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Podiumsdiskussion: Was den Dörfern für die Zukunft helfen würde

Arbeitsplätze und mehr Geld

BÄNTORF. Dass sich die Bundestagskandidaten zu einer Podiumsdiskussion in einem der kleinsten Dörfer des Landkreises versammeln, gehört sicherlich zu den Ausnahmen in einem Bundestagswahlkampf. Aber am Dienstagabend folgten sie, bis auf den Kandidaten der AfD, der Einladung des Vereins „Bürger für Bäntorf“, um während der von Kartsten Holexa locker moderierten „Bäntorfer Sommergespräche“ über die Zukunft der Dörfer zu diskutieren.

veröffentlicht am 23.08.2017 um 17:14 Uhr
aktualisiert am 05.09.2017 um 14:41 Uhr

Moderiert von Karsten Holexa (l.) vom Verein „Bürger für Bäntorf“ diskutierten im Dorfgemeinschaftshaus des Ortes (v.l.) Klaus-Peter Wennemann (FDP), Johannes Schraps (SPD), Michael Vietz (CDU), Ute Michel (Grüne), Jutta Krellmann (Linke) und der für
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Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter

Was sich als Fazit aus der Debatte ziehen lässt: „Ohne Geld in die Hand zu nehmen, wird die Lage der Dörfer sich nicht verbessern.“ So zumindest brachte es Jutta Krellmann, seit zwei Legislaturperioden Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, auf den Punkt. Dass sich mit reichlicher fließenden Finanzmitteln zwar die Infrastruktur auf dem Land, genauer gesagt von Straßen und Internet, verbessern ließe, war aber nur die eine Seite der Medaille. Klar ist den Diskutanten auch, dass junge Familien und qualifizierte Arbeitnehmer dem dörflichen Leben nur dann einen neuen Schub verleihen können, wenn auch die entsprechenden Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. „Arbeit ist ein zentraler Ansatz für die Zukunft“, betonte Krellmann.

Nicht nur daran mangele es, machte Ute Michel (Grüne) deutlich. Bei Symrise gehe es inzwischen beispielsweise auch darum, dass Hortplätze für die Kinder der dort Beschäftigten fehlten. Es sei ein „massiver Standortnachteil“, wenn derartige Einrichtungen fehlten.

Nach Ansicht von Michael Vietz (CDU) besteht durchaus Hoffnung, dass junge Familien auch wieder aus den Städten wegziehen. Was man ihnen bieten müsse: günstige Bauplätze, Förderung durch Baukindergeld, Kita, Schule und Ausbildungsplätze, Gesundheitsversorgung und eine gute Infrastruktur bis hin zum schnellen Internet. Dass dies nicht ohne politische Steuerung gehen werde, betonte der Liberale Klaus-Peter Wennemann. Es dürfe nicht sein, dass die Existenz von Gasthäusern, Vereinen oder Anlaufpunkten für Jugendliche vor allem von Einzelpersonen abhängig seien. Was Wennemann besonders herausstellte: „Dörfer mit einer Selbstverwaltung wie dem Orts- oder Gemeinderat sind wesentlich stabiler als die, die diese Gremien mit der Gebietsreform verloren haben.“

Der parteilose, für die Piratenpartei kandidierende, Hermann Gebauer beklagte, dass seine Heimat im Vergleich zu früher immer weiter herunter gekommen sei und forderte, das Wesertal zu einer Wissens- und Forschungsregion zu machen und in Hameln endlich eine Universität mit einer modellhaften Dualausbildung zu errichten, zu der junge Leute aus den südeuropäischen Staaten eingeladen werden sollten. „Das befruchtet dann auch die umliegenden Dörfer.“

Für Johannes Schraps (SPD) stand in der Diskussion die finanzielle Ausstattung der Kommunen im Vordergrund. Da müsse der Bund „in die Pflicht genommen werden“. Arbeitsplätze würden nur dann nicht abwandern, wenn die nötige Infrastruktur mit Straße und Internet vorgehalten werde. „Bei jedem Gespräch mit Unternehmen steht an erster Stelle die Digitalisierung.“ Und mit einer besseren Digitalisierung könnten viele Menschen auch zuhause arbeiten.

Ein klares Plädoyer gab es praktisch von allen Seiten für eine bessere Radwegeausstattung, für eine Mobilitätsförderung durch Bürgerbusse und einen guten öffentlichen Personennahverkehr bis hin zu einem gesicherten Schienenverkehr. All das sei für die Entwicklung des ländlichen Raumes von großer Bedeutung hieß es auf dem Podium.



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