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Hamelner soll auf Flucht vor Polizei schweren Unfall verursacht haben

Todesfahrer vor Gericht

veröffentlicht am 29.09.2016 um 16:07 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:56 Uhr

Ulrich Behmann

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Chefreporter zur Autorenseite

Das Drama, das am Donnerstagnachmittag ein gerichtliches Nachspiel hat, nimmt am späten Abend des 26. Mai 2014 seinen Lauf. Der damals 32 Jahre alte Semir I. ist kurz vor Mitternacht mit einem VW Golf auf den Straßen von Hameln unterwegs. Der Hamelner hat Alkohol getrunken und sich hinter das Steuer gesetzt, obwohl man ihm vor einiger Zeit den Führerschein abgenommen hat. Neben Semir I. sitzt ein 30 Jahre alter Mann auf dem Beifahrersitz – der Hamelner wird die Fahrt nicht überleben.
Um 22.52 Uhr geht in der Polizei-Leitstelle ein anonymer Hinweis ein. Eine Frau behauptet, am Grasbrink in Klein Berkel werde ein VW Golf von einem betrunkenen Mann gesteuert. Mit mehreren Streifenwagen fahnden Polizeibeamte nach dem Auto. Auf der Pyrmonter Straße entdeckt ein Polizeihauptkommissar, der mit einem Zivilwagen unterwegs ist, das gesuchte Fahrzeug. Er nimmt die Verfolgung auf, informiert über Funk eine Streifenwagen-Besatzung, die in Höhe „Reifen Müller“ den Verkehr beobachtet. Die Beamten versuchen vergeblich, den Volkswagen zu stoppen – Semir I. ignoriert Blaulicht und Anhaltesignale. Stattdessen wendet er abrupt in Höhe der Bushaltestelle an der Thiewallbrücke. Der VW Golf rutscht bei diesem Manöver mit dem Heck gegen eine hohe Bordsteinkante, schleudert dadurch zurück und prallt gegen den Zivilstreifenwagen. Der Hamelner rast auf die Hochstraße. Die Staatsanwaltschaft wird dieses Verhalten später als „grob verkehrswidrig und rücksichtslos“ bezeichnen. Semir I. soll auf der Flucht vor der Polizei ordentlich Gas gegeben haben und Tempo 100 gefahren sein. Plötzlich verliert der in Deutschland geborene Mann die Kontrolle – der VW Golf kommt ins Schlingern, gerät auf die Gegenfahrbahn und prallt dort mit einem entgegenkommenden 40-Tonnen-Lastzug zusammen. Der Berufskraftfahrer (64) erinnert sich: „Ich habe am Nachthimmel Blaulicht gesehen. Dann hat es auch schon einen unheimlich lauten Schlag gegeben.“ Durch die Wucht der Kollision soll der VW anschließend noch gegen den Zivilwagen geschleudert sein, sagt die Staatsanwaltschaft. Der Beifahrer im VW Golf stirbt, Fahrer Semir I. überlebt. Er wird noch in der Nacht mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen nach Hannover geflogen. Der Unfall belastet den Lkw-Fahrer noch immer. Zwei Jahre hat er nicht gearbeitet, er war in der Reha. Anfangs ist er nachts schweißgebadet aufgewacht und hat geschrien. Die Bilder von damals wird der Hamelner nicht los.
Zwei Jahre und vier Monate nach dem Unfall muss sich Semir I. vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Hameln verantworten. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat den Vater von zwei Kindern (7, 12) wegen fahrlässiger Tötung, Gefährdung des Straßenverkehrs und wegen Verkehrsunfallflucht angeklagt. Der Rechtsmediziner hat ausgerechnet, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt des Unfalls maximal 1,08 Promille im Blut hatte.
Sein Verteidiger Roman von Alvensleben sagt, sein Mandant laboriere immer noch an den Folgen des schweren Schädel-Hirn-Traumas, das er sich bei der Kollision zugezogen hat. Deshalb könne er dem Prozess nicht lange folgen. Ein Gutachter ist zu dem Schluss gekommen, dass Semir I. nicht länger als zwei Stunden pro Tag verhandlungsfähig ist – und das auch nur mit Pausen.
Der Angeklagte behauptet, er könne sich an nichts erinnern. Bei dem Lastwagen-Fahrer hat er sich gestern entschuldigt.
Der Prozess wird am 11. Oktober um 13.30 Uhr fortgesetzt.



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