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Dauerregen, gesperrte Straßen, vollgelaufene Keller

Tief "Alfred" ist ein echtes Ekel

WESERBERGLAND. Tief "Alfred" hat in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden zu mehreren überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern geführt. Die Feuerwehren sind im Dauereinsatz. Und der Regen will einfach nicht aufhören. Ministerpräsident Stephan Weil hat sich kurzfristig entschlossen, sich in Eldagsen bei Springe ein Bild von der Lage zu machen.

veröffentlicht am 25.07.2017 um 08:22 Uhr
aktualisiert am 25.07.2017 um 19:23 Uhr

Es regnet, regnet, regnet - und so soll es auch weitergehen. Tief "Alfred" entpuppt sich als echtes Ekel. Für fast ganz Niedersachsen ist Starkregen angesagt, teils "extrem ergiebig" mit bis zu 100 Litern pro Quadratmeter, warnt der Deutsch Wetterdienst (DWD). In Niedersachsen besonders schwer betroffen sind die Regionen südlich von Hannover bis hinter Göttingen. 

Auch in den Landkreisen Holzminden und Hameln-Pyrmont verursachte der Dauerregen Überschwemmungen. Straßen wurden überflutet, Flüsse traten über die Ufer, Keller liefen voll. Nach Angaben der Regionalleitstelle gab es bis zum frühen Morgen rund 50 Einsätze. 

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt weiterhin vor extrem ergiebigem Dauerregen. Bislang seien Niederschlagsmengen von 50 bis 80 Litern pro Quadratmeter beobachtet worden. Bis zum Mittwochmorgen könnten nochmals 80 Liter pro Quadratmeter dazu kommen. Die amtliche Unwetterwarnung gilt zunächst bis 6 Uhr morgens und betrifft alle Orte des Landkreises Hameln-Pyrmont. Laut Unwetterzentrale soll der Ostkreis besonders stark betroffen sein. Dort gilt die höchste Warnstufe Violett, im westlichen Landkreis lag die Warnstufe bis zum Dienstagabend bei Rot.

Auch am Mittwoch könnte es noch den ganzen Tag weiterregnen. Die Warnung vor Dauerregen gilt noch bis 12 Uhr, es wurde aber am Dienstagabend bereits eine Vorabinformation herausgegeben, in der von ergiebigem Regen bis 18 Uhr die Rede ist.

Bad Münder, Coppenbrügge und Salzhemmendorf wurden am Dienstag von dem Starkregen besonders getroffen. Laut Kreisfeuerwehr Hameln-Pyrmont gab es dort und in Emmerthal die meisten Einsätze. Der Melder klingele sozusagen im Minutentakt, heißt es in einem Facebook-Post.

Die Kreisstraße 14 zwischen Diedersen und Bisperode wurde am frühen Dienstagmorgen gesperrt. Auch die Kreisstraße 60 zwischen Klein Hilligsfeld und Afferde ist nicht befahrbar. Die Dorfstraße in Hachmühlen steht teilweise unter Wasser und die B 217 droht dort auch zu überschwemmen. Außerdem ist die Landesstraße 422 zwischen Eldagsen und Coppenbrügge in beide Richtungen gesperrt, weil das Wasser die Fahrbahn flutete. 

Dauerregen flutet den Landkreis

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Im benachbarten Landkreis Holzminden sorgte die über die Ufer tretende Lenne für Hochwasser. In Hohenbüchen wurde eine Straße unterspült und sackte ab. So war in Eschershausen die Durchfahrtsstraße überflutet. Auch am Bomhof in Kirchbrak gefährdete die überflutende Lenne mehrere Gebäude. Die Stadt Holzminden wurde ebenfalls erheblich vom Starkregen heimgesucht.


Einschränkungen im Nahverkehr

Auch die Öffis melden Einschränkungen durch den Dauerregen. Mehrere Straßen im Bereich Hilligsfeld / Hasperde sind überflutet. Betroffen sind die Linien 1 und 15.
  • Die Linie 1 kann die Haltestellen "Hilligsfeld, Denkmal" und "Kollwitzstraße" nicht bedienen.
  • Die Linie 15 fährt zwischen "Hameln, Bahnhof" und Klein Süntel über die B217 bis zur Haltestelle "Hasperde, B217". Alle Haltestellen zwischen "Hameln, Bahnhof", Afferde, Hilligsfeld, Herkensen, Hohnsen und Hasperde können nicht bedient werden.
Wann die Sperrung aufgehoben wird, könne derzeit noch nicht gesagt werden. Aktuelle Infos gibt es auf der Öffi-Webseite und auch auf dem FB-Profil der Öffis.

Talsperren füllen sich 

Was für die Rettungskräfte viel Frust bedeutet,  lässt die Betreiber von Talsperren aufatmen.  Die Grane-Talsperre ist etwa mit 60 Prozent befüllt, die der Innersten mit 42 Prozent. Abgelassen wird den Wasserwerken zufolge, wenn der Füllungsgrad 90 Prozent beträgt. Davon ist die Edersee-Talsperre weit entfernt, sie ist erst zu 20 Prozent gefüllt.

Die Pegelstände von Weser und Emmer steigen, befinden sich aber nicht im kritischen Bereich. Die Emmer war bis Dienstagabend auf 3,90 Meter angestiegen (Mess-Stelle Bad Pyrmont) und liegt damit genau auf Höhe der Meldestufe 1. Der Weser-Pegel ist in den letzten 24 Stunden um über eineinhalb Meter angestiegen und lag bei der letzten Messung am Dienstagabend 18 Uhr (Mess-Stelle Hameln-Wehrbergen) bei 2,55 Metern und damit 1,95 Meter unter der Meldestufe 1. Die aktuellen Pegel-Stände von Weser und Emmer werden über den elektronischen Wasserstraßen-Informationsservice (ELWIS) veröffentlicht.

Weil besucht Eldagsen
Angesichts des Dauerregens in Teilen Niedersachsens hat sich Ministerpräsident Stephan Weil kurzfristig dazu entschlossen, sich am heutigen Dienstag selbst ein Bild von der Lage in Eldagsen bei Springe zu machen.

Die heftigen Regenfälle verwandelten auch einen Teil der Wege und Tieranlagen im Wisentgehege in Teiche und Bäche. Die Einrichtung hatte dennoch nicht geschlossen, Besucher benötigten aber zwingend Gummistiefel.



Information

So entsteht Dauerregen

Der kräftige Dauerregen entsteht, wenn Tiefdruckgebiete im Sommer vom Mittelmeer in den Norden ziehen. Aus dem warmen Süden bringen die Tiefs viel Feuchtigkeit mit. Wenn sie dann auf kühlere Luft im Norden treffen, regnen sich die Wolken ab. Entscheidend ist: Umso größer der Temperaturunterschied zwischen der warmen und kalten Luft ist, desto stärker ist das Tief. Dies passiert im Sommer häufiger.

Verstärkt werden solche Tiefdruckgebiete, wenn sie auf Mittelgebirge treffen. Dort prallt die strömende Luft gegen die Hänge und ist gezwungen, aufzusteigen. Dadurch entwickeln sich zusätzliche Schauer und Gewitter.



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