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Kriminelle schicken Amazon vor / Polizei rät, verdächtig vorkommende Gespräche schnell zu beenden

Telefonbetrüger mit neuer Amazon-Masche

WESERBERGLAND. Anfangs war es der Enkeltrick. Dann die Anrufe falscher Polizeibeamter. Und jetzt sind es getürkte Gewinnspielversprechen eines Versandhandels. Neuerdings missbrauchen Betrüger den Namen von Amazon, um ihrer Opfer zu gelangen. Opfer berichten, dass sie psychisch manipuliert wurden. Sie haben uns davon berichtet.

veröffentlicht am 20.02.2019 um 17:09 Uhr
aktualisiert am 20.02.2019 um 21:00 Uhr

Die Polizei warnt ständig vor Telefonbetrügern. Neu ist, dass sie Amazon-Gewinnspielaktionen vortäuschen. Foto:Arno Burgi/dpa
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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„Wie kann man nur so blöd sein?“ Wer Opfer eines Betruges wird, muss mit Spott rechnen. Nie hätten viele der Leidtragenden daran gedacht, dass ihnen so etwas passieren könnte. Doch wer selbst einmal mit den Betrügern telefoniert hat, sieht das anders. Egal, ob er auf die Kriminellen hereinfiel oder es noch einmal gut gegangen ist. Opfer berichten, dass sie psychisch manipuliert wurden. Von Verbrechern, die am Telefon freundlich, nett und überzeugend aufgetreten.

Anfangs war es der Enkeltrick. Dann die Anrufe falscher Polizeibeamter. Und jetzt sind es getürkte Gewinnspielversprechen eines Versandhandels. Neuerdings missbrauchen Betrüger den Namen von Amazon, um ihrer Opfer zu gelangen. Auch in der Region.

Birgit Bufe erhielt einen der dubiosen Anrufe. Sie habe 143 000 Euro gewonnen, teilte ihr eine Anwaltskanzlei aus Österreich mit. Eine „Frau Bauer“ erklärte der Extertalerin am Telefon, dass sie Amazon-Gutscheinkarten im Wert von 200 Euro kaufen müsse, um den Gewinnbetrag erhalten zu können. Es handele sich um eine Verlosung, zu der Amazon das meiste Geld beigesteuert habe, sagte man ihr. Deshalb erwarte der Versandhändler, dass die Gewinnerin die Gutscheinkarten kaufen sollte.

Die auf den Rückseiten abgedruckten Gutschein-Codes sollte die Angerufene anschließend „Frau Bauer“ telefonisch durchgeben. Danach sollte das Geld fließen.“Es hörte sich alles korrekt und amtlich an. Von der angezeigten österreichischen Telefonnummer (0043/720349812) bis hin zum gesprochenen Dialekt“, erinnert sich Birgit Bufe. Die Extertalerin reagierte nicht auf das Telefonat. Auch nicht auf weitere Anrufe.

Der Gewinn, der einem Hessisch Oldendorfer am Telefon präsentiert wurde, klang verlockend: eine Reise nach Wien mit vier Übernachtungen in einem Fünfsternehotel. Ebenso die schmackhaft gemachte Chance , während der Reise bei einem netten Abend einen BMW im Wert von 50 000 Euro zu gewinnen. Der 64-Jährige habe im vergangenen Sommer bei Amazon an einem Gewinnspiel teilgenommen, sagte „Peter Seidel“, der sich als persönlicher Ansprechpartner vorstellte. Im Display wurde Telefonnummer aus München angezeigt, dem Sitz Amazons in Deutschland.

Die Sache hatte allerdings einen Haken. „Ich sollte ihm zum Abgleich einige persönliche Daten nennen. Adresse, Alter und auch die Bankverbindung. Ich gebe die doch nicht am Telefon nicht preis“, sagte der Hessisch Oldendorfer. Als der Mann sich weigerte, schlug beim zuvor seriös aufgetretenen Anrufer die Stimmung um. „Der wurde ungehalten und leicht aggressiv, bevor ich auflegte“, meinte der 64-Jährige. Er informierte die Polizei.

„Von Amazon-Gutscheinen habe ich bisher weniger gehört. Das ist noch nicht so präsent“, erzählt Frank Weiss. Der Erste Kriminalhauptkommissar ist Chef des für Betrugsdelikte zuständigen Fachkommissariats der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden. Bislang Er weiß, dass Betrüger bislang über Zahlungssysteme wie „Steam-Geschenkkarten“ an das Geld ihrer Opfer gelangten, das sie weltweit bar ausgezahlt bekämen. Meist seien es Beträge zwischen 600 und 900 Euro, so Weiss.

Der Kriminalbeamte rät, verdächtig vorkommende Telefongespräche schnell zu beenden und den Hörer aufzulegen. Aber auch die Polizei über die Anrufe zu informieren. Und, falls möglich, die Telefonnummer zu notieren. „Auch wenn die verschleiert sein sollten, meint der Beamte. Amazon reagierte dankbar auf den Hinweis der Dewezet, dass unter dem Namen des Konzerns Betrüger auf Opfersuche sind. Amazon empfiehlt seinen Kunden, sich auf den Amazon-Hilfe- und Kundenservice-Seiten im Internet zu informieren, um solchen Maschen vorzubeugen. Und Amazon bittet auch darum, das Unternehmen zu informieren, wenn Kunden eine verdächtige Mail erhalten, die den Eindruck erweckt, von Amazon zu kommen. Diese Mails sollten ungeöffnet an stop-spoofing@amazon.com weitergeleitet werden.
Internet: https://www.amazon.de/gp/help/customer/display.html?nodeId=202107450

Mein Standpunkt
Frank Neitz
Von Frank Neitz

Vor Telefonbetrügern warnen und über ihre Tricks aufklären –immer wieder. Anders ist den Ganoven offenbar nicht beizukommen. Wenn sie kaum Erfolge haben und dadurch kaum Beute machen, wird ihr Interesse vielleicht von ganz allein nachlassen.



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