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16-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt

Urteil im Schnürsenkel-Prozess: Trainingskurs statt Jugendstrafe

Hannover/Bad Pyrmont. Ein Jugendlicher aus Bad Pyrmont, der im September 2014 seinen Lehrer angegriffen und mit einem Schnürsenkel gewürgt haben soll, ist am Donnerstag vom Landgericht Hannover wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Eine Jugendstrafe wurde nicht verhängt, der 16-Jährige muss einen sozialen Trainingskurs absolvieren.

veröffentlicht am 09.06.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:49 Uhr

landgericht Hannover

Die Entscheidung für einen Trainingskurs anstelle einer Jugendstrafe sei für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden, teilte das Gericht am Donnerstagabend mit. Sie sei gefällt worden, weil es begründete Zweifel an dem Vorliegen schädlicher Neigungen gebe.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Jungen wegen versuchten Totschlags angeklagt und in ihrem Plädoyer eine Jugendstrafe von zwei Jahren beantragt. Die Verteidigung plädierte auf Verfahrenseinstellung gegen geeignete ins Ermessen des Gerichts gestellte Auflagen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (AZ: 34 KLs 12/14)
Die Kammer unter Vorsitz des Präsidenten des Landgerichts, Ralph Guise-Rübe, ist davon überzeugt, dass der damals 14-Jährige seinen Lehrer erst durch einen Schlag an der Hand verletzte und danach versuchte, einen Schnürsenkel als Würgemittel einzusetzen. Schließlich habe er den Klassenlehrer in den Schwitzkasten genommen. Den versuchten Totschlag verneinte die Kammer dagegen, weil es begründete Zweifel am Tötungsvorsatz gebe.
Nach der Attacke war der Schüler zunächst von seinem Gymnasium geflogen. Nachdem ihm die Anklage zugestellt worden war, flüchtete der junge Russlanddeutsche nach Russland. Dort wurde er aufgegriffen und verbrachte einige Monate in Auslieferungshaft, bevor er Anfang des Jahres in die Jugendanstalt Hameln überstellt wurde. Seit einem Monat ist er wieder auf freiem Fuß, weil das Gericht nicht mehr von einem versuchten Tötungsdelikt ausging.

Der letzte Prozesstag sollte eigentlich bereits um neun Uhr beginnen. Die Urteilsverkündung hatte sich jedoch verzögert, weil der Angeklagte am Morgen nicht vor Gericht erschienen war und erst von der Polizei abgeholt werden musste.

Der Jugendliche aus Bad Pyrmont war von der Staatsanwaltschaft ursprünglich wegen versuchten Totschlags angeklagt worden. Nach den Zeugenaussagen mehrerer Mitschüler, aber auch des angegriffenen Lehrers stufte die Kammer den Vorwurf auf „gefährliche Körperverletzung“ herunter. Auch der Haftbefehl gegen den 16-Jährigen war im Laufe des Prozesses aufgehoben worden.

Der zum Zeitpunkt des Vorfalls 14 Jahre alte Gymnasiast soll seinen Lehrer während einer Klassenfahrt im Treppenhaus der Jugendherberge von Goslar mit einem Schnürsenkel gewürgt haben. Der Lehrer wollte dem Schüler wohl sein Handy abnehmen, um zu verhindern, dass dieser Fotos von angeblichen Hygienemängeln in der Unterkunft veröffentlicht.



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