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Anlaufstelle ohne Mandat

Bundestagskandidaten im Porträt – heute: Klaus-Peter Wennemann (FDP)

WESERBERGLAND. Am 24. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Wir haben heimische Kandidaten in ihrem privaten Umfeld besucht und stellen sie vor. Heute: Klaus-Peter Wennemann, Direktkandidat der FDP.

veröffentlicht am 13.09.2017 um 16:16 Uhr
aktualisiert am 14.09.2017 um 08:45 Uhr

Klaus-Peter Wennemann fühlt sich in seiner Küche wohl. Dort steht auch eine Sammlung unterschiedlichster Pfeffermühlen. Foto: ll
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite

Die Küche glänzt. Klaus-Peter Wennemann kocht einen Kaffee, indem er auf die Taste des Vollautomaten drückt. Die Schränke in Wennemanns Küche und auch die Arbeitsplatte sind zeitlos, aber elegant in Weiß gehalten. Der große Raum wirkt hell und freundlich. In einer Nische stehen ein großer Tisch und gemütliche Stühle aus massivem Holz. Es ist ein Ort, an dem sich der FDP-Kandidat gern aufhält – und häufig aktiv ist. Für Freunde zu kochen, das bereitet Wennemann große Freude, sagt er.

Auf der Arbeitsplatte spiegelt sich das Tageslicht. Krümel vom Frühstück sind nicht zu sehen, auch keine Pfefferkörner aus den etwa 50 Pfeffermühlen, die auf einem Schrank aufgereiht sind. „Eine Sammelleidenschaft“, meint Wennemann. Beim Gast entsteht der Eindruck, er habe für den Besuch die Küche absichtlich auf Hochglanz poliert. „Glauben Sie das bloß nicht“, sagt er. Auf die nötige Ordnung in der Küche achte schon seine Frau. Viel mehr als er selbst. Wenn Wennemann kocht, könne es durchaus chaotischer aussehen.

Die indische Küche hat es dem Hamelner angetan. Gerichte mit Gewürzen wie Koriander, Kurkuma oder Kardamom bereitet Klaus-Peter Wennemann zurzeit am liebsten zu. Er zieht eine der großen Schubladen auf. Darin befinden sich Tüten mit Gewürzen, die er von verschiedenen Reisen mitgebracht hat. Auch viele der Pfeffermühlen auf dem Schrank seien Mitbringsel aus dem Ausland.

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Wenn Wennemann aus seiner Küche auf den kleinen Balkon tritt, blickt auf die rote Backsteinfassade der Hermannschule – und auf die Hamel, die direkt unter dem Balkon fließt. Sein Zuhause bezeichnet er als „grüne Oase“ – unter anderem wegen des dicht bewachsenen Flussufers und der Ruhe, die er draußen auf seinem Balkon genießen kann. Allzu lange wohnen er und seine Ehefrau noch nicht in der Eigentumswohnung in der Bennigsenstraße, seit etwa fünf Jahren.

„Ein Haus mit Geschichte“, wie Wennemann über das Wohngebäude sagt. Einst Kommandantur der britischen Besatzungsmacht, später Bürogebäude des ersten Hameln-Pyrmonter Landrats, zuletzt Außenstelle der Kreisverwaltung. Das Jugendamt hatte hier seinen Sitz, bevor das Haus verkauft und zur Wohnnutzung umgebaut und modernisiert wurde. „Seit ich in der Stadt wohne, kommen viel mehr Menschen auf mich zu“, sagt er. „Die Leute wissen, dass ich eine Anlaufstelle bin.“ Wennemann versteht sich als Politiker, auch ohne ein aktuelles politisches Mandat.

Nach Tätigkeit für die Deutsche Bank – mit Stationen in London, Tokio und New York – hat es Wennemann Ende der 80er Jahre zurück ins Weserbergland verschlagen. „Ich bin immer mit Leib und Seele Banker gewesen“, sagt der Diplom-Ökonom.

Als er von der Deutschen Bank zum Hamelner BHW wechselte, zog er auch wieder in sein Elternhaus nach Klein Berkel. Dort ist Wennemann aufgewachsen, er ging in Hameln und Bad Pyrmont zur Schule, machte das Abitur. Heute arbeitet der FDP-Kandidat als selbstständiger Unternehmensberater.

Wennemann ist im Frühjahr 60 Jahre alt geworden. Nächsten Monat wird er zum zweiten Mal Großvater. Seine Tochter erwartet das zweite Kind. Beim ersten Enkel ist dem Bundestagskandidaten die Selbstständigkeit zugutegekommen. Wennemann sagt, er habe sich zwei Monate lang eine Auszeit nehmen können, um das Enkelkind zu betreuen, während die Eltern berufstätig waren. „Zwischenzeitlich gab es ja keinen Kindergartenplatz.“

Die Chance auf den Einzug in den Bundestag ist für Wennemann nicht nur gering – sie ist gar nicht vorhanden. Dass die FDP das Direktmandat im hiesigen Wahlkreis erhält, ist nahezu ausgeschlossen. Und bei der Besetzung der Listenplätze durch die FDP hat Wennemann anderen den Vortritt überlassen müssen. Aus Sicht eines Praktikers, der mit dem Slogan „Kompetenz und Erfahrung“ für sich wirbt, ist das unverständlich.

Und trotzdem tourt Wennemann fast täglich durch den Wahlkreis, einschließlich der Gebiete in Südniedersachsen.

Wennemann sagt es nicht laut. Aber es ist ihm anzumerken, dass es ihn reizen würde, die grüne Oase in der Bennigsenstraße doch noch einmal gegen den Metropolcharme der Hauptstadt einzutauschen – zumindest vorübergehend.

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