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Deshalb kreiste der Polizeihubschrauber über Hameln

Vermummte Linke mischen AfD-Sitzung im Hotel Mercure auf

Hameln. Tohuwabohu im Hotel Mercure in Hameln: Vier vermummte und komplett schwarz gekleidete Personen haben am späten Donnerstagabend nach Dewezet-Informationen eine AfD-Versammlung gestürmt und AfD-feindliche Flyer in die Luft geworfen. Im Speisesaal soll es zu Rangeleien gekommen sein. Eine AfD-Anhängerin aus Emmerthal zog sich eine Verletzung im Gesicht zu.

veröffentlicht am 13.05.2016 um 10:55 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

Ulrich Behmann

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Chefreporter zur Autorenseite

Vier schwarz gekleidete und vermummte Personen sind am Donnerstagabend kurz vor 22 Uhr in ein „informelles Treffen“ des AfD-Kreisverbands Weserbergland, an dem 20 Frauen und Männer teilgenommen hatten, hineingeplatzt. Die Störer seien im Speisesaal des Hotels Mercure in Hameln „wild umhergelaufen“ und hätten dabei „deutlich AfD-feindliche Flyer in die Luft geworfen“, berichteten Augenzeugen. Für die Teilnehmer sei die Situation „sehr beängstigend“ gewesen, sagte der AfD-Kreisvorsitzende Dr. Manfred Otto. „Wir haben uns bedroht gefühlt, zumal diese Leute vermummt waren.“ Man wisse ja nicht, ob solche ungebetenen Gäste Messer oder Pistolen dabei haben. Gott sei Dank sei es nicht zu schweren Straftaten gekommen. Parteimitglieder und Hotelangestellte alarmierten die Polizei.

 

Frau bekommt Ellenbogen ins Gesicht

 

Als die Maskierten die Flucht ergreifen wollten, hätten Besucher des AfD-Stammtisches versucht, sie festzuhalten, hieß es. Es soll zu kurzzeitigen Rangeleien gekommen sein. Zwei Vermummte seien an einer Emmerthalerin vorbeigelaufen. Die Frau habe einen Ellenbogen ins Gesicht bekommen, sagte Hauptkommissar Jörn Schedlitzki am Freitag im Gespräch mit der Dewezet. Die 55-Jährige fuhr daraufhin leicht verletzt nach Hause. Ermittler mussten erst zu ihr fahren, um sie zu befragen. Die Lage sei anfangs unklar gewesen. „Wir sind zunächst von einem Raubdelikt ausgegangen“, erklärt Schedlitzki. Zur Suche nach den Unbekannten, die durch eine geöffnete Terrassentür in den Bürgergarten geflüchtet waren, setzte die Inspektion deshalb neben allen verfügbaren Streifenwagen auch einen Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera ein. Die Maschine habe sich gerade auf dem Rückflug von einem anderen Einsatz befunden und sei daher schnell verfügbar gewesen, hieß es. Längere Zeit kreiste der Helikopter über der Stadt. Am nachtschwarzen Himmel waren grüne, rote und weiße Blinklichter zu sehen.

Das Dröhnen der Rotoren hielt die Hamelner bis nach 23 Uhr wach. Als klar war, dass kein Verbrechen begangen worden war, brach die Besatzung den Fahndungseinsatz ab. Von den linken Politaktivisten fehlt nach Angaben der Polizei jede Spur. Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt – wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruchs. Da das sichergestellte Flugblatt kein Impressum aufweist, kommt noch eine Ordnungswidrigkeit hinzu. „Der unbekannte Verfasser hat in dem Flyer niedergeschrieben, warum die AfD aus seiner Sicht politisch am rechten Rand steht“, berichtet Schedlitzki. Um seine Thesen zu untermauern, habe er unter anderem auch aus Leserbriefen, die bereits in der Dewezet abgedruckt wurden, zitiert.

Ein Anonymus, der bei der Aktion dabei war, sagte am Freitag, es sei in erster Linie darum gegangen, „Gegeninformationen zu verbreiten und dann die Biege zu machen“. Viele Menschen, die aus Sorge vor Flüchtlingen der AfD hinterherliefen, wüssten seiner Meinung nach nicht, dass die Alternative für Deutschland „verfassungs-, menschen- und arbeitnehmerfeindlich“ sei. „Wir wollten mit der Aktion auch deutlich machen, dass der Saal kein rechtsfreier Raum ist.“ Es sei nicht beabsichtigt gewesen, jemanden zu verletzten. Die Sache mit dem Ellenbogen müsse aus Versehen passiert sein. „Ich habe noch nicht einmal etwas davon mitbekommen“, sagte der Mann, der von sich selbst sagt, er sei ein „linker Politaktivist“.

Der AfD-Kreisvorsitzende Otto bezeichnete die Linksaktivisten als „frech“ und die Störaktion als „sinnlos“. Diesen Leuten sei klar, dass sie ein geringes Entdeckungsrisiko hätten. „Und das nutzen sie aus. Wir hätten gern einen von denen festgehalten und der Polizei übergeben“, sagte Otto – und kündigte an: „Wir arbeiten daran, das persönliche Risiko dieser Personen zu erhöhen. Stichwort Jedermannsrecht.“ Man lasse sich nicht einschüchtern, werde in Zukunft angemessen auf solche Störungen reagieren. „Uns hat die Aktion ein neues Mitglied beschert.“ Ein Augenzeuge sei noch am selben Abend in die AfD eingetreten.



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