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Verdächtiger von Schule suspendiert / Video sorgt im Netz für Empörung

Verstörende Bilder: Berufsschüler bei Attacke schwer verletzt

HAMELN. Es sind verstörende Bilder, die sprachlos machen: Vor der Eugen-Reintjes-Schule in Hameln hat ein 17-jähriger Schüler einen gleichaltrigen Mitschüler brutal verprügelt. Die Szene wird von mehreren Umstehenden gefilmt. Das Video kursiert nun im Internet. Für den Schläger gab es schon Konsequenzen. Polizei und Schule hoffen nun, diejenigen, die gefilmt statt geholfen haben, identifizieren zu können, um sie zur Verantwortung zu ziehen.

veröffentlicht am 20.09.2018 um 13:54 Uhr
aktualisiert am 21.09.2018 um 16:32 Uhr

Diese Bilder aus den im Internet kursierenden Handyvideos wurden gestern von der Polizei veröffentlicht. Facebook hat die meisten Filme inzwischen gelöscht. Foto: Polizei
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Es sind verstörende Bilder, die sprachlos machen. Eine Gruppe junger Leute steht an einer Bushaltestelle vor der Eugen-Reintjes-Schule. Zwei Jugendliche unterhalten sich. Ohne Vorwarnung greift ein Schüler, der in der Nähe steht ein. Mit Fäusten schlägt er auf einen Mitschüler ein. Jemand feuert ihn an: „Genau. Fick ihn einfach.“ Sekunden später liegt das Opfer bäuchlings über einem Zaun. Endlich schreitet jemand ein. Die Worte: „Reicht! Reicht!“ sind zu hören. Die Szene wird von mehreren Umstehenden gefilmt. Die Gaffer helfen nicht, sie filmen die Tat. Tage später tauchen die Videos bei Facebook auf – und sorgen für Kopfschütteln und Empörung.

Das Opfer wird mit Verdacht auf Schädel-Hirn-Trauma vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht. Die Ärzte nehmen den 17 Jahre alten deutschen Staatsbürger aus Hameln stationär auf. Zunächst liegt er auf einer Überwachungsstation, am nächsten Tag wird er auf eine Normalstation verlegt. Die Polizei stuft die Verletzungen statistisch als schwer ein, weil der Verletzte länger als 24 Stunden im Krankenhaus behandelt werden musste.

Das für Jugenddelikte zuständige 6. Fachkommissariat des Zentralen Kriminaldienstes in Hameln hat Ermittlungen wegen vorsätzlicher Körperverletzung eingeleitet. Noch seien weder der Tatverdächtige noch das Opfer vernommen worden, sagt Hauptkommissar Jens Petersen. Motiv der Körperverletzung könnte laut Schule ein Streit über die Sprache sein, die in einen Messenger in der Klassengruppe benutzt wurde. In einem auf der Homepage der Schule veröffentlichten Statement, das mit „Kommunikation gelingt, wenn man dieselbe Sprache spricht“, wird das Fazit gezogen: „Die Auseinandersetzung hätte vermieden werden können, wenn die Jugendlichen zur Verständigung die gleiche Sprache gesprochen hätten.“ Dieser Satz wurde am Donnerstag gelöscht.

Die Eugen-Reintjes-Schule hat bereits am 12. September, einem Tag nach dem Angriff auf ihrer Homepage über die Auseinandersetzung berichtet. Foto: Archiv/ube

Für den 17 Jahre alten Schläger hatte der Angriff bereits Folgen. Die Schule hat ihn suspendiert. Die Eugen-Reintjes-Schule toleriere keine Gewalt, stellt Schulleiter Johannes Stolle klar. „Das geht gar nicht.“ Der rumänische Staatsbürger ist inzwischen nicht mehr Schüler der Eugen-Reintjes-Schule. „Er ist gemeinsam mit seinem Vater zu uns gekommen. Man hat uns mitgeteilt, dass der Jugendliche eine Arbeitsstelle gefunden hat“, sagt der Oberstudiendirektor.

Polizei und Schule hoffen, dass diejenigen, die lieber gefilmt haben als zu helfen, identifiziert werden können. „Es könnte sein, dass Verfahren wegen unterlassener Hilfsleistung eingeleitet werden“, sagt Hauptkommissar Petersen. Und Schulleiter Stolle erklärt: „Wenn sich herausstellt, dass das Schüler unserer Schule waren, hat das für sie Konsequenzen.“

Die Eugen-Reintjes-Schule hat bereits am Tag nach dem Angriff auf ihrer Homepage über die Auseinandersetzung berichtet – zu einem Zeitpunkt, als die Videos noch nicht im Netz veröffentlicht worden waren. In dem Statement heißt es: „Grund der Auseinandersetzung schien die Bitte eines Mitschülers gewesen zu sein, der sich die Kommunikation auf einem Messenger in der Klassengruppe auf Deutsch gewünscht hat, um alles zu verstehen. Missverstanden wurde das offensichtlich von dem jugendlichen Autor, der am Mittag statt diesem Wunsch nachzukommen, körperliche Gewalt einsetzte.“



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