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Das sagen die Spitzenkandidaten des Wahlkreises zum Ausgang der Bundestagswahl

Alles läuft auf Jamaika hinaus – oder doch nicht?

Der eine oder andere Bewerber im Wahlkreis hat sich ohnehin nur als Zählkandidat verstanden, sprach ganz offen davon, dass ihm die Erststimme im Grunde egal sei. Wichtig war für Linke, Grüne, AfD und FDP die Zweitstimme. Und was sagen die hiesigen Kandidaten nun zum Berliner Ergebnis?

veröffentlicht am 24.09.2017 um 23:07 Uhr

Matthias Aschmann

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Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

Für Johannes Schraps lässt das Bundesergebnis keine andere Option zu: „Wir gehen in die Opposition.“ Schraps, der im Wahlkreis das Direktmandat für die SPD gewonnen hat, nennt das Ergebnis für seine Partei deprimierend. Eine Neuauflage der Großen Koalition (GroKo) wäre den Mitgliedern nicht vermittelbar, auch inhaltlich würde sie wenig Sinn machen. „Wir haben alle unsere Ziele umgesetzt“, so der Sozialdemokrat.

Michael Vietz, der bei Redaktionsschluss noch zittern musste, ob er über die Liste der CDU wieder in den Bundestag einzieht, sieht das Minimalziel der Union erreicht – auf sehr niedrigem Niveau. Er könne allerdings verstehen, dass die SPD keine GroKo mehr wolle. Unabhängig davon wäre ihm die SPD als Oppositionsführer auch lieber als die AfD. Neuwahlen hält er für keine Option. Und Jamaika? Angesichts der nicht unerheblichen Unterschiede bei einigen Themen nennt er eine Einigung auf eine Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen eine überaus sportliche Herausforderung.

Jutta Krellmann, die aller Voraussicht nach über die Liste erneut in den Bundestag einziehen wird, freut sich zwar über das Ergebnis der Linken, zeigt sich aber frustriert darüber, dass auch „Parteien ohne Programm“ in den Bundestag gewählt worden seien. Sie geht davon aus, dass Jamaika zustande kommt: „Die werden das schon machen.“ Allerdings habe sie große inhaltliche Zweifel an Jamaika. So befürchtet sie, dass Arbeitnehmerrechte und soziale Belange nicht genügend berücksichtigt werden. „Im besten Fall“, so Krellmann, „gibt es einen Stillstand“. Wenn es schlecht laufe, jedoch eher einen Rückschritt.

Klaus-Peter Wennemann erinnert an die Situation der FDP vor zwei Jahren. Damals habe seine Partei bei 2,5 Prozent gelegen, jetzt habe man sogar ein zweistelliges Ergebnis eingefahren. Das sei eine grandiose Leistung, an der Parteichef Christian Lindner großen Anteil habe. Dennoch müsse man jetzt demütig bleiben. Die weitere Entwicklung in Berlin bezeichnet er als spannend. Jamaika sei eine Option, als großes Problem sieht er jedoch die CSU. Dennoch: angesichts der AfD sei der Kompromissdruck sehr hoch.

Ute Michel verweist auf die Parteitagsbeschlüsse der Grünen. Man werde mit allen sprechen, aber es gebe keinen Automatismus für Jamaika. Am Ende würden die Mitglieder entscheiden. Angesichts der großen Differenzen bei zahlreichen Themen wie beispielsweise Klimawandel, Agrarpolitik und Flüchtlingspolitik sei sie da eher skeptisch.

Hermann Gebauer, der als Parteiloser für die Piraten angetreten ist, ist enttäuscht über das Ergebnis. Er geht von einer Jamaika-Koalition aus und rechnet mit turbulenten Zeiten. Sein Wunsch wäre es, wenn sich außerparlamentarisch eine humanistische weltweite Alternative bilden würde.



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