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„Ich streite für bessere Zeiten“

Bundestagskandidaten im Porträt – heute: Jutta Krellmann (Die Linke)

WESERBERGLAND.Am 24. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Wir haben heimische Kandidaten in ihrem privaten Umfeld besucht und stellen sie vor. Heute: Jutta Krellmann, Die Linke.

veröffentlicht am 11.09.2017 um 09:00 Uhr

Jutta Krellmann auf der Terrasse in ihrem Garten. Dort gedeihen allein 28 Tomatenpflanzen. Foto: Wal
Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite

Auf ihrer Türklingel steht nicht Krellmann – dort ist „Atomwaffenfreie Zone“ zu lesen. Wer die Bundestagsabgeordnete Jutta Krellmann in ihrem Haus im beschaulichen Brünnighausen besucht, weiß trotzdem – oder gerade deswegen – dass er richtig ist. Neben dem eher ungewöhnlichen Klingelschild lassen auch eine Lenin-Büste im Arbeitszimmer und eine knallrote Karl-Marx Figur im Garten darauf schließen, dass man sich im Haus einer „Linken“ befindet. Es sind wenige klischeebehaftete Details, die ins Auge fallen. Im Gesamteindruck siegt die Gemütlichkeit. Die Küche mit Gaskochfeld ist offen, der Blick fällt durch viele Fenster in den liebevoll gepflegten Garten. Kochen und Gärtnern sind ihre Hobbys. Zahlreiche dicke Romane im Arbeitszimmer verraten schnell, dass auch Lesen dazugehört. Außerdem spiele sie Klavier, bastele, schwimme und reise gern. Ihr letztes Ziel? Ein Besuch in ihrer alten Heimat Rheinland-Pfalz inklusive Familienbesuch.

Bereits zwei Wahlperioden hat Krellmann als Bundestagsabgeordnete hinter sich. In Berlin hat sie sich mittlerweile eingerichtet. Sie wohne in einer kleinen Wohnung in Berlin Mitte, einem Stadtteil, an dem sie Gefallen gefunden habe. Anders sah das am Anfang ihrer Zeit als Abgeordnete aus. Als sie 2009 frisch in den Bundestag einzog, übernachtete sie die erste Zeit im Hotel. Etwa ein halbes bis dreiviertel Jahr sei das so gegangen. „Ich wollte mich zunächst darauf konzentrieren, was da politisch passiert“, erklärt es Krellmann. Aus dieser Phase ist sie raus. Ihr Lebensmittelpunkt liege aber nach wie vor nicht in Berlin, sondern in Brünnighausen. Am Wochenende pendele sie Heim. „Dann kann ich wieder in mein Dorf“, sagt Krellmann lächelnd. In Brünnighausen trifft sie Freude, kocht gemeinsam mit ihnen, kauft vorher in Hameln auf dem Wochenmarkt ein. Manche Zutaten gibt’s aber auch aus dem eigenen Garten. Auf Krellmanns Terrasse gedeihen neben Kräutern und allerlei anderen Gewächsen allein 28 Tomatenpflanzen. „Was übrig bleibt, kommt in Gläser für den Winter. Für Gulasch oder Spaghetti.“

Vor 25 Jahren hat die heute 61-Jährige gemeinsam mit ihrem damaligen Lebensgefährten in Brünnighausen gebaut. Erst vor drei Jahren haben die beiden geheiratet, nachdem sie zuvor 30 Jahre ohne Trauschein zusammengelebt haben. „Vorher hatten wir keinen Grund, zu heiraten“, begründet Krellmann diese Entscheidung. Doch dann seien sie an den Punkt gekommen, wo sie glaubten „jetzt, wo wir älter werden, müssen wir Sachen regeln. Wenn das nicht so wäre, hätten wir bis heute noch nicht geheiratet.“ Lachend schiebt sie hinterher: „Allein wegen der Party hat es sich gelohnt.“

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Vor ihrer Zeit bei der Linken war Krellmann in der SPD. Von den Sozialdemokraten sei sie aber „bitter enttäuscht“. Der Grund: Die Hartz-Gesetze und was diese in der Konsequenz für die Menschen bedeutet hätten.

Neben ihrem Job als Bundestagsabgeordnete arbeitet Krellmann noch als Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall in Hameln. Dort habe sie auch ein kleines Büro. Ihre zehn Stunden wöchentliche Arbeitszeit leiste sie flexibel auf das Jahr verteilt ab. Krellmann wertet die Arbeit bei der IG Metall für sich nicht als Beeinträchtigung, sondern eher als Gewinn. „So verliere ich nicht die Bodenhaftung.“ IG Metall heiße auch der Plan, falls es die Gewerkschafssekretärin in diesem Jahr nicht erneut in den Bundestag schaffen sollte.

Krellmanns Sitz war in beiden Fällen ein Listenplatz und auch in dieser Wahlperiode setzt Abgeordnete der Linken auf die Liste. Warum nicht auf ein Direktmandat? Krellmann schüttelt den Kopf. Für eine Linke im Westen unwahrscheinlich. Zur Bundestagswahl 2017 steht die Abgeordnete aus dem heimischen Wahlkreis auf Platz drei der Landesliste. Platz eins besetzt die Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende Pia Zimmermann (Wolfsburg), Platz zwei gehört im alternierenden System der Linken einem Mann – dem Bundestagsabgeordneten Dr. Diether Dehm (Sehnde-Wehmingen).

Als Krellmann vor acht Jahren das erste Mal in den Bundestag einzog, war sie bereits über 50 Jahre alt. Ein gutes Alter, wie sie findet, weil man sich von dieser „anderen Welt“ in Berlin nicht mehr beindrucken lasse. Was war ihr Grund, damals anzutreten? „Ich war der Meinung, mit über 50 kann man noch etwas anderes machen, bessere Bedingungen schaffen.“ Nur lasse man sie in der Opposition nicht. Das ärgere sie zwar sehr, aber „ich ärgere mich auch noch vier Jahre weiter“, betont Krellmann. Schließlich streite sie für bessere Zeiten. Und das mit Leidenschaft.

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