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Dubiose Firma setzt Ehepaar mit dreister Masche unter Druck

WhatsApp-Betrug beim Autokauf

HESSISCH OLDENDORF. Sicherlich gibt es auch seriöse Anbieter auf dem Gebrauchtwagenmarkt, aber er ist auch ein Tummelplatz für Betrüger. Wenig bekannt ist eine neue Masche, mit dem mutmaßliche Betrüger ein Ehepaar aus Hessisch Oldendorf übers Ohr hauen wollten. Ein geplatzter Fahrzeugverkauf bereitete den Hessisch Oldendorfern nicht nur Ärger, sondern auch einige schlaflose Nächte. Diese wollen sie anderen ersparen und wenden sich an die Dewezet, um darüber zu berichten.

veröffentlicht am 23.05.2019 um 16:25 Uhr
aktualisiert am 13.06.2019 um 15:33 Uhr

Beim Kaufen und Verkaufen von Gebrauchtwagen ist Vorsicht angebracht. Deshalb sollte auch stets ein schriftlicher Kaufvertrag geschlossen werden. Foto: dpa
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Als wenn es nicht schon ärgerlich genug ist, wenn der Wagen nach zehn Jahren Zuverlässigkeit mit einem Motorschaden seinen Dienst quittiert hat. Oben drauf gibt es richtig Stress mit dem vermeintlichen Käufer des kaputten Autos. „Da hat man Ärger, weil das Auto nicht läuft und dann noch so was“, klagt die Hessisch Oldendorferin. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Das Paar hatte im Internet nach einem Ersatzmotor für den Scirocco gesucht - unter anderem auf der Seite einer Berliner Firma.

Am nächsten Tag wunderten sich die Hessisch Oldendorfer über den Rückruf eines Fahrzeugankäufers aus dem Ruhrgebiet. „Er war sehr freundlich, wollte uns den Wagen abkaufen“, sagt die Frau. Sie vermutet, dass ihre Daten an Dritte weitergegeben wurden. Per E-Mails tauschte man sich über den Zustand des VW aus. „Dass das Auto nachlackiert, und der Motor ausgebaut war, wusste der Mann. Er meinte, dass der nur im Auto liegen aber nicht eingebaut sein muss“, so die Verkäuferin. Die Parteien einigten sich über den Verkauf, 4100 Euro war der Scirocco dem Käufer wert. Der Wagen sollte von einem Spediteur abgeholt werden.

Doch dann lief eine Kaufbestätigung per WhatsApp auf dem Handy auf – mit falschen Angaben. Der Motor startet, war darin zu lesen. Ebenfalls, dass das Auto nicht nachlackiert wurde. „Wir haben erneut angerufen und auf die Fehler hingewiesen. Da war der Mann noch nett. Das mache nichts, wenn sie den Wagen holen. Wir sollten mit ‚ok“ bestätigen, sagte er“, erklärt die Hessisch Oldendorferin. Das war den Verkäufern zu unsicher. Sie recherchierten im Internet über die Firma. „Es war kein Inhaber vermerkt, keine Gesellschaftsform. Aber viele Rezensionen, in denen vor einer Kaufbestätigung per WhatsApp gewarnt wurde“, so die Verkäuferin.

Ein Widerspruch führte zu nichts. Im Gegenteil: Innerhalb von 30 Sekunden sei eine Rückmeldung gekommen, dass der Käufer den Wagen so erhalten möchte, wie es in der Kaufbestätigung stehe, erzählt die Frau. Bei einem erneuten Anruf soll der Mann seine Freundlichkeit abgelegt und sogar geschrien haben. Den Spediteur hatten die Hessisch Oldendorfer noch vor dem geplanten Übergabetermin telefonisch über den geplatzten Verkauf informiert. Er konnte sich den Weg an die Weser sparen.

Nach wenigen Tagen schneite dem Ehepaar ein Schreiben eines Anwalts ins Haus. Der Autohändler pochte auf die Erfüllung des Vertrages. Bei Verweigerung der Übergabe forderte die Firma Schadenersatz für einen entgangenen Gewinn in Höhe von 1900 Euro ein, da diese angeblich bereits ein Käufer für das Fahrzeug gefunden hatte. Dieses Vorgehen mit Schadenersatzforderungen sei gang und gäbe, so die Autoverkäuferin. Sie habe von mehreren ähnlichen Fällen im Internet nachlesen können, meint die Frau. „Die Leute entwerfen eine Kaufbestätigung und bauen Fehler ein. Dann machen sie Stress beim Abholen, setzen die Verkäufer richtig unter Druck“, sagt die 40-Jährige.

Grundsätzlich sei es möglich, einen Kaufvertrag auch mündlich zu schließen, meint der Hamelner Rechtsanwalt Holger Grap. Bei übereinstimmenden Willenserklärung könne man den auch über Whats-App abschließen, so der Jurist. Aber solange sich die Willenserklärungen auf Abgabe des Vertrages nicht decken, kommt auch kein Kaufvertrag zustande, erklärt der Rechtsanwalt. Gerade im Kfz-Bereich habe man das Problem mit zugesicherten Eigenschaften, wo man höllisch aufpassen müsse.



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