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Landgericht Hannover befragt auch fünf ehemalige Mitschüler des angeklagten Ex-Humboldt-Gymnasiasten

Würgeattacke: Der Lehrer sagt aus

BAD PYRMONT / HANNOVER. Im Zentrum des Prozesses gegen den ehemaligen Pyrmonter Gymnasiasten Anton A. (Name geändert) wegen versuchten Totschlags stand am Montag die Aussage des mutmaßlichen Opfers. Die Anhörung des Lehrers (34), den A. im Herbst 2014 mit einem Schnürsenkel gewürgt haben soll.

veröffentlicht am 02.05.2016 um 17:14 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite

Im Prozess um den Würgeangriff auf einen Lehrer des Humboldt-Gymnasiums haben am Montag das mutmaßliche Opfer sowie mehrere ehemalige Mitschüler des Angeklagten als Zeugen am Landgericht Hannover ausgesagt.

Die Anklage gegen den heute 16 Jahre alten ehemaligen Bad Pyrmonter Gymnasiast Anton A. (Name geändert) wiegt schwer: Der Jugendliche muss sich vor der 2. Großen Jugendkammer des Landgerichts wegen versuchten Totschlags verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am Abend des 24. September 2014 seinen Mathelehrer im Treppenhaus der Goslarer Jugendherberge mit einem Schnürsenkel stranguliert zu haben.

Zuvor soll der Lehrer das Handy des Schülers einkassiert haben, weil der Jugendlichen angebliche Hygienemängel in der Unterkunft öffentlich machen wollte. Daraufhin soll A. dem damals 33 Jahre alten Pädagogen auf die Hand geschlagen und vor Zeugen angekündigt haben, ihn zu töten. Die Kammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Dr. Ralph Guise-Rübe muss nun werten, wie ernstzunehmend die laut Polizei ausgesprochene Drohung des Schülers gegen seinen Lehrer war.

Das Gericht muss nun klären, was genau im Treppenhaus der Goslarer Jugendherberge passierte. Und: welche Folgen die Strangulation für das Opfer hatte. Die Polizei berichtete seinerzeit von Würgemalen am Hals und einem Sehnenabriss. Den soll der Lehrer an einem Finger erlitten haben, als er sich zu befreien versuchte.

Am Montag habe der Lehrer der Kammer ausführlich seine Sicht der Dinge geschildert, sagte Gerichtssprecher Dr. Stephan Loheit. Die Befragung des Pädagogen soll mehr als vier Stunden gedauert haben. Wie in allen Jugendverfahren ist die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen.

Der Junge aus Bad Pyrmont schweigt bisher vor Gericht. Seine Verteidigungsstrategie hatte der Anwalt des 16-Jährigen schon nach dem Prozessauftakt am 12. April angedeutet. Da erklärte Vyacheslav Varavin gegenüber dieser Zeitung: „Die Verteidigung bezweifelt, dass sich der Vorwurf so bestätigen wird.“ Er sowie der zweite Verteidiger A.s dürften auf einem rechtsmedizinischen Gutachten zum Nachweis der Folgen des Angriffs bestehen.

Der Jugendliche sitzt seit Februar in der Jugendanstalt in Tündern in Untersuchungshaft. Als er die Anklage zugestellt bekommen hatte, war er laut Gericht nach Russland geflohen. Dort griff ihn die Polizei im Sommer 2015 auf. Seit seiner Festnahme soll der ehemalige Pyrmonter Gymnasiast fast etwa ein halbes Jahr in russischer Auslieferungshaft gesessen haben. „Die Haftbedingungen für Jugendliche sind noch schlimmer als bei Erwachsenen“, so Anwalt Varavin.

Am Montag dürfte neben der Attacke selbst auch die Vorgeschichte des Angriffs in den Fokus gerückt sein. So wurden neben dem attackierten Lehrer auch die Klassenlehrerin, fünf ehemalige Mitschüler von Anton A. sowie Vertreter der Goslarer Jugendherberge als Zeugen gehört. Die Schüler sollen nach Angaben des Gerichtssprechers die Attacke auf den Studienrat mitbekommen haben.

Die Schule will sich zu dem Fall derzeit nicht äußern. Das ist mit der Landesschulbehörde so abgesprochen.

Dass A. kein einfacher Schüler war, sagen allerdings Gleichaltrige, die ihn aus seiner Pyrmonter Zeit kennen. So soll er bereits in der Vergangenheit wiederholt ins Visier der Polizei gerückt sein. Von einer Verurteilung ist jedoch nichts bekannt – möglicherweise, weil A. seinerzeit noch nicht strafmündig war.

Auch von frühen Gewalterfahrungen des Jugendlichen in einem problematischen Elternhaus ist die Rede. Dem 16-Jährigen soll inzwischen ein gesetzlicher Betreuer zur Seite gestellt worden sein.

Nach dem gestrigen etwa achtstündigen Termin ist der dritte und bisher vorletzte Verhandlungstag für heute angesetzt.



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