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Großeinsatz in Hessisch Oldendorf

Wohnhaus evakuiert - 29-Jähriger hält Einsatzkräfte in Atem

HESSISCH OLDENDORF. Ein 29 Jahre alter Mann hat in der Nacht von Montag auf Dienstag stundenlang die Polizei, die Feuerwehr und den Rettungsdienst in Atem gehalten. „Weil es in einem Mehrfamilienhaus an der Feldstraße nach Benzin roch und die Einsatzleitung der Polizei eine Gefährdung der Hausbewohner nicht ausschließen konnte, ließ sie das Gebäude evakuieren“, sagte Oberkommissarin Stephanie Heineking-Kutschera. 17 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen.

veröffentlicht am 21.05.2019 um 13:51 Uhr
aktualisiert am 13.06.2019 um 15:47 Uhr

In Bereitschaft – ein Löschtrupp der Feuerwehr hat sich mit schwerem Atemschutz ausgerüstet, um sofort eingreifen zu können. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Begonnen hatte alles auf dem Parkplatz eines Baumarkts an der Welseder Straße. Der nach Angaben der Polizei türkische Staatsbürger, der auch kurdisch spricht, soll sich dort gegen 22.15 Uhr mit Benzin übergossen haben – offenbar wollte er sich vor den Augen seiner Freunde anzünden. Einem Kumpel gelang es, dem Mann das Feuerzeug wegzunehmen.

Die Bekannten des in Hessisch Oldendorf lebenden Mannes mutmaßen, der 29-Jährige sei verzweifelt, weil „sein Asylantrag abgelehnt wurde“. Ob das das Motiv ist, steht noch nicht abschließend fest. Nach Erkenntnissen der Polizei lief der Mann zu seiner Wohnung an der Feldstraße, ging hinein und zog die Tür hinter sich ins Schloss. Seine Freunde folgten ihm bis zur Wohnanschrift und informierten die Polizei. Das Gebäude wurde kurz darauf umstellt, die Feuerwehr angefordert und eine Evakuierung eingeleitet.

Freiwillige rüsteten sich mit schwerem Atemschutz aus, nahmen Explosionsmessungen vor. Kritische Werte wurden im Treppenhaus aber nicht festgestellt. Vorsorglich ließ Stadtbrandmeister Karsten Redeker einen Löschangriff mit Schaum und Wasser aufbauen. Schläuche wurden verlegt. Im Ernstfall hätte die Feuerwehr sekundenschnell reagieren können. Da die Lage unübersichtlich war, forderte die Polizei für einen möglichen Zugriff ein Spezial-Einsatzkommando aus Hannover an. Was die Beamten zu diesem Zeitpunkt nicht ahnten – der 29-Jährige war offenbar noch vor ihrem Eintreffen auf der Rückseite des Hauses vom Balkon in der ersten Etage geklettert und hatte unbemerkt das Weite gesucht.

Polizisten und Feuerwehrleute stehen vor dem evakuierten Mehrfamilienhaus an der Feldstraße, warten auf das Eintreffen des SEK. Eine Rettungstrage steht bereit. Foto: ube

Bevor die Elitepolizisten in die Wohnung gehen konnten, ließ die Einsatzleitung eine Handy-Ortung durchführen. Kurz darauf stand fest, dass sich das Telefon des offenbar Lebensmüden nicht in Hessisch Oldendorf, sondern in der Nähe von Fuhlen befand. Ein Freund des Mannes nahm mit dem 29-Jährigen telefonisch Kontakt auf. Er stehe auf einer Brücke und wolle sich in die Tiefe stürzen, teilte ihm der abgelehnte Asylbewerber mit.

Mitglieder der Verhandlungsgruppe – es handelt sich um Polizisten, die speziell in Gesprächsführung und Psychologie ausgebildet wurden – nahmen mithilfe des Freundes, der als Dolmetscher fungierte, Kontakt zu dem Mann auf der Weserbrücke auf. Es gelang den Beamten, den 29-Jährigen am frühen Dienstagmorgen um 1.45 Uhr zur Aufgabe zu bewegen. Ein Notarztteam versorgte den Mann. „Er war dermaßen stark unterkühlt, dass er die Nacht auf der Intensivstation eines Krankenhauses verbringen musste, sagte Oberkommissarin Heineking-Kutschera. Der Mann erhalte schon bald Hilfe von Psychiatern, hieß es. Unklar ist, ob sich der 29-Jährige tatsächlich das Leben nehmen wollte, oder ob es sich um den Hilferuf eines Verzweifelten gehandelt hat.



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