und die Präsentation mit Zahlen und Diagrammen garniert war, schienen die Zuhörer der Politikerin an den Lippen zu hängen. Zur Auflockerung trug ein Ausschnitt aus der Kabarett-Sendung „Die Anstalt“ bei, in dem die Rentenpolitik der Bundesregierung auf satirische Weise erklärt wird.

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In der anschließenden Diskussion brachte ein Zuhörer das Thema Flüchtlinge wieder lautstark auf den Tisch und malte ein Katastrophenszenario von Millionen Migranten, die in Afrika nur darauf warten würden, nach Europa überzusetzen und die Sozialsysteme zu gefährden. Krellmann reagierte besonnen und wies darauf hin, dass es auf alle Probleme eine Antwort gebe und Angstmacherei kontraproduktiv sei. Mit ihrer sachlichen Art schien sie bei den Zuhörern gut anzukommen.

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