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Tierretter holen Mischling aus Regenrinne

Tierischer Einsatz: Hund vom Dach gerettet

Hameln. Mischlingshund „Ulises“ hat Donnerstagmorgen Tierretter, Nachbarn und sein Herrchen in Atem gehalten. Das zwei Jahre alte Tier saß auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses an der Grütterstraße. Es bestand die Gefahr, dass der Hund über zehn Meter tief fallen konnte. Tierretter eilten zu Hilfe.

veröffentlicht am 21.07.2016 um 12:12 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

Frank Neitz

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Reporter / Fotograf zur Autorenseite

Die Lage sieht alles andere als harmlos aus. Mehr als zehn Meter über einer gepflasterten Hofeinfahrt sitzt ein großer Hund am äußersten Rand eines Daches – halb auf den Pfannen, halb in der Regenrinne. Tierfreunde mögen gar nicht richtig hinsehen, wenn sich das Tier bewegt. Die Gefahr ist groß, dass der Vierbeiner jeden Moment in die Tiefe stürzt. Ab und zu guckt „Ulises“ nach unten. So heißt der Mischling, der am Donnerstagvormittag Tierretter der Feuerwehr, Nachbarn und sein Herrchen in Atem hielt.

Ruth Werner hat den in Not geratenen Hund gegen halb zehn Uhr entdeckt. Sie war auf den Balkon ihrer Wohnung an der Friedrichstraße gegangen. „Ich habe einen richtigen Schock bekommen“, berichtet die Hamelnerin. Anwohner berichten, dass der Vierbeiner mehrfach zurück zum Fenster klettern wollte, aber immer wieder abrutschte. Auch Roland Schwartz entdeckte den auf dem Dach kauernden Vierbeiner, als er quer über die Straße blickte.

Die Nachbarn laufen zum Mehrfamilienhaus, wollen den Hundebesitzer informieren, klingeln Sturm. Doch in der betreffenden Dachgeschosswohnung öffnet niemand. Offenbar ist niemand zu Hause. Nachbar Schwartz weiß, wer jetzt helfen kann. Er setzt einen Notruf ab und fordert die Tierretter der Hamelner Feuerwehr an.

Mischlingshund „Ulises“ konnte nur noch hilflos vom Dach herunterschauen. Foto: fn

In der Feuerwache besteigen Bernhard Bartels und Olaf Köhnen kurz darauf das Drehleiterfahrzeug. Mithilfe dieses Einsatzfahrzeugs haben die routinierten Feuerwehrleute schon manche Katze vom Dach oder aus einem Baum retten können. Bartels greift zu einem Transportkorb, in den die Einsatzkräfte gerettete Tiere bis zur Größe eines Waschbären setzen können.

Sein Kollege scherzt noch, dass da aber kein Schäferhund hineinpassen würde. „Du bist bekloppt, da sitzt doch kein Schäferhund in der Dachrinne“, antwortete der Oberbrandmeister. Da kennt Bartels „Ulises“ und dessen Unternehmungslust noch nicht. Wenig später ist er eines Besseren belehrt. Bereits auf der Fahrt zur Grütterstraße erfahren die Feuerwehrleute über Funk: „Das Tier hat die Größe eines Schäferhundes.“

Zwei Fragen tun sich auf: Wie gelangte der Hund in die Dachrinne? Und noch wichtiger: Wie bekommt man ihn dort wieder heraus? Mit der Drehleiter jedenfalls nicht. Das stellen die Tierretter schnell fest. Das große Fahrzeug können die Oberbrandmeister in der schmalen Grundstückseinfahrt nicht in Stellung bringen. Bleibt nur der Weg durch die Wohnung. Köhnen und Bartels fordern weitere Kollegen an, die mit Spezialwerkzeugen die Eingangstür öffnen sollen.

Wenig später rennt ein junger Mann auf das Mehrfamilienhaus zu. Es ist „Ulises‘“ Herrchen. Die Sorge um seinen Vierbeiner ist ihm anzumerken. Anwohner hatten ihn telefonisch erreicht und über die Notlage seines Hundes informiert. Jetzt geht es rasend schnell. Der 25-Jährige öffnet die Tür der Dachgeschosswohnung. Bernhard Bartels eilt zum geöffneten Dachfenster.

Der Feuerwehrmann greift zu einer Hundeleine und bindet eine Schlaufe. Ihm gelingt es auf Anhieb, dem Hund die Leine um den Körper zu legen. „Ulises“ ist gesichert. Das Tier kann nun nicht mehr abstürzen.

Dann endlich kann Herrchen seinen Liebling am Fenster entgegennehmen. Pfote für Pfote wagt sich „Ulises“ nun den kurzen Weg über die Dachpfannen vor und springt ins Haus.

Die Tür zum Balkon hatte er verschlossen, bevor er gegangen war, sagt der Hundebesitzer nach der Rettungsaktion. Ob das Fenster, durch das der Hund auf das Dach spazierte, weit geöffnet war oder der Vierbeiner einen kleinen Spalt mit seiner Schnauze aufdrückte, um heraussteigen zu können, bleibt „Ulises“ Geheimnis. „An einen ähnlichen Einsatz kann ich mich nicht erinnern“, sagt Andreas Zerbe, Chef der Hamelner Feuerwehr. Aus einer solchen Höhe und prekären Situation hat die Hamelner Feuerwehr einen so großen Hund offenbar noch nicht retten müssen.



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