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Im Ernstfall betreiben die Helfer eine mobile Führungsstelle

THW Hameln ist auf Ölunfall an der Küste vorbereitet

HAMELN/LANGEOOG. Wenn es an der Küste zu einer Havarie kommt, könnte das auch einen Einsatz für Hamelner Spezialisten bedeuten. Zehn Männer des Technischen Hilfswerks könnten im Notfall ausrücken - auch zu dem aktuell vor Langeoog auf Grund gelaufenen Frachter. Angefordert worden sind sie in diesem Fall jedoch noch nicht.

veröffentlicht am 01.11.2017 um 18:07 Uhr

Der auf Grund gelaufene Frachter „Glory Amsterdam“ sitzt seit Sonntagabend fest. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Er ist 225 Meter lang und 32 Meter breit, hat 1800 Tonnen Schweröl und 140 Tonnen Marinediesel an Bord und liegt seit Sonntagabend vor der ostfriesischen Insel Langeoog auf Grund – während des Orkans „Herwart“ ist der Schüttgutfrachter zum Spielball der Naturgewalten geworden. Die beiden tonnenschweren Anker konnten den Ozeanriesen bei einer Wellenhöhe von sieben Metern nicht halten – die „Glory Amsterdam“ trieb vor den Augen der Besatzung des zu Hilfe geeilten Hochseeschleppers „Nordic“ manövrierunfähig in der Deutschen Bucht. Mehrfach waren Notschleppverbindungen zu dem Havaristen hergestellt worden, allerdings brachen die Leinen immer wieder. Der Seegang war einfach zu stark.

In Hameln gibt es zehn Spezialisten, die vom Havariekommando in Cuxhaven angefordert werden können, sollten bei der Bergung größere Mengen Kraftstoff auslaufen. Es sind Männer des Technischen Hilfswerks. Im Ernstfall würde ihnen ein Einsatzabschnitt unterstellt. „Unsere Aufgabe ist es, in dem uns zugeteilten Bereich unter der Leitung der Kollegen des Havariekommandos Einsätze zu koordinieren und Personal zu versorgen“, sagt Frank Siebke, Leiter der Führungsgruppe der 1. Technischen Einsatzleitung des Landkreises Hameln-Pyrmont. Der THW-Helfer lächelt, als er das sagt. Dann schiebt er hinterher: „Das ist jedenfalls stark vereinfacht ausgedrückt, was von uns erwartet wird.“ Seit 20 Jahren gehören die Hamelner zu einer Gruppe von ausgewiesenen Experten für Ölschadenbekämpfung im Norden Deutschlands. Viermal waren sie in dieser Zeit an Nord- und Ostsee im Übungseinsatz, achtmal haben sie an Stabsrahmenübungen an der THW-Bundesschule in Hoya mitgewirkt.

Sollte es zu einer Umweltkatastrophe im Nationalpark Wattenmeer kommen und das THW Hameln alarmiert werden, würden die Helfer sofort ihre Koffer packen und ihren in Klein Berkel stationierten Lastwagen, eine mobile Fernmeldezentrale, besetzen, den Lage- und Führungsanhänger ankuppeln und in Richtung Norden abrücken. „In dem uns zugewiesenen Einsatzgebiet bauen wir dann eine mobile Führungsstelle auf“, erklärt Siebke. Die Sprechfunker und Logistiker sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Im Weserbergland sind sie die einzigen Spezialisten, die im Falle einer Ölkatastrophe an der Küste als örtliche Einsatzabschnittsleitung eingesetzt werden können.

THW-Helfer Roland Derwich bei einer Übung an der Küste. Foto: THW
  • THW-Helfer Roland Derwich bei einer Übung an der Küste. Foto: THW

Wenn Siebke die Fotos von dem gestrandeten Frachter sieht, macht er sich keine Gedanken darüber, ob seine Einheit angefordert wird oder nicht. „Wir sind rund um die Uhr an jedem Tag des Jahres einsatzbereit – und gut geschult“, sagt der 59-Jährige.

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