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Luftfahrtbehörde sperrt Heliport in Bad Pyrmont – Rettungshubschrauber landet auf Hochebene

Warum Hubschrauber nicht mehr am Krankenhaus landen

veröffentlicht am 09.09.2016 um 17:07 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Die Feuerwehren Kleinenberg und Baarsen sind am Donnerstagabend gegen 21 Uhr alarmiert worden, um den Flugplatz Hameln-Pyrmont, der sich in der Nähe der Ortschaft Kleinenberg befindet, für eine bevorstehende Hubschrauberlandung auszuleuchten. Eine Frau, die offenbar in Lebensgefahr schwebte, musste so schnell und so schonend wie möglich zu einer Spezialklinik nach Hannover gebracht werden. Der ADAC-Pilot des in Greven bei Münster stationierten Intensivtransport-Hubschraubers Christoph Westfalen hatte das Bathidiskrankenhaus nicht angeflogen, obwohl es dort einen Hubschrauberlandeplatz gibt. Grund: Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Wolfenbüttel, die auch Landesluftfahrtbehörde ist, hat die Betriebsgenehmigung des Platzes nach dem Luftverkehrsgesetz (§ 6) mit Wirkung vom 31. Januar 2016 widerrufen. Das hat der zuständige Sachbearbeiter der Behörde, Ralf Schulze, am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt. Bereits im Juni 2014 hatte Schulze gesagt, der Landeplatz am Bathildiskrankenhaus entspreche nicht der allgemeinen Verwaltungsvorschrift und werde deshalb nur mit einer befristeten Ausnahmegenehmigung betrieben. Die könne jedoch nicht unbegrenzt verlängert werden.

Im Kern geht es um den richtigen An- und Abflugwinkel. „Es sind zwei Sektoren vorgeschrieben. Diese müssen mindestens 150 Grad auseinanderliegen, weil Hubschrauber-Piloten gegen den Wind starten und landen“, erklärt Schulze. Das sei jedoch in Bad Pyrmont nicht gewährleistet. Die Sektoren differierten nur um 100 Grad, hieß es.

Im Bathildiskrankenhaus ist das Problem seit Jahren bekannt. Im Juni 2014 sagte Klinik-Sprecherin Alexandra Hary, die offizielle Betriebsgenehmigung des Landeplatzes laufe Ende 2015 aus. Dann müsse der Betrieb auf dem 1985 gebauten Landeplatz eingestellt werden. „Der Platz ist allerdings wichtig für das Krankenhaus. Patienten mit Schlaganfall-Blutungen würden von anderen Krankenhäusern zur Neurochirurgie nach Bad Pyrmont geflogen, andere Kranke und Verletzte nach einer lebensrettenden Erstversorgung zur weiteren therapeutischen Versorgung verlegt“, erklärte Hary. Seinerzeit schätzte die Klinik die Kosten für den Bau eines neuen Hubschrauberlandeplatzes auf etwa zwei Millionen Euro.

Der nach Paragraph 6 des Luftverkehrsgesetzes gesperrte Platz am Bathildiskrankenhaus dürfte nach Paragraph 25 desselben Gesetzes im Notfall allerdings angeflogen werden. Dann nämlich, wenn „die Landung aus Gründen der Sicherheit oder zur Hilfeleistung bei einer Gefahr für Leib oder Leben einer Person erforderlich ist“. Das sieht Justus Thiede, kaufmännischer Direktor des Krankenhauses, offenbar auch so. Seit dem 1. Februar sei es den Piloten überlassen, ob sie den Landeplatz nach eigenem Ermessen anfliegen, teilte er auf Anfrage mit. Thiede gibt die Verantwortung an andere Behörden ab und gibt sich unwissend: „Weshalb die für das Rettungs- bzw. Luftrettungswesen zuständigen Planungsbehörden hier parallel keinen Neubau nebst Förderung initiiert haben, ist uns nicht bekannt.“

Man befinde sich im Gespräch mit den zuständigen Behörden, könne aber noch keine definitive Aussage zu den Baukosten treffen, sagt der Direktor. Zwei Millionen Euro dürften aber noch immer eine realistische Planungsgrundlage sein. „Unter der Voraussetzung einer vollumfänglichen Förderung würden wir diese Investition tätigen.“



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