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Ansturm der Briefwähler in Hameln

Bundestagswahl: Jeder Fünfte hat längst abgestimmt

HAMELN. Am kommenden Sonntag ist Bundestagswahl? Ja, aber schon in den vergangenen vier Wochen haben 8400 Hamelner ihre beiden Kreuze gesetzt.

veröffentlicht am 19.09.2017 um 17:00 Uhr
aktualisiert am 19.09.2017 um 18:20 Uhr

Marc Fisser

Autor

Reporter zur Autorenseite

Die Briefwahl erfreut sich einer seit Jahren wachsenden Beliebtheit. War sie ursprünglich als Notlösung für Bettlägerige und Verreiste gedacht, nutzen heutzutage viele Bürger auch aus Bequemlichkeit diese Form der Stimmabgabe. Der Weg ins Wahllokal, das Anstehen vor der Kabine entfällt, gleichzeitig bleibt das Wochenende für Unternehmungen frei verfügbar. Aber natürlich werden auch immer mehr Menschen immer älter, sind in ihrer Mobilität eingeschränkt und damit klassische Briefwähler.

Die Zahl von 7000 Briefwählern in Hameln bei der Bundestagswahl 2013 ist nun schon vor dem eigentlichen Wahltag weit übertroffen. Bei diesmal 43 300 Wahlberechtigten hat also bereits jeder Fünfte seine Stimme abgegeben; am Ende werden wahrscheinlich sogar drei oder vier von zehn Wählern zu Hause oder in der Cafeteria des Rathauses, der Briefwahlstelle, abgestimmt haben. Früher hatte ein Schalter im Bürgeramt ausgereicht. Jetzt werden täglich Massen von Wahlbriefen ins Kreishaus weiterbefördert; noch mehr werden von den Wahlberechtigten per Post direkt dorthin geschickt. 178 Mitarbeiter der Kreisverwaltung sollen die roten Briefe am Sonntag ab 16 Uhr öffnen, die Wahlberechtigungen überprüfen und dann die blauen Umschläge mit den Stimmzetteln verschlossen in die den Kommunen zugeordneten Urnen werfen. Angesichts des Briefwahltrends hat die Kreiswahlleitung diesmal 28 Briefwahlvorstände berufen, einer mehr als vor vier Jahren.

Die Verantwortlichen in den Kommunen und Politikwissenschaftler bewerten den Zulauf zum Briefwählen als nicht unproblematisch. Die Verlagerung der Stimmabgabe bedeutet, dass im Hamelner Rathaus über einen längeren Zeitraum fünf Mitarbeiter allein mit der Bewältigung dieser Aufgabe alle Hände voll zu tun haben; in den Wahllokalen sinkt hingegen der Zustrom, ohne dass dadurch am Personal gespart werden könnte. 40 000 Euro an Kosten für die Bundestagswahl werden der Kommune durch die Landeswahlleitung erstattet, 9000 Euro Erfrischungsgeld für die Wahlhelfer am Sonntag steuert die Stadt selbst bei. Die Stimmabgabe am Küchentisch kann zwar einerseits in aller Ruhe erfolgen. Andererseits sind der Wahlkampf der Parteien und die Informationen durch die Medien auf dem Wahlsonntag zugeschnitten. So kann der frühe Briefwähler also nicht mehr auf aktuelle Nachrichten und Argumente reagieren, auch eine taktische Stimmabgabe auf Basis der letzten Umfragen ist dann ausgeschlossen. Die Briefwahlstimmen spiegeln sich nicht im Ergebnis des eigentlichen Wohnbezirks wider, sodass bei der Betrachtung und Auswertung Unschärfen entstehen.

Interessant ist, dass eine Woche vor der Wahl angeblich noch 40 Prozent der Befragten nicht wussten, welche Partei sie diesmal wählen werden – gleichzeitig gibt es aber, nicht nur in Hameln, mehr Bürger denn je, für die die Wahl persönlich längst gelaufen ist.

Das Briefwahlbüro in der Cafeteria des Rathauses ist noch bis Freitag, 22. September, geöffnet – Mittwoch und Freitag von 8 bis 13 Uhr, am Donnerstag von 8 bis 17.30 Uhr.



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