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Bauernverband bittet Bundestagskandidaten zur Podiumsdiskussion nach Buchhagen

Einer gesteht Unwissen ein

BUCHHAGEN. Schon mit ihrer Eingangsfrage, wann die Bundestagskandidaten denn zum letzten Mal auf einem landwirtschaftlichen Betrieb waren, testete die Gäste unbarmherzig die Sachkompetenz des Podiums an.

veröffentlicht am 31.08.2017 um 18:10 Uhr
aktualisiert am 05.09.2017 um 14:39 Uhr

Ute Michel (Grüne). Foto: wfx
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite

„Land aufs Herz“ war die Podiumsdiskussion im Gasthaus Mittendorf überschrieben, zu der der Bauernverband Weserbergland zusammen mit der Jägerschaft Hameln und Holzminden, den Junglandwirten Weserbergland, den Kreislandfrauen beider Landkreise, der Landberatung und der Landjugend die Kandidatinnen und Kandidaten für den nächsten Bundestag aus dem Wahlkreis 46 eingeladen hatten. Auf dem Podium stellten sich Armin-Paul Hampel (AfD), Jutta Krellmann (Linke), Ute Michel (Grüne), Johannes Schraps (SPD), Michael Vietz (CDU) und Klaus-Peter Wennemann (FDP) den Fragen. Und die hatte Moderatorin Gisela Grimme, Leiterin der Elisabeth-Selbert-Schule, die unter anderem die Ausbildung des Landwirte-Nachwuchses in der Region leistet, pointiert zusammengestellt.

Schon mit ihrer Eingangsfrage, wann die Kandidaten denn zum letzten Mal auf einem landwirtschaftlichen Betrieb waren, testete sie unbarmherzig die Sachkompetenz des Podiums an. Und da war dann von Betriebsbesichtigungen bei Parteifreunden und Eier-Einkäufen in Hofläden ebenso die Rede wie von Besuchen auf Wochenmärkten, wo ja ebenfalls waschechte Bauern ihre Waren feilböten. Dass man sich nicht zu den agrarpolitischen Koryphäen zählte, gab ehrlicherweise nur Johannes Schraps (SPD) zu.

Sonst wurde fleißig aus den wahlpolitischen Programmen zur Lage der Landwirtschaft zitiert. Und war Meinung gefragt, so war man sich eben mehr oder weniger einig, dass Landwirte bessere Preise für ihre Produkte bekommen und gegen Agrarfabriken geschützt werden müssten: Man wolle da in der kommenden Wahlperiode nach entsprechenden Wegen suchen, so das gemeinsame Credo. Und da staunte man nicht schlecht, dass die Kandidaten in Sachen Landwirtschaft und Nahrungsmittel-Produktion argumentativ teilweise ganz eng beisammen lagen – von der Linken bis hin zur AfD: Weil Wahlkampf eben Stimmenfang und die Auswahl der Köder eben begrenzt ist?

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Johannes Schraps (SPD). Foto: wfx

So gab es beispielsweise von allen sechs Parteien ähnliche Lösungen für das Dörfersterben: Die Infrastruktur muss nur wieder aufpoliert werden. Mit Mobilfunknetz, Verkehrswege- und Breitbandausbau wird schon wieder mehr Arbeit in den ländlichen Regionen möglich werden. Und nach dem ökologischen Umbau der Betriebe müssten diese eben nur als Wirtschaftsbetriebe gesehen und behandelt werden – und schon klappt es wieder mit Niedersachsens zweitgrößter Branche nach der Autoindustrie.

Beim Reizthema „Verlust von Agrarflächen“ fokussierten sich die Statements auf den Vorschlag, dem Landverbrauch für Wohn- und Verkehrszwecke Grenzen zu setzen (Hampel, Michel und Krellmann). Beim Thema privilegiertes Bauen wurde die Abkehr von Massentierhaltung (Schraps) sowie eine Flexibilisierung und Entbürokratisierung des Baurechts (Vietz, Hampel) ebenso vorgeschlagen wie eine Abkehr von „ideologischem Gezerre bei Betriebserweiterungen (Wennemann).

Wie man sich auf dem Podium beim Thema „Landwirtschaft und Naturschutz“ wieder im Grundsatz einig zeigte: Hier solle das Einprügeln auf Landwirte ein Ende haben (Michel), bäuerliche Arbeit müsse wieder Anerkennung erfahren (Hampel). Und den harten EU-Regelungen dürften nicht auch noch verschärfte deutsche Sonderregelungen aufgepfropft werden (Wennemann).

Und um vielleicht nach allem vorgetragenen landwirtschaftsfreundlichen Grundkonsens der Diskussion doch noch etwas Würze zu verleihen, warf Moderatorin Gisela Grimme zum Schluss auch noch mal schnell die Wolfsfrage auf. Und richtig: Hier sprachen sich Hampel, Wennemann und Vietz für eine Bejagung aus, während Michel, Krellmann und Schraps für eine Tolerierung des zurückgekehrten Beutegreifers mit entsprechenden Ausgleichszahlungen für geschädigte Tierhalter plädierten.

Hameln-Pyrmonts und die Kreis-Holzmindener Landwirte – rund 120 waren nach Buchhagen gekommen – vernahmen die Botschaften wohl. Bleibt zu hoffen, dass sie auch nach der Veranstaltung noch die einleitenden Worte ihres Bauernverbandsvorsitzenden Hermann Grupe im Hinterkopf haben: Nämlich doch unbedingt zur Wahl zu gehen …



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