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Minden und Bückeburg von schwerem Unwetter getroffen

Tornado wütet

Bückeburg/Minden. Bei dem schweren Unwetter am Sonntagabend sind in und um Bückeburg erhebliche Sachschäden entstanden. Die Feuerwehr musste zu insgesamt 22 Einsätzen ausrücken. Der Mindener Stadtteil Meißen wurde von einem Tornado heimgesucht. Mehrere Dächer wurden abgedeckt.

veröffentlicht am 23.05.2016 um 18:50 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:13 Uhr

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Fünf Häuser mussten wegen Einsturzgefahr evakuiert werden. Hiervon waren insgesamt 33 Personen betroffen.

Die Polizei Minden-Lübbecke sprach in ihrer Pressemitteilung von einem Tornado. Das Unwetter könnte nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) als Tornado eingestuft werden. „Wir müssen noch einige Dinge analysieren, aber wir schließen das zumindest nicht aus“, sagte eine DWD-Sprecherin. Es seien Orkanböen gemeldet worden, Hagelkörner von bis zu zwei Zentimeter Größe seien auf die Region niedergeprasselt.

Der Tornado zog seine Schneise der Verwüstung über das Bückeburger Stadtgebiet entlang von Röcke. Entlang der Bundesstraße 65 wurden dutzende Bäume umgeknickt und blockierten die Fahrbahn. Hier war die Feuerwehr Bückeburg bis in die späten Abendstunden mit 43 Mann und acht Fahrzeugen im Einsatz, um die Schäden zu beseitigen. Die Feuerwehr Minden rückte zu 194 Einsätzen aus, die Polizei 61-Mal. Das Dach eines Gebäudes an der Straße Grille stürzte ein, Teile der Dachpappe wurden von den Sturmböen bis auf die andere Straßenseite geweht. Das Haus ist nicht mehr bewohnbar, ebenso vier Häuser im Burgweg. Die Schadenshöhe kann derzeit seitens der Polizei Minden-Lübbecke noch nicht beziffert werden, dürfte nach ersten Schätzungen jedoch in die Millionen gehen.

Im Bückeburger Ortsteil Röcke stürzte eine Birke auf eine Pizzeria. Fotos: Pr

Ein Mensch wurde bei dem Unwetter schwer verletzt. Ein Rollerfahrer stürzte in Porta Westfalica über einen herausgespülten Gullideckel und zog sich schwere Verletzungen zu. Im Bückeburger Ortsteil Cammer hatte sich eine 72-jährige Frau aus Stemwede mit ihrem Fahrrad „durch das Auge des Sturms“ gekämpft, die sich für ihre Radtour „den falschesten aller Zeitpunkte ausgewählt hatte“, so die Polizei Bückeburg. Um 21 Uhr holten die Beamten die völlig durchnässte und entkräftete Frau von einem besorgten Cammeruner Bürger ab. Die Frau wurde später von ihren Angehörigen abgeholt.

Die Feuerwehr Bückeburg war bereits ab 19.55 Uhr im Einsatz. Im Hafen Berenbusch hatte die Brandmeldeanlage in einem Industriebetrieb ausgelöst. Zum Glück ein Fehlalarm, wie sich herausstellte. Kaum eingerückt, gingen die ersten Meldungen über umgestürzte Bäume ein. In enger Zusammenarbeit von Feuerwehr Bückeburg und Polizei wurden die Einsätze nach Einschätzung der jeweiligen Gefahrenlagen bewältigt.

Als ein Schwerpunkt kristallisierte sich die Bundesstraße 65 heraus, wo es zu zahlreichen Verkehrsbehinderungen durch entwurzelte Bäume und herabfallende Äste im Fahrbahnbereich kam – insbesondere zwischen dem Dreieck Bückeburg und der Abfahrt zur Bundesstraße 482. In beiden Fahrtrichtungen waren Bäume umgestürzt. Die Fahrtrichtung Bückeburg war für eine Stunde gesperrt.

Der stellvertretende Ortsbrandmeister Jürgen Pöhler koordinierte den Einsatz von 43 Einsatzkräften mit acht Fahrzeugen aus den Ortsfeuerwehren Bückeburg-Stadt und Cammer an der B 65. „Mit insgesamt fünf Kettensägen gingen die Einsatzkräfte zur Beseitigung der Gefahrenstelle vor“, berichtete Pöhler. Auch die Drehleiter kam zum Einsatz, da ein Baum auf eine Lärmschutzwand gestürzt war. Während der Arbeiten sperrte die Feuerwehr die B 65 voll.

Weitere fünf Einsätze durch überflutete Keller und Garagen mussten infolge des Starkregens abgearbeitet werden. Außerdem entfernten Einsatzkräfte der Feuerwehr Evesen lose Dachziegel, die abzustürzen drohten.

Probleme beim Ausrücken hatten die Kräfte der Feuerwehr Cammer. Direkt vor der Ausfahrt des Feuerwehrhauses war ein Baum umgestürzt, der zunächst durch die Wehrmänner beseitigt werden musste, bevor sie zur eigentlichen Einsatzstelle ausrücken konnten.

Im Schaumburger Wald stürzten zahlreiche Bäume um oder wurden beschädigt. Rund 1000 Festmeter Holz schätzt die Fürstliche Forstverwaltung, aber: „Es gab schon wesentlich Schlimmeres.“ Im Schlosspark wurde ein Baum in der Nähe eines Zeltes umgerissen. Weitere Schäden entstanden nach Angaben von Schlossverwalter Alexander Perl nicht. Auch der Aufbau für die am Donnerstag beginnende Landpartie ist nicht beeinträchtigt. Auch die Stadtverwaltung meldet keine größeren Schäden an städtischen Gebäuden oder Grünanlagen. Ein paar große Äste sind auf Zäune gefallen. Der stellvertretende Baubereichsleiter Manfred Rettig: „Wir haben viel Glück gehabt.“

Tornados sind Wirbelstürme, die bei großen Temperaturunterschieden über dem Festland entstehen. Durch Warmluft entsteht eine rotierende Bewegung in einer Wolke. Der Unterdruck im Zentrum des Tornados erzeugt einen Sog und reißt alles in die Höhe.



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