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Hildesheimer führt Retter und Polizisten an der Nase herum – nicht zum ersten Mal

Unfall vorgetäuscht: „Gelähmter“ kommt Polizei entgegen gelaufen

HESSISCH OLDENDORF. Wende bei den Ermittlungen nach dem angeblichen Verkehrsunfall Mittwoch gegen 10 Uhr auf dem Parkplatz am Bahnhaltepunkt in Hessisch Oldendorf: Die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass das angebliche Unfallopfer den Unfall, seine Bewusstlosigkeit und seine Verletzungen nur vorgetäuscht hat und ermittelt nun wegen Vortäuschens einer Straftat.

veröffentlicht am 13.09.2018 um 15:28 Uhr
aktualisiert am 17.09.2018 um 10:04 Uhr

Es war extra ein Hubschrauber angefordert worden, um den angeblich Schwerverletzten ins Krankenhaus zu bringen. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Der Mann, der am Mittwochnachmittag mit einem Intensivhubschrauber zur Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) geflogen wurde (wir berichteten), hat Notfallsanitäter, Ärzte und Polizisten an der Nase herumgeführt – und das nicht zum ersten Mal. Der Hildesheimer hatte um 13.35 Uhr im Hamelner Bahnhof den Notruf 112 gewählt und einem Disponenten erzählt, es gehe ihm schlecht, er sei vor kurzem in Hessisch Oldendorf von einem Auto angefahren worden und danach mit der Nordwestbahn nach Hameln gefahren. Anfangs konnten Unfallermittler nur eine erste kurze Befragung im Krankenhaus durchführen. Der „Patient“ hatte sich für einen 34 Jahre alten Hessisch Oldendorfer ausgegeben. Da seine Angaben bruchstückhaft waren, nahmen die Beamten weitere Ermittlungen auf. Dabei seien „zunehmend Zweifel an der Echtheit der Aussagen und der Identität des Mannes“ aufgekommen, sagte Hauptkommissar Jörn Schedlitzki. Zur Klärung offener Fragen sollte noch am Abend eine zweite Befragung des Mannes in der MHH durchgeführt werden. Polizisten aus Hannover suchten den „Schwerverletzten“ in der Uni-Klinik auf – und staunten nicht schlecht: Der 31-Jährige, dem angeblich eine Querschnittlähmung drohte, kam ihnen quietschfidel auf dem Flur entgegen. In der Unterwäsche des Patienten entdeckten die Ermittler wenig später einen Ausweis. So konnte die wahre Identität des Mannes geklärt werden. Der Hildesheimer war aufgeflogen, seine schweren Wirbelsäulenverletzungen nur vorgetäuscht. Im Sana-Klinikum hatte er vorgegeben, seine Beine nicht mehr spüren zu können. Daraufhin war der Rettungshubschrauber alarmiert worden – der Verletzte sollte rasch in einer Spezialklinik behandelt werden.

Der Polizeicomputer spuckte später noch eine andere Wahrheit aus: Als die Beamten die echten Personalien des Verdächtigen eingaben, erfuhren sie, dass der Hildesheimer dieselbe Nummer bereits am Dienstag in Hannover abgezogen hatte. Auch dort hatte er das Märchen vom Fahrerflucht-Unfall erzählt, der sich angeblich in Sarstedt ereignet hatte. Die Ermittlungen dauern an. „Aufgrund seiner psychischen Disposition ist der 31-Jährige umgehend in ein anderes Krankenhaus gebracht worden“, sagte Schedlitzki. Die Polizei ermittelt gegen den Mann – wegen Vortäuschens einer Straftat.



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