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Polizeiinspektion setzt weiter auf Repression und Prävention

Unfallstatistik 2017: Mehr Unfälle, mehr Tote

HAMELN/HOLZMINDEN. Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Hameln/Holzminden haben sich im vergangenen Jahr 5811 Unfälle ereignet – das sind 89 (1,6 Prozent) mehr als im Vorjahr und markiert gleichzeitig den Höchststand im Zehn-Jahres-Vergleich. Im Jahr 2007 (4982) waren 829 Unfälle weniger registriert worden.

veröffentlicht am 23.03.2018 um 12:00 Uhr
aktualisiert am 23.03.2018 um 14:36 Uhr

Ulrich Behmann

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Chefreporter zur Autorenseite

Im Folgejahr sank die Anzahl der Karambolagen auf 4823. Auf den Straßen der beiden Landkreise kamen im vergangenen Jahr 15 Menschen ums Leben. Das sind vier mehr als 2016 (11). Lediglich in den Jahren 2007, 2008, 2011 und 2014 waren mehr Tote zu beklagen. Anders als in den beiden Vorjahren befand sich unter den Getöteten im Jahr 2017 kein Kind. In der Altersklasse der sogenannten „jungen Fahrer“ (18 bis 24 Jahre) wurden zwei Unfalltote registriert. Vier Opfer waren älter als 65. 186 Personen zogen sich schwere Verletzungen zu – das sind 23 weniger als im Vorjahr. Bei den Leichtverletzten (882) ist ein Anstieg um 31 (3,6 Prozent) zu verzeichnen. Jedoch weist der Zehn-Jahres-Vergleich einen statistischen Rückgang auf (5,2 Prozent). Zur besseren Einordnung: Im Jahr 2007 waren 981 Personen leicht und 243 schwer verletzt worden und 23 Menschen ums Leben gekommen. Immerhin: Trotz eines weiteren Anstiegs der registrierten Verkehrsunfälle auf 5811 sei die Zahl der schwerwiegenden Personenschäden mit 186 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen, sagt Kriminaldirektor Ralf Leopold, der die Inspektion leitet. „Es betrübt mich zutiefst, dass 15 Menschen bei Verkehrsunfällen ihr Leben lassen mussten. Die Verkehrssicherheitsarbeit ist unverzichtbarer Teil einer Gesamtsicherheitsstrategie. Wir haben mit unserer Strategie einen langen Weg eingeschlagen und unser Ziel kann nur bleiben: weniger Tote und Verletzte auf den Straße in unseren beiden Landkreisen. Nur die Fahrer selbst können durch umsichtiges Verhalten Unfälle vermeiden - und deshalb werden wir bei ihnen weiter ansetzen.“ Ein Problem stellen nach wie vor die sogenannten Baum-Unfälle dar. Zwar ging die Anzahl in diesem Bereich von 111 auf 93 (16 Prozent) zurück, allerdings starben deutlich mehr Menschen. 2016 waren es zwei, im vergangenen Jahr sieben. Dies stellt im Zehn-Jahres-Vergleich den zweithöchsten Wert nach 2007 (acht Getötete bei Baum-Unfällen) dar. Sechs der sieben ums Leben gekommenen Menschen sind im Landkreis Hameln-Pyrmont verunglückt.

Bei den Verkehrsunfällen, bei denen die Verursacher unter Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss standen, gab es einen Anstieg um 6 auf 123. Während die Anzahl der alkoholbedingten Verkehrsunfälle um 9 auf 102 angestiegen ist, war bei den Verkehrsunfällen unter Drogeneinfluss ein Rückgang von 24 auf 21 zu verzeichnen. Bei Polizeikontrollen wurden 124 Autofahrer ertappt, die unter dem Einfluss von Drogen unterwegs waren. 206 Fahrzeugführer fuhren unter Alkoholeinfluss und mussten eine Blutprobenentnahme über sich ergehen lassen.

Auch im Jahr 2017 war überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit wieder eine der Hauptunfallursachen. Während sich die Anzahl im letzten Jahr von 248 im Jahr 2015 auf 322 erhöht hatte, blieb sie im Jahr 2017 mit 323 nahezu gleich. Die polizeilichen Ahndungsmaßnahmen wurden im Vergleich zum Vorjahr von 4101 auf 5059 Feststellungen im Jahr 2017 erhöht. Diese Anzahl von Ahndungen umfasst alle polizeilichen Geschwindigkeitsmessungen. Zudem orientieren sich die Überwachungsmaßnahmen in diesem Segment direkt am Unfalllagebild und -geschehen in Abstimmung mit den Landkreis-Behörden, die ebenfalls Tempo-Überwachungen durchführen. „Wir haben durch die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Hameln-Pyrmont Synergieeffekte genutzt und greifen bei der Erstellung eines gemeinsames Verkehrslagebilds auf Gesamtdaten zurück“, betont Polizeirätin Maren Jäschke, Leiterin „Einsatz“. „Durch abgestimmte Verkehrsüberwachungsmaßnahmen mit dem Landkreis soll die objektive, aber auch subjektive Sicherheit im Bereich der geschwindigkeitsbedingten Unfallgefahren erhöht werden“, sagt die Leiterin des Einsatzbereiches.

Polizeihauptkommissar Matthias Feldmann, Sachbearbeiter Verkehr, stehe dazu im engen Kontakt mit den zuständigen Landkreis-Mitarbeitern. „Wir betreiben inzwischen das gemeinsame Verkehrsunfall- und Maßnahmenlagebild; es funktioniert ausgesprochen gut“, berichtet Feldmann. Mit dieser Anwendung werden die Verkehrsunfälle mit schwerwiegendem Personenschaden und die Verkehrsüberwachungsmaßnahmen erfasst und in einem Geo-Portal grafisch aufbereitet. „Hierdurch werden Messstellen festgelegt und die Wirksamkeit von Überwachungsmaßnahmen nachhaltiger überprüfbar sein“, erklärt Feldmann.


Neben der repressiven Überwachung des Straßenverkehrs betreibt die Polizei eigenen Angaben zufolge „mit hoher Intensität Präventionsarbeit“. „Sogenannte Risikogruppen stehen im besonderen Fokus unserer Präventionsarbeit“, sagt Polizeirätin Jäschke. Ob Verkehrsschule und Fahrradprüfungen mit Schülerinnen und Schülern, die groß angelegten Veranstaltungsreihe Crash-Kurs - junge Fahrer“ mit Fahranfängern als Zielgruppe, die Schwerpunktkontrollen Motorrad oder das Seniorentraining in Bezug auf die mobilen Gehhilfen im Straßenverkehr - all diese Präventionsveranstaltungen unter der Koordination unseres Verkehrssicherheitsberaters Andreas Hinz dienen der Verkehrssicherheit und sind weiterhin fester Bestandteil eines Gesamtkonzepts der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden, das in der Zukunft fortgesetzt und intensiviert wird.“ Kradfahrer stehen „unter besonderer Beobachtung“. Vier Motorradfahrer (plus 1) kamen 2017 ums Leben, 51 (minus 17) wurden schwer verletzt. Die Anzahl der Kradunfälle war mit 243 (plus 1) nahezu so hoch wie im Vorjahr.

Immer öfter machen sich Unfallverursacher aus dem Staub. Im Jahr 2017 war das rund jeder fünfte Fahrzeugführer. 1171 Unfälle mit Fahrerflucht wurden angezeigt – ein Fall mehr als im Vorjahr. 43,2 Prozent dieser Unfallfluchten konnten aufgeklärt werden. Im Bereich der Verkehrsunfallfluchten, bei denen mindestens eine Person verletzt wurde, konnte die Quote im Vergleich zum Vorjahr sogar von 60 Prozent auf 67,8 Prozent gesteigert werden.



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