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Streife vereitelt Explosion

Unbekannte wollen Commerzbank-Geldautomaten sprengen

HAMELN. Viel hatte nicht gefehlt, und in der Commerzbank wäre es zu einer Explosion gekommen. In der Nacht zum Mittwoch versuchten Kriminelle, einen Geldautomaten im Schalterraum der Bank an der Osterstraße zu sprengen. Die Täter wurden bei ihrem Versuch von einer Polizeistreife gestört. Die Unbekannten flüchteten mit einem Motorroller durch die Fußgängerzone – verfolgt vom Streifenwagen. Hinter der Münsterbrücke verschwanden die Gauner in der Dunkelheit.

veröffentlicht am 12.12.2018 um 17:33 Uhr
aktualisiert am 20.12.2018 um 17:46 Uhr

Kriminaltechniker in weißen Schutzanzügen gehen in den Vorraum der Commerzbankfiliale. Die Beamten sichern Spuren am Tatort. Auf dem Boden liegt ein Zündkabel. Die Täter wollten offenbar von außen ein Gasgemisch entzünden und dadurch einen Geldautoma
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Die Enttäuschung, die Täter nicht geschnappt zu haben, war den beiden Streifenpolizisten in den Gesichtern abzulesen. Die Beamten waren nur wenige Meter von den Tätern entfernt – konnten sie schließlich aber nicht dingfest machen.

Gegen 3 Uhr lief in der Leitstelle ein Notruf ein. Ein Mitarbeiter eines Frankfurter Sicherheitsunternehmens schilderte dem Disponenten, dass in der Commerzbank-Filiale Alarm ausgelöst worden war. Der 45-Jährige konnte in einer Videoübertragung zwei Männer beobachten, die an einem Geldautomaten hantierten und offenbar eine Sprengung vorbereiteten.

Sofort fuhren Polizeibeamte zum Grünen Reiter, eine Streife wurde allerdings von den Tätern bemerkt. Ein Mann saß bereits auf dem Motorroller, erzählte der Kommissar. Der andere habe neben dem Fahrzeug gehockt und sei dann schnell auf das Moped gesprungen. Mit geschätzten 50 bis 60 Stundenkilometern sei der Motorroller durch die Osterstraße gerast, sagten die Beamten, die die Verfolgung aufnahmen. Vorbei an Betonpollern und zwischen den Weihnachtsmarktbuden hindurch begann eine kurze Verfolgungsjagd.

Bis zum Ende der Bäckerstraße konnte die Streife den Flüchtenden folgen. Dann seien die Täter mit dem Moped die Treppe eines Fußgängertunnels hinuntergefahren. Eine zweite Streifenwagenbesatzung entdeckte die Männer noch einmal am Europaplatz und nahm die Verfolgung des über die Münsterbrücke fahrenden Rollers auf. An der Klütstraße verloren sie das Fahrzeug aus den Augen. Die Täter entkamen.

Mittlerweile war der Tatort an der Bankfiliale mit Flatterband abgesperrt. Im Vorraum standen zwei Gasflaschen neben einem der Geldautomaten. Ein weißes Zündkabel lag auf dem Boden, führte hinaus ins Freie. Am Ende des Kabels war ein Plastikkasten montiert – vermutlich ein selbst gebauter Zünder. Die Unbekannten hatten versucht, im Inneren des Automaten eine Gasexplosion herbeizuführen. Dazu braucht es Fachkenntnis. Gas hatten sie allerdings noch nicht in das Gerät geleitet.

Die Armaturen seien verschlossen gewesen, sagte Bernhard Mandla. Der Oberbrandmeister war Einsatzkraft in einem Feuerwehrtrupp, der mit einem Gasspürgerät die Raumluft überprüfte. Ein explosives Gas-Luf-Gemisch konnte die Feuerwehr nicht feststellen.

Der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma sah die Täter gleich zweimal an sich vorbeifahren. Der Mann bewacht in den Nachtstunden den Weihnachtsmarkt. Zuerst fuhr der Motorroller von der Bäckerstraße in die Osterstraße. Nur Minuten später sei der Roller in die entgegengesetzte Richtung gerast, verfolgt vom Streifenwagen und einem Zivilfahrzeug, erzählte die Security-Fachkraft.

Kriminaltechniker in weißen Schutzanzügen suchten am Morgen in der Bankfiliale nach Spuren. Die Ermittler sicherten Fingerabdrücke, fotografierten den Tatort und stellten die „Arbeitsgeräte“ der Täter sicher. Feuerwehrleute transportierten die zurückgelassenen Gasflaschen zur Dienststelle. Der zur Flucht genutzte Motorroller wurde am Vormittag am Rennacker gefunden. „Eine Frau hatte das Moped in einem Gebüsch entdeckt, als sie mit ihrem Hund spazieren ging“, sagte Inspektionssprecherin Stephanie Heineking-Kutschera.

Anhand von Standbildern der Videoüberwachung liegen Beschreibungen der Täter vor. Ein Mann trug eine Jeans sowie einen olivgrünen Parka. Sein Kompagnon war mit einer dunklen Hose und einer dunklen Regenjacke (mit dünnen, hellen Streifen auf dem Rücken) bekleidet. Die Männer sollen schwarze Sturmhauben und Handschuhe getragen haben.

Das Vorgehen der Kriminellen erinnert an eine Tat, die sich Anfang August an der Bäckerstraße ereignete. Unbekannte sprengten einen Gelautomaten in der Filiale der Santander-Bank und richteten einen Schaden von 180 000 Euro an. Sie flüchten ebenfalls mit einem Motorroller. Das Fahrzeug wurde später bei Tündern aufgefunden. Die Täter wurden noch nicht gefasst.



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