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Erste Podiumsdiskussion bei Radioaktiv

Auftakt zum Bundestagswahlkampf: „Parité im Portemonnaie“

HAMELN. Die Bundestagswahl im September wirft bereits ihre Schatten voraus: Auf Einladung des Arbeitskreises der Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Hameln-Pyrmont diskutierten am Donnerstagabend sechs Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis in den Räumen von Radioaktiv auf der ersten Podiumsdiskussion des langsam anlaufenden Wahlkampfs über das Thema „Parité im Portemonnaie“. Den Fragenkatalog hatte der Arbeitskreis erarbeitet.

veröffentlicht am 09.06.2017 um 17:14 Uhr
aktualisiert am 05.09.2017 um 14:43 Uhr

Sechs der Bundestagskandidaten des Wahlkreises wurden am Donnerstagabend zu sozialpolitischen Themen befragt. (V.l.) Klaus-Peter Wennemann (FDP), Ute Michel (Grüne), Michael Vietz (CDU), die Moderatorin Silke Gardlo, Jutta Krellmann (Linke), Johannes
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Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter

Größte Einigkeit in den im Wesentlichen sozial- und arbeitsmarktpolitischen Fragen gab es dabei zwischen Johannes Schraps (SPD) und Jutta Krellmann (Die Linke). „Wenn sie in außenpolitischen Fragen nicht so absurde Positionen vertreten würden, könnten wir glatt über eine Koalition nachdenken“, attestierte Schraps der Bundestagsabgeordneten. Auch Michael Vietz (CDU) und Klaus-Peter Wennemann (FDP) schienen in etlichen Positionen nicht sehr weit voneinander entfernt zu sein. Die frühere schwarz-gelbe Koalition blitzte da durchaus auf.

Es ging um die Quotenregelung in Aufsichtsräten und Frauenförderung, das Ehegattensplitting, von Vietz und Wennemann vehement verteidigt, von allen anderen, auch der Grünen Ute Michel und dem parteilosen für die Piraten kandidierenden Hermann Gebauer, ebenso vehement als „antiquiert“ abgelehnt. Drittes Thema war die „Feminisierung“ der Minijobs, die das Risiko der Altersarmut vergrößere. Alles Themen, die in ihrer Komplexität für eine Podiumsdiskussion von weniger als 90 Minuten Dauer kaum erschöpfend zu behandeln waren, zumal jeder der sechs Kandidaten zu jedem Thema einzeln befragt wurde und sich aufgrund der knapp bemessenen Zeit kaum so etwas wie eine Diskussion in der Runde entwickeln konnte.

Während Schraps und Krellmann, aber auch Michel und Gebauer vor allem die Benachteiligung der Frauen im Niedriglohnsektor beklagten, warnte Vietz vor höheren Mindestlöhnen und einem von der linken Seite geforderten Rückkehrrecht von Teilzeitbeschäftigten auf Vollzeitstellen. Das sei wirtschaftlich schwer zu bewältigen. Wennemann meinte, Niedriglohn sei besser als Arbeitslosigkeit. Ute Michel forderte, Minijobs in sozialversicherungspflichtige Stellen umzuwandeln und für einkommensschwache Familien ein „Kindergeld plus“ einzuführen.

Der Niedrigststundensektor sei eine Falle. Gebauers zentrale Forderung gegen die Diskriminierung von Frauen: ein „Bedingungsloses Grundeinkommen“ von mindestens 1100 Euro und für Kinder „mindestens die Hälfte“. Zum Thema Frauenquote sprach Ute Michel von den „guten Erfahrungen“ die ihre Partei damit gemacht habe. Und Gebauer betonte: „So lange Frauen diskriminiert werden, muss eine Quote gelten.“

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